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Bewertung

 

Anlässlich des Jahrestages 1983 rollt der Film „Und Freiheit vor allen Dingen“ die Ereignisse des 17. Juni auf. In der Anfangssequenz wird durch die Befragung von Feiertagsausflüglern der Frage nachgegangen, welchen Stellenwert und welche emotionale Bedeutung der 17. Juni für die Westdeutschen besitzt. Die Antworten sind so montiert, dass bis auf wenige Ausnahmen eine weitgehende Unkenntnis über das historische Ereignis zu Tage tritt: Dies ist der Ausgangspunkt für den Rückblick in die Nachkriegsjahre, die Gegenüberstellung der gegensätzlichen politischen Systeme in Ost und West und die Darstellung des 17. Juni 1953. Der Film endet mit einem kurzen Plädoyer des Bundespräsidenten Karl Carstens für die Wiedervereinigung, zu deren Verwirklichung ausdrücklich friedliche Mittel genannt werden. Dieser Schluss und der mit dem „Deutschen Miserere“ von Wolf Biermann untermalte Abspann machen deutlich, dass der Film sich der massiven Anti-DDR-Propaganda weniger verpflichtet fühlt als andere Dokumentationen der 80er Jahre (beispielsweise „ Jene Tage im Juni“). Dabei klingt spürbar die auch nach dem Wechsel von der sozialliberalen zur schwarzgelben Koalition 1983 fortgesetzte Entspannungspolitik der 70er Jahre an.

Darüber hinaus ist dieser Film der einzige, der auf die Erinnerungskultur zum 17. Juni in Westdeutschland Bezug nimmt und deren Verankerung in der Bevölkerung in Frage stellt. Durch den klaren Aufbau und den Bezug auf die Gegenwart der frühen 80er Jahre eignet sich „Und Freiheit vor allen Dingen“ in besonderem Maße zum Einstieg in das Thema 17. Juni 1953, wobei sich vor allem die eingangs aufgeworfene Frage nach einer diesbezüglichen westdeutschen Erinnerungskultur zur Diskussion anbietet.