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Historische Einordnung, Bewertung und Arbeitshinweise

 

Aufgrund der prägnanten Darstellung der wesentlichen Ereignisse zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Bau der Berliner Mauer bietet sich der Film „Der Einheit der Nation verpflichtet“ besonders als Einführung in die deutsche Nachkriegsgeschichte an. Die Tendenzen des Kommentars erfordern aber, den Film nicht einzig zum Zweck der Informationsvermittlung zu verwenden, sondern ihn vielmehr in seine Entstehungszeit, die Phase der sich abkühlenden Ost-West-Beziehungen zwischen 1979-85, einzuordnen. Ausführliche Angaben zum historischen Entstehungshintergrund sind unter dem Film „ Jene Tage im Juni“ abrufbar. Der Film spiegelt auch das Geschichtsbild der frühen Kohl-Ära, in der einerseits die Fortführung der sozialliberalen Ostpolitik betrieben wurde, sich andererseits aber eine Hinwendung zu einer zum Teil einseitig konservativ-emotionalisierenden Geschichtsdarstellung vollzog.

 

Bewertung

Joachim Paschen ordnet den Aufstand des 17. Juni 1953 in eine Darstellung ein, die die Ursache für den innerdeutschen Konflikt in der Sowjetisierung Osteuropas und die Schuldigen an der Festigung dieses Zustands in der DDR-Führung sieht: So begründet der Kommentar die deutsche Teilung einseitig mit der Staatsgründung der DDR (Sequenz 3). Der Aufstand, der nur kurz behandelt wird (Sequenz 4), wird als Beleg dafür gewertet, dass aus dem Inneren der DDR heraus keine Veränderung des bestehenden Systems zu erwarten ist.

 

Im Kontext der drei grundlegenden Thesen zum 17. Juni:

  1. Protest gegen die Normerhöhungen, nicht aber gegen das System der DDR als solches
  2. Protest / Aufstand gegen das politische System der DDR, bei dem die Normerhöhungen nur Anlass waren
  3. Vom Westen initiierter bzw. gesteuerter Aufstand, um die DDR zu destabilisieren

 

stützt der Film eindeutig die These 2.

 

Arbeitshinweise

Die folgenden Fragen sollten bei der Bearbeitung des Films eine Rolle spielen:

1. Wie ist der Film strukturiert, wie nähert er sich seinem Thema an? Siehe hierzu auch das Sequenzprotokoll.

2. Neben historischem Filmmaterial nehmen vor allem die Kartendarstellungen einen großen Teil des Films ein. Zu welchem Zweck werden sie eingesetzt?

3. Was für Redemitschnitte werden im Film gezeigt?

Neben der Eröffnung des ersten deutschen Bundestages durch Paul Löbe stammt der einzige im Film gezeigte Redemitschnitt von Helmut Kohl (1985). Kohl würdigt darin zum einen die Integration der Vertriebenen in die westdeutsche Gesellschaft und erkennt zum anderen die polnischen Interessen an den ehemals deutschen Ostgebieten an, was einer Absage an den Revanchismus-Gedanken gleichkommt.

4. Der Aufbau des Films ermöglicht die Verwendung einzelner in sich abgeschlossener Sequenzen zur Darstellung historischer Ereignisse wie:

- der Aufteilung Deutschlands, ihrer Vorgeschichte und Ursachen

- die Flüchtlingsproblematik

- wirtschaftlicher Aufbau im Westen

- der Sowjetisierung Osteuropas

- dem Aufbau des Sozialismus in der DDR

- die Eingliederung der BRD in die NATO bzw. der DDR in den Warschauer Pakt

- den Mauerbau im August 1961

5. An welchen Stellen könnte die filmische Darstellung als tendenziös bezeichnet werden? Wo wird besonders auffällig die Negativ-Darstellung des SED-Staates bezweckt?

Sequenz 5 (Politisches und soziales Leben in der DDR) bringt Beispiele für die Indoktrination und Wehrerziehung von Schulkindern und für das in den staatlichen Medien zum Ausdruck gebrachte „Demokratieverständnis“. Dieser Ausschnitt aus dem DDR-Fernsehen wird kontrastiert mit wenig aussagekräftigem Filmmaterial von Hochglanzwerbebroschüren, die für die EU-Parlamentswahlen hergestellt werden.