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Erster Weltkrieg und Weimarer Republik

In diesem Bereich soll das politisch-gesellschaftliche Klima im Deutschland vor 1933 anhand ausgewählter Filmbeispiele thematisiert werden, deren Handlung vor dem geschichtlichen Hintergrund des Ersten Weltkrieges bzw. der Weimarer Republik spielt.

Die Weltkriegserfahrung und das Massensterben in den Schützengräben steht im Mittelpunkt des US-amerikanischen Antikriegsfilms Im Westen nichts Neues (Regie: Lewis Milestone). Als symbolisch für den Zustand der späten Weimarer Demokratie kann der politisch-polemische Kampf angesehen werden, der sich um die deutsche Fassung dieses Films zur Zeit seiner Uraufführung 1930 abspielte.

Weniger umstritten als der US-amerikanische Film war Georg Wilhelm Pabsts Westfront 1918, der in der Tendenz gleichwohl nicht weniger pazifistisch ist und das Fronterlebnis im distanzierend-nüchternen Stil der Neuen Sachlichkeit schildert.

Patriotische Kontrapunkte zu Im Westen nichts Neues und Westfront 1918 setzen das 1931 von Luis Trenker und Karl Hartl inszenierte Gebirgsjäger-Spektakel Berge in Flammen und Gustav Ucickys U-Boot-Film der Ufa Morgenrot, der kurz nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in die Kinos gelangte. Weniger des Inhaltes wegen als aufgrund seines Uraufführungsdatums wurde Morgenrot in der Fachliteratur mitunter als „präfaschistischer Film“ bezeichnet.

Weitgehend entpolitisiert erscheint das Kriegsgeschehen dagegen in dem Stummfilm-Melodram Heimkehr, das Erich Pommer 1928 für die Ufa produzierte. Hier bildet die Heimkehr zweier Soldaten, die gemeinsam als Kriegsgefangene in Sibirien waren, den Rahmen eines vordergründigen Eifersuchtsdramas.

Im April 1932, ein Dreivierteljahr vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, wurde der KPD-nahe Arbeiterfilm Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt? (Regie: Slatan Dudow) der Berliner Filmprüfstelle vorgelegt und, nach kurzzeitigem Verbot, unter Schnittauflagen freigegeben. Ähnlich wie im Fall von Im Westen nichts Neues spiegelt auch der Streit, der sich an Kuhle Wampe entzündete, die gesellschaftlichen Verhältnisse der ausgehenden Weimarer Republik.

Ferner sei an dieser Stelle auf die 1951 von der DEFA produzierte Heinrich-Mann-Verfilmung Der Untertan verwiesen. Dieser Film von Wolfgang Staudte setzt sich mit dem autoritären Charakter, dem Militarismus und Nationalchauvinismus auseinander, der die Mentalität des Wilhelminismus kennzeichnete und den Weg in den Weltkrieg ebnete. Da Staudtes Film vor allem für seine Herstellungszeit aufschlussreich ist, haben wir ihn im Website-Bereich Deutschland nach 1945 eingeordnet. Gleichwohl kann der Film auch für den Behandlung des Wilhelminischen Kaiserreichs sinnvoll eingesetzt werden, wobei allerdings die besondere Perspektive berücksichtigt werden sollte. Materialien zu dem Film Der Untertan finden Sie hier.