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Stunde 30: Besprechung der Klausur


Das Unterrichtsgespräch über den Film hatte zwei inhaltliche Schwerpunkte:


1. Zunächst wurde angeknüpft an die 12 und 13. Stunde bzw. an die Klausur. Es ging um das Verhältnis von alten Eliten und Nationalsozialismus, wie es Leiser im Zusammenhang der Machtübergabe 1933 darstellt. Anknüpfung an die "angeordnete Revolution". (Buch zum Film, S. 88 - Göbbels-Rede) Hindenburg erscheint wieder in seiner alten Uniform. (Siehe auch Buch zum Film S. 93) Die Kontinuität und der Wandel der antidemokratischen Bestrebungen werden in den NS-Selbstdarstellungen betont und von Leiser im Kommentar als kennzeichnend für die Verhältnisse aufgenommen. Die Schülerinnen und Schüler äußerten völliges Unverständnis, wie so eine öffentliche Verhöhnung der republikanischen Verfassung und Tradition möglich sein konnte.

2. Der zweite Schwerpunkt lag darin, mit welchen Formen - sowohl filmisch wie auch im Kommentar - die NS-Machterhaltung dargestellt wurde.



Klausurthema:


"Ideologische Auseinandersetzung am Ende der Weimarer Republik: Der Fall Remarque"

Vor dem durch den Leiser-Film angedeuteten Hintergrund wurde die Auseinandersetzung um den Roman und den Film als ein Versuch gewertet, die Weimarer Demokratie endgültig zu liquidieren. Der Kultursektor diene als Bühne des politischen Kampfes. Der Pazifismus werde als antideutsche Verhöhnung des Ansehens der Gefallenen diffamiert und dabei zugleich die Abschaffung der als "undeutsch" bezeichneten Demokratie ideologisch vorbereitet.

Kaum vorstellbar war den Schülern, wie jemand derartige Positionen (M 29, M 30, M 31) - in Form einer Buch-/Filmkritik nur spärlich getarnt - öffentlich vortragen und sich letztlich auch noch durchsetzen konnte. Sie brachten überhaupt kein Verständnis für derartige Vorstellungen auf, ganz im Gegensatz zu den Gedanken Bäumers. Die Schülerinnen und Schüler nahmen zur Kenntnis, dass bereits vor dem Aufstieg der NSDAP zur Massenpartei eine größere Akzeptanz für antidemokratische und völkisch-darwinistische Ideologien vorhanden gewesen ist, als es die Mitgliederzahlen der DNVP und DVP oder ihre Wahlergebnisse nahelegen: Hier müsse sich ein Großteil der imperialistischen politischen Kultur des Kaiserreichs nach einer kurzen Phase der Verunsicherung zu Beginn der Weimarer Republik schnell wieder etabliert haben, lautete die Vermutung.

An dieser Stelle wäre eine differenzierte Auseinandersetzung mit Gegenpositionen und ihrem weiteren Schicksal notwendig gewesen. Auch eine Beschäftigung mit der politischen Bedeutung der Zensur hätte zum tieferen Verständnis der gesellschaftlichen Verhältnisse am Ende der Weimarer Republik beigetragen.

Beides war aber zeitlich nicht mehr realisierbar. Der Kurs endete mit der Analyse von Quellentexten zur Machtübergabe an die NSDAP.