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Zeitzeugenprotokoll

 

Die 17 Zeitzeugen des Films „Jene Tage im Juni“ lassen sich in zwei Gruppen unterteilen, und zwar in die der Beobachter des Aufstandes (z.B. ehemalige RIAS-Reporter, Mitarbeiter der westlichen Besatzungsmächte) und die der darin verwickelten.

Der bekannteste Streikführer, der (in Ausschnitten einer älteren Interview-Aufzeichnung) im Film zu Wort kommt, ist Wilhelm Grothaus, dessen Kurz-Biographie auf der Internet-Präsenz der Ausstellung „Gegen Diktatur – Demokratischer Widerstand in Deutschland“ zu finden ist.

Einer der problematischsten Aspekte des Films besteht darin, dass die Angehörigen der zweiten Gruppe (mit Ausnahme von Wilhelm Grothaus) nicht beim Namen genannt, sondern vielmehr durch Einblendungen den Städten zugeordnet werden, wo sie an den Demonstrationen des 17. Juni teilnahmen. Um dennoch eine eindeutige Identifizierung zu ermöglichen, sollen sämtliche Zeitzeugen im Folgenden mit Nummern bezeichnet werden.

 

Zur Gruppe der Beobachter können die folgenden Personen gezählt werden:

- Zeitzeuge 1, Heinz Brandt, damals Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin

- Zeitzeuge 2, Fritz Schenk, damals Referent des obersten Plankommissars der DDR

- Zeitzeuge 3, Peter Schultze, damals RIAS-Reporter

- Zeitzeuge 4, Gordon Ewing, damals amerikanischer Programmdirektor des RIAS

- Zeitzeuge 5, Eberhard Schütz, damals deutscher Programmdirektor des RIAS

- Zeitzeugin 6, Eleanor Dulles, damals Berlin-Beauftragte der USA

- Zeitzeuge 7, Christian de Margerie, damals Stellvertreter des französischen Hochkommissars

- Zeitzeuge 8, Franz Thedieck, damals Staatssekretär im Ministerium für gesamtdeutsche Fragen

 

Die Gruppe der an dem Aufstand Beteiligten umfasst:

- Zeitzeuge 9, damals Student in Leipzig

- Zeitzeuge 10, Görlitz

- Zeitzeuge 11, damals Schlosser bei der Agfa in Bitterfeld

- Zeitzeuge 12, damals Arbeiter der Leuna-Werke

- Zeitzeuge 13, Rathenow

- Zeitzeuge 14, Jena

- Zeitzeuge 15, Merseburg

- Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, Streikführer in Dresden

- Zeitzeuge 17, Görlitz

Das folgende Protokoll soll neben einer chronologischen Auflistung und inhaltlichen Einordnung aller Zeitzeugenberichte auch eine Orientierung mit Hilfe des Sequenzprotokolls erlauben:

 

Sequenz-Nr.

Zeitzeugen und Berichte

Zeit

02.

Zeitzeuge 9 berichtet über die politische Verfolgung in der DDR und zieht den Vergleich zum Nationalsozialismus: „wir spürten, hier ist ja das gleiche wieder im Gange…“

Zeitzeuge 10 über Widerstand in den jungen evangelischen Gemeinden und ihre Verfolgung.

1.10 – 6.14

03.

Zeitzeuge 1, Heinz Brandt, über die Zurücknahme der Normerhöhungen.

Zeitzeuge 2, Fritz Schenk, über den Glaubwürdigkeitsverlust der SED.

6.14 – 11.40

04.

Zeitzeuge 3, Peter Schultze, über die RIAS-Berichterstattung des 16. / 17. Juni.

Zeitzeuge 4, Gordon Ewing, über die Unmöglichkeit eines militärischen Eingreifens des Westens und die Rolle des RIAS.

Zeitzeuge 5, Eberhard Schütz, über die Rolle des RIAS und die allgemein als militärisch ernst betrachtete Situation.

11.40 – 18.50

05.

Zeitzeugin 6, Eleanor Dulles, über die amerikanische Bewertung der Situation in Westberlin.

Zeitzeuge 7, Christian de Margerie, über die alliierten Maßnahmen.

Zeitzeuge 8, Franz Thedieck, zum Standpunkt der Bonner Regierung und zur Zurückweisung der Möglichkeit eines politischen Umsturzes in der DDR.

18.50 – 25.13

06.

Zeitzeuge 7, Christian de Margerie, über seine Eindrücke vom Demonstrationszug in Berlin.

25.13 – 31.36

08.

Zeitzeuge 11 über die spontane Sammlung der Agfa-Mitarbeiter zum Demonstrationszug.

Zeitzeuge 12 über die Arbeiterinitiative zur Rückbenennung der Walter Ulbricht-Werke in Leunawerke.

Zeitzeuge 13 schildert die Zustimmung der Arbeiter in Rathenow zum Protest der Bauarbeiter in Berlin.

33.41 – 38.46

09.

Zeitzeuge 14 über den Protest der Arbeiter von Zeiss und Schott.

Zeitzeuge 12 über die gemeinsame Demonstration von Leuna- und Buna-Arbeiten in Merseburg.

Zeitzeuge 9 erinnert sich an die oppositionellen Parolen auf den Straßenbahnen in Leipzig und die vor dem Justizgebäude vorgebrachte Forderung nach Freilassung der politischen Gefangenen.

Zeitzeuge 13 über die Ausweitung des Aufstandes, die Zustimmung durch Angehörige der SED und die Begegnung mit bewaffneter Volkspolizei.

Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, über die Beschwichtigungsrede des Präsidenten des sächsischen Landtages, Otto Buchwitz, vor den Arbeitern des Sachsenwerkes.

Zeitzeuge 10 preist den 17. Juni 1953 als „ein Tag Freiheit“ und beklagt das Fehlen einer Führung.

Zeitzeuge 17 vergleicht die SED- mit der NS-Diktatur.

Zeitzeuge 13 über die Formulierung politischer Forderungen unter dem ehemaligen SPD-Mitglied Karl Renziehausen.

Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, über die Ereignisse in der Montagehalle des Sachsenwerkes, seine Rede vor 1.600 Arbeitern und seine Forderung, den Gewerkschaftskampf zu einem politischen Kampf umzuwandeln mit dem Ziel, die Regierung zu stürzen.

38.45 – 56.51

10.

Zeitzeuge 11 über das Einsetzen einer Streikleitung.

Zeitzeuge 17 über die Erstürmung des Gebäudes der Staatssicherheit und des Frauengefängnisses in Görlitz.

Zeitzeuge 14 über die Gefängnisstürmung in Jena und die Stürmung des dortigen Stasihauptquartiers.

Zeitzeuge 11 über die Absetzung des Bürgermeisters von Bitterfeld und die Entwaffnung der Volkspolizei.

Zeitzeuge 14 über die Flucht des Landrats Kurt Wenzel vor den Arbeitern.

Zeitzeuge 9 über die Denkmalstürze.

Zeitzeuge 13 berichtet vom Schicksal des Denunzianten Hagedorn.

56.51 – 1.06.40

 

11.

Zeitzeugen 12, 17 und 14 über die zunächst passiven bis ermunternden Reaktionen der russischen Soldaten: „Wir nun bald nach hause…“

Zeitzeuge 9 gesteht übertriebene Erwartungen an die Westalliierten ein.

Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, über die kurzlebigen Hoffnungen der Aufständischen.

Zeitzeuge 14 über die Ankunft russischer Panzer in Jena und die Unmöglichkeit der Gegenwehr.

Zeitzeugen 9, 13 und 17 über die Bekanntgabe des Ausnahmezustands und die Verhängung des Kriegsrechts.

Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, über den Verzicht von Streikführern, in den Westen zu fliehen.

1.06.40 – 1.17.16

12.

Zeitzeuge 13 über seine Festnahme und Vernehmung.

Zeitzeuge 14 zum Vorwurf, im Auftrag westlicher Geheimdienste gehandelt zu haben, und über die Verhöre durch Stasi und NKWD.

Zeitzeuge 16, Wilhelm Grothaus, über die Verhöre und seine Erinnerung an die Gerichtsverhandlung gegen die kommunistische Widerstandsgruppe im Nationalsozialismus, der er angehörte.

1.17.16 – 1.25.40