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Wohlwollende Berichterstattung



Der Friedensfilm IM WESTEN NICHTS NEUES
Eine Zuschrift von Arthur Fraenckel, Direktor der Deutschen Universal-Film-AG

Ein in der Geschichte der Weltfilmindustrie noch nie dagewesener Kampf ist zugunsten des Herstellers entschieden worden, ein Kampf der mit völlig ungleichen Mitteln geführt werden musste und dessen Ausgang daher nicht zweifelhaft sein konnte. Eine international anerkannte Höchstleistung der Filmproduktion wird gewaltsam dem Publikum, welches dieselbe in erster Linie anging, vorenthalten bleiben, weil politische Gegensätze von unerhörter Schärfe eine ruhige und gerechte Beurteilung dieses Kunstwerkes nicht aufkommen lassen konnten. Es ist der willkommene Anlass zu einer politischen Hetze geworden und musste dabei unterliegen. Dieser Film, der in unantastbarer, lauterster Absicht hergestellt worden ist, ist von einer kritiklosen Menge, die ihn nicht kannte und nie kennen lernen wird, niedergeschrieen worden; die wenigen, die ihn gesehen haben, waren aufs tiefste erschüttert, sie haben keinen Widerspruch erhoben, sondern ihn ebenso wie die vernünftig denkenden Menschen aller Kulturländer der Erde als ein aufwühlendes, wahrheitsgemäßes Dokument der grausamsten Erlebnisse der Menschheitsgeschichte entgegengenommen. Millionen außerhalb Deutschlands haben diesen Film bewundert, weitere Millionen werden ihm gerechte Anerkennung zuteil werden lassen, und es wird hoffentlich die Zeit kommen, wo er auch in Deutschland verstanden und gewürdigt wird.

Film-Kurier, Nr. 294, 13.12.1930



Sinclair Lewis zum Remarquefilm: "Ich bin erschüttert"
Der Film wirbt für Deutschland / Ein gellender Schrei gegen den Krieg

Der amerikanische Schriftsteller Sinclair Lewis, der auf der Rückreise von Stockholm, wo er den Literatur-Nobelpreis in Empfang nahm, sich gegenwärtig in Berlin aufhält, bekam vor einigen Tagen die deutsche Fassung des Films "Im Westen nichts Neues" vorgeführt. Er äußerte sich folgendermaßen über seine Eindrücke: "Der Film war ein seelisches Erlebnis. Die wahrheitsgetreuen Szenen haben mich so furchtbar erschüttert, dass ich noch lange nach der Vorstellung im Banne dieses Films stand. Er ist ein gellender Schrei gegen das Ungeheuer des Krieges, dass man bisher noch nie bildlich so dargestellt hat. Dass man einen solchen Film in Amerika und gerade in Hollywood machen konnte, ist für mich eine ganz besonders erfreuliche Überraschung gewesen. Ich, der Hollywood und die amerikanische Filmtätigkeit so oft kritisierte, habe neuen Respekt und Achtung vor den Herstellern dieses Films gewonnen. Was die Unparteilichkeit dieses Films anbetrifft, so kann ich nur sagen, dass die in ihm enthaltene Schilderung des deutschen Soldaten, seiner Moral und seines Kameradschaftsgefühls ganz überwältigend wirkt. Die ungerechten Vorstellungen, die man vom deutschen Soldaten während des Krieges in Amerika hatte, sind durch diesen Film völlig umgestoßen worden. Es ist ein ergreifendes Werk gewesen." Zu dem Verbot dieses Films in Deutschland äußerte sich Sinclair Lewis folgendermaßen: "Jeder, der meine Bücher kennt, weiß, welch große Liebe und Verehrung ich für Deutschland empfinde. Ich hoffe infolgedessen, dass eine Erklärung, die ich über den Film "Im Westen nichts Neues" abgebe, keinesfalls als eine unerwünschte Einmischung in deutsche Verhältnisse und Gefühle gedeutet werden kann. Ich kann nur feststellen, dass ich den Film vor kurzem gesehen habe, und dass er mir alles mehr als ein Angriff auf Deutschlands Moral, vielmehr als Sympathiekundgebung für Deutschland erschien. Hätte ich nicht den Vorteil gehabt, Deutschland persönlich gründlich zu kennen, wie ich es wirklich kenne und liebe, so hätte ich von diesem großen epischen Film nur ein Gefühl der Liebe, Verehrung und Hochachtung für das deutsche Vaterland gewonnen."

Hamburger Echo, Nr. 361, 31.12.1930



Remarque-Film-Kundgebung der Liga für Menschenrechte

Unter dem Motto "Remarquefilm und die Wirklichkeit" hat gestern die Kundgebung der Liga für Menschenrechte gegen das Verbot des Remarquefilms stattgefunden. Heinrich Mann betonte, dass ein Verbot des Films Deutschlands Ehre in Gefahr bringe, Carl Zuckmayer und Edleff Köppen berichteten von ihren Kriegseindrücken, die sich mit den Vorgängen des Films gedeckt hätten. Ebenfalls von seinen Erlebnissen von der Front her setzte sich der ehemalige Frontoffizier Schützinger für den Film ein, es sprach ferner ein Frontarzt, Dr. Kurt Fleischner, Marie Juchacz ergriff das Wort für die Kriegsmütter neben Adele Schreiber-Krieger und noch ein anderer Redner äußerte sich in ähnlichem Sinne. Eine Reihe von schriftlichen Erklärungen gegen das Verbot wurden verlesen, darunter eine Erklärung von Professor Einstein. Und Remarque selbst hat seine Stellung in einer schriftlichen Erklärung formuliert und darin erklärt, dass er niemals die Leistungen der deutschen Soldaten habe herabsetzen wollen: dass er aber mit Entschiedenheit sich dagegen gewehrt habe, den Krieg verherrlichen zu lassen - das Vermächtnis der Gefallenen heiße nicht Rache, sondern "Nie wieder Krieg".

Film-Kurier, Nr. 28, 3.2.1931



Laemmle fährt zurück.

Carl Laemmle hat Deutschland nicht besucht. Er ist heute über Paris nach Amerika zurückgekehrt. Er absolvierte nur die vom Arzt unbedingt verordnete Kur in Europa. Zwei Tatsachen sind für uns bemerkenswert, einmal, dass er wiederum zustimmte, in Deutschland zu produzieren. Damit vermittelte er deutschen Künstlern und deutschen Arbeitern, deutschen Ateliers und deutschen Theatern: Arbeit und die Möglichkeit der Auswertung dieser Arbeit. Darin zeigt er sich als Patriot, die Arbeits-Zuweisung für die deutschen Werkstätten muß ihm gedankt werden. Er ging auch nicht an den "Remarque"-Ereignissen vorbei. Man liest in einem Interview folgendes: "In erster Linie lasse ich mir die Liebe zu meinem Vaterland von niemandem streitig machen. Die Tatsache, dass ich nur ein kleiner Junge war, als ich nach Amerika kam und hier mein Glück machte, hat niemals auch nur für einen Augenblick meine Liebe zu dem Lande meiner Geburt erlöschen lassen. Als ich Remarques prachtvolles Buch gelesen hatte und bemerkte, welch ein wunderbares Gefühl des Verständnisses für Deutschland dieses Buch in den Herzen der Amerikaner und anderer Nationen auslöste, entschloss ich mich, einen Film daraus zu machen. Das Buch ist von einem echten Deutschen geschrieben worden. Es wurde als Film von einem in Deutschland geborenen Amerikaner hergestellt, viele Deutsche wirkten in dem Film mit. Deutsche, die eine Liebe für ihr Vaterland haben, wie sie die im Reich nicht größer besitzen." Er ist diesmal am Vaterland seiner Kindheit vorbeigefahren. Aber wir wollen ihn nicht zurückkehren lassen, ohne ihm "Auf Wiedersehen" von Herzen zu wünschen.

Film-Kurier, Nr. 152. 18.8.1931



Remarquefilm jetzt freigegeben
Keine amtlichen Bedenken mehr / Heute Zimmermann-Entscheid

Uns wird mitgeteilt: Die Filmprüfstelle Berlin hat heute unter dem Vorsitz des Regierungsrats Zimmermann den Universal-Film "Im Westen nichts Neues" nach dem gleichnamigen Roman von Erich Maria Remarque, zur öffentlichen Vorführung ohne Ausschnitte freigegeben, nachdem das Auswärtige Amt und das Reichswehrministerium als Sachverständige ihre bisherigen Bedenken gegen die Vorführung des Films fallen gelassen haben. Die Vertretung der Universal lag in den Händen von Herrn Walter Bruck. Ein sensationeller Entscheid... man kann auch sagen, die Vernunft fängt in Deutschland zwar spät, aber doch an zu sprechen. Es wird interessieren zu erfahren, dass der Remarquefilm, der ja nun nach Fortfall der Ausnahmebestimmungen für die Kinos zu normalen Bedingungen zu haben sein dürfte, auch in seiner "verbotenen" Form Millionen von Besuchern erfassen konnte. Allein durch den A.D.G.B. wurden zwei Millionen organisierte Besucher in Deutschland zu diesem Film geführt.

Film-Kurier, Nr. 205, 2.9.1931