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Rede Paul Bäumers vor den Schülern


Ich kann euch nichts erzählen, was ihr nicht schon wisst. Wir leben da draußen in Schützengräben, wir kämpfen, wir versuchen am Leben zu bleiben und viele von uns müssen sterben. Das ist alles.

(Kantorek: Nein, nein Paul.)

Ich war draußen, ich weiß, wie es ist.

Kantorek: Aber das erwähnt man nicht, das ist nicht das Wesentliche.

Ja, Sie erzählen ihren Schülern immer noch dasselbe. Sie machen immer noch eiserne Männer, immer noch junge Helden. Und Sie sagen immer noch, es ist süß und ehrenvoll, fürs Vaterland zu sterben.

( Kantorek: Ja)

Wir haben ihnen das alles geglaubt. Nach dem ersten Trommelfeuer wussten wir es besser. Er ist dreckig und furchtbar, dieser Tod fürs Vaterland und nichts am Sterben fürs Vaterland ist süß. Es sind Millionen da draußen, die für ihre Vaterländer sterben.

(Schüler: entrüstetes Gemurmel Zwischenruf Kantorek: Paul!)

Sie wollen, dass ich ihnen sage, wie sehr sie das Vaterland da draußen braucht? Er sagt euch, geht hinaus und sterbt! Aber ihr habt keine Ahnung, wie leicht das gesagt ist und wie schwer es ist, zu sterben.

(Schülerzwischenruf: Feigling)

Und es ist viel leichter gesagt, als dabei zuzusehen.

( Schülerzwischenrufe: Feigling - Aufhören...)

Kantorek: Nein, nein! Ruhe, Ruhe Jungs! Hinsetzen! Es tut mir wirklich leid Bäumer, aber ich muss Ihnen sagen....

Kantorek und PaulEs ist sinnlos dazu etwas zu sagen. Sie wissen nicht, was ich meine. Es ist ein paar Jahre her, dass wir uns aus diesem Klassenzimmer hier gemeldet haben. So lange ist es her und es sollte die ganze Welt inzwischen begreifen. Und nun schicken sie schon Kinder zur Front. Die halten keine Woche durch. Ich hätte lieber draußen bleiben sollen. Vorn an der Front ist man lebendig oder tot, und das ist alles. Da braucht man sich keine Heldengeschichten zu erzählen. Und da wissen wir, dass wir verloren sind, ob wir nun tot sind oder am Leben. Drei Jahre von dieser Hölle, vier Jahre, und jeder Tag wie ein Jahr und jede Nacht wie ein ganzes Jahrhundert. Unsere Körper sind Erde und Lehm sind unsere Gedanken und wir schlafen und essen mit dem Tod. Wir sind verloren, denn wer so lebt wie wir, der bewahrt nichts in sich. Wär' ich doch bloß draußen geblieben. Ich fahre morgen zurück. Ich habe noch vier Tage Urlaub, aber ich halte es hier nicht mehr aus, dann lieber an die Front.


(Schülergemurmel)

Es tut mir leid.


(Wortlaut nach der neu synchronisierten deutschen Filmfassung von 1984)