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Lehrplanvorschlag 2


Vergleich mit anderen Filmen

Eine andere, ebenfalls zeitaufwendige - und in erster Linie für die Arbeit im Sekundarbereich II und in der außerschulischen historisch-politischen Bildung geeignete - Möglichkeit der historischen Arbeit liegt darin, Roman und Film als Quelle selbst ernst zu nehmen, sie daraufhin zu befragen, was sie über die Verarbeitung der Kriegserfahrung der Menschen aussagen. Dazu bedarf es einer vergleichenden Untersuchung mit anderen Filmen und/oder schriftlichen und bildlichen Formen der Verarbeitung von Kriegserfahrungen. Die zentralen Geschehensmotive in den Filmen verweisen dabei auf psychische Dispositionen der Menschen, die wiederum Relevanz hatten für ihr gesellschaftliches Handeln in den Krisenjahren.1 In diesem Zusammenhang sollten auch die Motive zur Filmproduktion und die Arbeit der verschiedenen Beteiligten thematisiert werden. Hintergrundinformationen hierzu liefert - auch als Grundlage für ein Referat nutzbar - das Kapitel Der Film: Inhalt und Entstehung.


Vergleich mit zeitgenössischen Kriegsfilmen

IM WESTEN NICHTS NEUES sollte mit einem zweiten, etwa zur gleichen Zeit in Deutschland entstandenen Film, der sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinandersetzt verglichen werden. Folgende Filme sind dafür besonders geeignet.

Einerseits Filme, die sich als Anti-Kriegsfilme verstehen:

  • WESTFRONT 1918, Regie: Georg Wilhelm Pabst, D 1931
  • DIE ANDERE SEITE, Regie: Heinz Paul, D 1931
  • NIEMANDSLAND, Regie: Georg Wilhelm Pabst, D 1931

Andererseits Filme, die den Opfermut, das Heldentum der Soldaten und die Pflicht zum Kampf für das Vaterland hervorheben:

Als praktische Beispiele sei auf unsere Lehrplanvorschläge Der Erste Weltkrieg im frühen Tonfilm und Erzwungene Trennung: Ehe und Liebe im Ersten Weltkrieg hingewiesen, in deren Rahmen IM WESTEN NICHTS NEUES neben anderen Weltkriegs-Spielfilmen zu verschiedenen Fragestellungen eingesetzt werden kann.

Vergleich mit den "Preußen-Filmen"

Eine weitere Möglichkeit, die genereller eine "Auseinandersetzung mit soldatischen Tugenden" wie Pflichterfüllung und Gehorsam, und der Legitimität der Forderungen nach "Verteidigung von Volk und Vaterland" beinhaltete, bestünde darin, die sogenannten "Preußen-Filme " und deren zentralen Motive und Aussagen zum Vergleich heranzuziehen.


Ablauf der Unterrichtseinheit

Eine auf einem solchen Filmvergleich aufbauende Unterrichtseinheit muss mindestens 12 bis 14 Stunden umfassen. Kurz skizziert könnte sie beispielsweise wie folgt aussehen:

Rezeptionsphase

1.-3. Stunde:
Sichtung des Films IM WESTEN NICHTS NEUES

4. Stunde:
Festhalten von Ersteindrücken und Austausch im Gespräch

5./6. Stunde:
Sichtung des Vergleichsfilms

7. Stunde:
Festhalten von Ersteindrücken und Austausch im Gespräch

Untersuchungsphase

8./9. Stunde:
Vergleichende Untersuchung der zentralen Motive der Filme

10./11. Stunde:
Materialien: Sequenzprotokolle, Szenenfotos, Filmausschnitte

Auswertungsphase

12./13. Stunde:
Auswertung, abschließende Beurteilung und Weiterführung


In diese vergleichende Arbeit können außerdem die im Medienpaket enthaltenen bildlichen Kriegsdarstellungen, v.a. die Bilder und Grafiken von Otto Dix, einbezogen werden, die auf ihre Weise den Tod und das Leiden der Menschen thematisieren.

Erkenntnisleitende Fragen für die Vergleiche können sein:

  • Wie wird der Krieg dargestellt: was wird als bedeutsam herausgestellt und welche Worte und Bilder werden dabei benutzt? Wie wird die gegnerische Seite ("der Feind") dargestellt? Gibt es Bewertungen des Verhaltens von "deutschen" und "feindlichen" Soldaten?
  • In wie weit gibt es Entsprechungen zwischen den bildlichen Darstellungen aus der Kunst und flämischen Darstellungsformen? Was beschäftigt Dix, Remarque bzw. die Filmautoren bei ihren Darstellungen des Krieges? Korrespondieren diese Anschauungen mit denen der Rezipienten/Kritiker? Werden Ursachen/Bedingungen des Krieges reflektiert? Wenn ja, wie?
  • Welche Motive und Werte sind für die handelnden Personen im Film bestimmend? Wie bewerten sie Ihr Handeln, die Situation, in der Sie leben?
  • Wie gehen die Menschen miteinander um, vor allem in Konflikt- und Gefahrensituationen?
  • Welche Perspektiven äußern sie? Welche Perspektiven vermittelt der Film?

Bei dieser Art der quellenkritischen Arbeit kann der Film seine Qualität, Gegenstand für Reflexionsprozesse zu sein, in besonderer Weise entfalten.


Anmerkungen

1. Dieser Fragestellung liegt ein Ansatz von Siegfried Kracauer zugrunde.