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Stunde 2 und 3


Stunde 2: Militär im Kaiserreich


In der zweiten Stunde wurde, angeregt durch die Auseinandersetzung mit der Ausbildung der Jungen durch den ehemaligen Postboten Himmelstoß über die Bedeutung des Militärs im Kaiserreich und über militärische Werte und Prinzipien gesprochen.1 Dabei wurde auch auf schriftliche Quellen zurück- gegriffen, in denen diese Aspekte beschrieben und interpretiert werden.2

Die Schülerinnen und Schüler stellten fest: Der Film vermittele eine Art "Rollentausch" bzw. eine partielle Umkehrung der zivilen Hierarchie: Der in der gesellschaftlichen Hierarchie unter den Gymnasialschülern stehende einfache Postbote bekommt über seine militärische Funktion "Autorität" und vor allem Machtbefugnisse, die er rigoros und unmenschlich ausnutzt. Die von Kantorek beschworenen "Ruhmestaten" der Soldaten werden so schon in dieser Ausbildungsphase mit der brutalen Realität des Soldatenalltags konfrontiert und desavouiert. Offen blieb zunächst noch die Frage, ob die Person Himmelstoß ein "sadistisches Schwein" sei, die dargestellte Art und Weise, wie die Individualität der Jungen gebrochen wird, also an diese Person gebunden ist, oder ob es sich um eine Verdichtung prinzipieller militärischer Ordung handele. Festgehalten wurde aber auch, dass sich die Jungen (noch) gewehrt hätten, also ein Rest von Selbstbewusstsein übriggeblieben sei.

Am Ende der Stunde wurde der Auftrag gegeben, sich einen Überblick zu verschaffen über den Verlauf und die Formen der Auseinandersetzung im Ersten Weltkrieg.


Stunde 3: Grauen des Krieges


In der 3. Stunde stand, nach dem Ansehen der Filmsequenzen, die vor allem den Kriegsalltag an der Front mit den Grabenkämpfen und dem Massensterben zeigen, die Frage im Mittelpunkt: Wie halten die Menschen das aus? Die psychische Belastung der Soldaten sei zwar offensichtlich, aber, so die Schüler, ohne die unmittelbare eigene Erfahrung eigentlich nicht nachvollziehbar.

Insgesamt kam die Lerngruppe zu dem Ergebnis, dass die Fronterfahrungen im Ersten Weltkrieg als ein kollektives Trauma begriffen werden müssen, mit entsprechend langfristigen Wirkungen, sowohl für die einzelnen Individuen als auch für die Gesellschaft der Weimarer Republik.

Nachdem in der 4. und 5. Stunde der Film bis zum Ende gesehen wurde, fand die Besprechung und Gesamteinschätzung des Films am nächsten Tag in der 6. Stunde statt.


Literaturangaben

1. Die aristokratische Weltanschauung gegen die demokratische, aus: Militär- Wochenblatt, Jg. 74, Berlin 1889, Nr. 62 vom 20. Juli und Nr. 67 vom 7. August 1889. Zitiert nach: Gerhard A. Ritter: Historisches Lesebuch 2, 1871 - 1914. Frankfurt/M., Hamburg 1967, S. 92-94

2. Das Militär und die Politik, aus: Otto Graf Stolberg-Wernigerode: Die unentschiedene Generation. Deutschlands konservative Führungsschichten am Vorabend des Ersten Weltkrieges. München, Wien 1968, S. 354f. Zitiert nach: Ziegler, S. 37