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Die Zensurgutachten 1930/31


Verbot des Films

Die am 21.11.1930 erfolgte Zulassung für die deutsche Fassung von "Im Westen nichts Neues" wurde am 11.12.1930 auf Antrag der Regierungen von Sachsen, Thüringen, Braunschweig, Bayern und Württemberg von der Film-Oberprüfstelle in Berlin widerrufen.
Im Gutachten wurden folgende Gründe für das Verbot genannt:

  • das deutsche Ansehen im Ausland sowie die öffentliche Ordnung werde gefährdet
  • es werde ein stereotypes Bild der deutschen Soldaten vermittelt, z. B. stehe Himmelstoß für den Militarismus, Katczinsky für den deutschen "Barbar" (!) und die Rekruten würden als stets "jämmerlich heulend und kreischend" dargestellt.
  • die französischen Soldaten "sterben ohne den geringsten Laut". Im Film würden "Elan und Tapferkeit der feindlichen Grabenstürmer mit besonderer Liebe gezeigt und breit ausgemalt", er biete eine "einseitige Darstellung, die die ganze Krankheit des Krieges und seine menschlichen Schwächen nur und ausschließlich auf deutscher Seite sucht und findet".
    Dies sei eine Verhöhnung der deutschen Kriegsteilnehmer, Proteste des deutschen Publikums seien daher verständlich.
  • "Im Westen nichts Neues" sei kein Film über den Krieg, sondern ein Film über die deutsche Niederlage. Das werde durch die Darstellung des "ausgehungerten Volkes und des erschöpften, unzureichend ausgerüsteten und aus Kindern zusammengestellten Ersatzes" deutlich.
  • es sei mit der Würde des deutschen Volkes nicht vereinbar, wenn es seine Niederlage im Krieg von einer ausländischen Produktionsfirma vorgespielt bekomme.
  • es müsse im Ausland Unverständnis hervorrufen, wenn mit einer Zulassung der "zurechtgestutzten" deutschen Fassung des Films auch die "bösartige" Originalfassung gebilligt werde. Dies gefährde das deutsche Ansehen und untergrabe den Kampf des Auswärtigen Amtes gegen die "Hetzfilme einer internationalen Weltproduktion".


Wiederzulassung unter Auflagen

Die Kammer 1 der Filmprüfstelle in Berlin erlaubte am 8.6.1931 die Vorführung einer erheblich gekürzten Fassung von "Im Westen nichts Neues" vor

  • gesetzgebenden Körperschaften des Reiches und der Länder
  • geschlossenen Veranstaltungen folgender Organisationen:
    • Verbände von Kriegsteilnehmern, -beschädigten und -hinterbliebenen
    • Verbände, "die dem Zweck des internationalen Friedens dienen"
    • Berufsverbände, Standes- und Bildungsvereinigungen

Ausdrücklich ausgeschlossen wurden Vereinigungen, die sich eigens zum Zweck der Vorführung des Films bilden sowie pauschal Jugendliche.

Folgende Teile des Films durften nicht mehr oder nur eingeschränkt gezeigt werden:

  • das "wiederholte Durchkriechen der Rekruten zwischen den Tischbeinen" (Sequenz 5) sollte nur einmal vorkommen
  • der Besuch bei den Französinnen (Sequenz 35)
  • die Ansprache Kantoreks und Pauls anschließende Worte an die Schüler (Sequenz 44)


Die Kammer war der Meinung, dass die Bedenken, die zum Verbot des Films geführt hatten, auf folgende Personenkreise nicht zutrafen:

  • Menschen, die am Krieg persönlich teilgenommen oder nächste Verwandte im Krieg verloren hatten
  • Menschen, "die das Kriegserlebnis zum Ausgangspunkt ihres vereinsmäßigen Zusammenschlusses gemacht haben und zusammenstehen, um die Wiederholung von Kriegen zu verhindern"
  • Menschen, "die sich im Beruf oder Bildungsstreben so miteinander verbunden fühlen, dass sie von dort aus ihren Zusammenschluss gefunden und eine eigene Einstellung auch zu den allgemeinen und besonderen Fragen des öffentlichen Lebens gewonnen haben".

    Download:

    Die digitalisierten Dokumente des Filmverbots von 1930 und der erneuten Zulassung unter Auflagen von 1931 können von der Internetseite des Deutschen Film-Instituts in Frankfurt am Main heruntergeladen werden:

    Beide Gutachten komplett (PDF, 4.3 MB)

    Auszüge des Gutachtens finden Sie hier:
    Gründe für das Verbot
    (PDF, 1.0 MB)
    Wiederzulassung
    (PDF, 0.7 MB)