Diese Seite drucken

Stunde 9-14


Stunde 9: Was hat der Krieg mit uns zu tun?


In dieser Stunde stand zunächst die Frage im Mittelpunkt: Was hat der Erste Weltkrieg mit uns zu tun?

Diese Diskussion über den Unterricht selbst war ausgelöst worden durch den Perspektiv- und Materialwechsel in der 7./8. Stunde. Die Schüler empfanden dies als Bruch. "Sind wir jetzt überhaupt noch im Projekt oder machen wir wieder normalen Geschichtsunterricht?" Hieraus entstand eine für den weiteren Kursverlauf zentrale und den Ablauf bestimmende Diskussion über Zugänge zu geschichtlichen Ereignissen, Arbeitsformen und eigene Betroffenheit. Die Schülerinnen und Schüler wurden zu fragenden Historikern, die sich über ihr Erkenntnisinteresse klar werden wollten.

Sehr lange wurde über die unterschiedliche biographisch bzw. generativ bedingte Betroffenheit - z. B. zwischen Lehrer und Schülern - gesprochen. Außerdem wurde festgestellt, dass viele Erfahrungen verschüttet seien. Die Schüler setzten sich zum ersten Mal mit sozio-biographischen Bedingungen des Verhältnisses zur Geschichte auseinander und reflektierten, dass man auch die Geschichte und Motive der gegenwärtigen unmittelbaren persönlichen Lebensverhältnisse zu verstehen suchen muss, wenn man sie gemeinsam mit anderen mitgestalten will.

Auf einer zweiten Ebene wurde zugleich erkannt, dass zum Verständnis der vorgefundenen gesellschaftlichen und politischen Strukturen - z. B. des Ost-West-Konflikts oder des Krieges im ehemaligen Jugoslawien - eine Beschäftigung mit der Geschichte dieser Strukturen/Verhältnisse unerlässlich ist.

(Auf die Stunden 10 bis 13 wird nicht näher eingegangen.)


Stunde 14: Vergleichendes Resümee


Die Schülerinnen und Schüler bemerkten zu den vorangegangenen Stunden, dass der Film zu all den angesprochenen politischen Ereignissen keine Aussage mache: politische Geschichte sei nicht sein Thema. Der Film stellt den Krieg nicht als historisches Ereignis dar, vermittele aber doch Erfahrungen des Krieges an der Westfront, die verallgemeinert werden können und authentisch (im Sinne von "glaubwürdig") seien. Insofern sei der Film auch durchaus als eine "Quelle" im weiteren Sinne anzusehen. Vor allem aber sei der Film hervorragend geeignet, gerade die Erfahrungsebene der einfachen Soldaten zu vermitteln, was die Textquellen nicht oder nicht so gut könnten. Sie betonten ferner, dass der Film für sie wichtig gewesen sei, um die unterschiedlichen politischen Perspektiven besser beurteilen zu können.

Aus dieser Einschätzung heraus wurde das Interesse geäußert, eine weitere filmische Darstellung vergleichend anzusehen und im weiteren Verlauf auch dokumentarische Filme hinzuzuziehen, um zu sehen, wie die Darstellung geschichtlicher Ereignisse dort erfolgt.