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Verwendetes Filmmaterial und Dokumente

 

Filmisches Archivmaterial

Der Film „Jene Tage im Juni“ setzt sich nur zu einem geringen Anteil aus filmischem Archivmaterial zusammen, da die Zeitzeugen-Berichte den mit Abstand größten Teil des Filmes ausmachen.

Insgesamt wird solches Archivmaterial im Wesentlichen in folgenden fünf Szenen (in Klammern jeweils die entsprechenden Nummern im Sequenzprotokoll) eingesetzt:

1. Situation der DDR Anfang der 50er Jahre (Sequenz Nr. 02): Zu sehen sind Ausschnitte aus einem Propagandafilm über das Deutschlandtreffen der FDJ 1951, ein Redemitschnitt Walter Ulbrichts 1952, Aufnahmen aus Industrie und Landwirtschaft und von den Schlangen vor den Geschäften.

2. Ausschnitt aus einem Propagandafilm oder einer DEFA-Wochenschau: die Trauerfeierlichkeiten in der DDR zu Stalins Tod werden gezeigt, gefolgt von einem Redemitschnitt Otto Grotewohls zur Bekanntgabe des „Neuen Kurses“ (Sequenz Nr. 03).

3. Situation in West-Berlin im Juni 1953 (Sequenz Nr. 04): Szene aus einer Wochenschau zum Presse- und Funkball in West-Berlin und dem Berliner Philharmonischen Orchester unter Wilhelm Furtwängler. Zeitgenössische Ansichten von West-Berlin folgen.

4. Unterbrochen von dem Zeitzeugen-Bericht des französischen Gesandten Christian de Margerie ist in diesem längeren Block das von westlichen Beobachtern aufgenommene Filmmaterial vom Verlauf der Demonstration in West-Berlin zu sehen (Sequenz-Nr. 06).

5. DEFA-Wochenschau zu einem Propagandaumzug nach dem 17. Juni (Sequenz-Nr. 12).

Der erste Block beginnt mit einer kurzen Farbfilmsequenz marschierender FDJ-Fahnenträger, die dem offiziellen propagandistischen Bild der DDR nach aussen und nach innen entspricht. Die darauf folgenden Schwarzweiß-Aufnahmen scheinen diesen Eindruck aber bereits zu konterkarieren und als schönen Schein zu entlarven, was durch den Off-Kommentar des Films noch entsprechend verstärkt wird. Dies gipfelt in den Aufnahmen der in Schlangen vor den Geschäften Wartenden, welche die Versorgungsnotlage in der DDR veranschaulichen.

Absichtsvoll wird auch in der zweiten Szene offizielles DDR-Filmmaterial verwendet, das an dieser Stelle den bizarren Personenkult um den verstorbenen Stalin zum Ausdruck bringt und aus westdeutschem Blick die damalige Propagandawirkung erst recht in ihr Gegenteil verkehrt.

Die dritte Szene fungiert als Gegenstück zur ersten. Sollte in der ersten ein Eindruck von der DDR zu Beginn der 50er Jahre erzeugt werden, so wird nun das West-Berlin der gleichen Zeit portraitiert. Das Wochenschau-Sujet „Presse- und Funkball“ ist keineswegs zufällig gewählt: Das gehobene Lebensniveau der West-Berliner kommt in der kultivierten Ball-Atmosphäre besonders sinnfällig zum Ausdruck. Auch hier wird eine nachträgliche Kommentierung vorgenommen.

Die vierte Szene verzichtet größtenteils auf den Off-Kommentar: Stattdessen werden die ursprünglich stummen Aufnahmen der Demonstration in West-Berlin mit Ausschnitten der Radio-Berichterstattung unterlegt, was einen Eindruck größtmöglicher Authentizität erzeugt.

Die fünfte Szene ist ähnlich einzuordnen wie die ersten beiden: Es wird offizielles DDR-Filmmaterial gezeigt und mit den Aussagen von Zeitzeugen kontrastiert, deren Berichte die Propaganda-Behauptung widerlegen, ausländische Geheimdienste hätten den Aufstand herbeigeführt.

Auf Grundlage dieser Beobachtungen kann das Fazit gezogen werden, dass die Macher des Films mit der Verwendung von offiziellem DDR-Filmmaterial im Zusammenwirken mit den Zeitzeugen-Berichten und dem Sprecherkommentar bezwecken, den Widerspruch zwischen der staatlichen Propaganda und der Lebenswirklichkeit der Ostdeutschen aufzeigen. Verwendung des Filmmaterials und die nachträgliche Kommentierung müssen, wie nicht anders zu erwarten, als tendenziös bezeichnet werden. Ebenfalls kann die nicht in jedem Fall einwandfreie Zuordnung des verwendeten Archivmaterials beanstandet werden: So ist es ausgeschlossen, dass es sich beim eingangs gezeigten Farbfilm-Ausschnitt um eine DEFA-Wochenschau handelt, wie dies im Film behauptet wird, sondern wahrscheinlicher um Einstellungen aus dem abendfüllenden Propagandafilm „Immer bereit“ (Kurt Maetzig, Feodor Pappe / 1950).

Verwendete Dokumente

Neben dem filmischen Archivmaterial macht der Film ausserdem Gebrauch von Fotos, die abgefilmt, Textdokumenten, die verlesen, und Tondokumenten, sowie Musikstücken, die eingespielt werden.

Bei den wesentlichen Textdokumenten, die zum Einsatz kommen, handelt es sich um:

1. den von Otto Lehmann, Präsident des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) verfassten Bericht der Gewerkschaftszeitung „Tribüne“ vom 16. Juni 1953: „Zu einigen schädlichen Erscheinungen bei der Erhöhung der Arbeitsnormen“. Dieses wichtige Dokument ist hier, d.h.: auf dem Web-Angebot http://www.17juni53.de/chronik/530616.html einsehbar.

2. das Flugblatt Kurt Barthels mit dem Text: „Wie ich mich schäme“. Dieses wichtige Dokument ist hier, d.h. auf dem Web-Angebot http://www.17juni53.de/chronik/530620.html einsehbar.

3. das Antwortgedicht Bertolt Brechts mit dem Titel „Die Lösung“, das ebenfalls auf der Seite http://www.17juni53.de/chronik/530620.html nachzulesen ist.

 

Neben den bereits erwähnten Tondokumenten der RIAS-Berichterstattung ist auch die Ansprache des Ministers für gesamtdeutsche Fragen, Jakob Kaiser, zu erwähnen. Als interessantes Detail fällt die Verwendung der beiden Musikstücke von Wolf Biermann bzw. Ernst Busch auf, die im Vor- und Nachspann des Films gespielt werden.

Das Biermann-Lied trägt den Titel „Trotz alledem“, stammt vom gleichnamigen Album (1978 – einem der ersten, die Biermann in Westdeutschland einspielte und veröffentlichte) und beinhaltet den folgenden Text:

„Dies Deutschland ist mein Vaterland

Und mir ist kalt trotz alledem

Zerrissen wie ich keines fand

Und doch mein Land, trotz alledem

Trotz alledem und alledem

Wer sich wehrt, lebt unbequem

Die Wahrheit tut im Osten weh

Im Westen auch, trotz alledem“

 

Während des Abspanns wird das Lied „Deutschland“ / „Heimat, meine Trauer“ eingespielt, das von Ernst Busch gesungen wird und auf einen Text von Johannes R. Becher zurückgeht. Die Musik stammt von Hanns Eisler.

Der komplette Text ist hier nachzulesen.