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Arbeitshinweise

Ähnlich wie der Film Im Westen nichts Neues bietet sich auch Kuhle Wampe als Quelle für die Spätphase der Weimarer Republik an. Hierbei könnte zunächst das Zensurverfahren um den Film zum Unterrichtsgegenstand gemacht werden: Die als Material M 1 hier abrufbaren Auszüge aus der Verbotsbegründung legen die Beanstandungen der Berliner Filmprüfstelle ausführlich dar und bieten damit eine Grundlage zum Verständnis der politischen Ablehnung des Films, der als „staatsgefährdend“ betrachtet wurde. Die gesellschaftlichen Gegensätze, die das Klima der Weimarer Republik kennzeichnen, bilden sich zu einem gewissen Grad in der Straßenbahn-Szene (Sequenz 19) ab, in der die Arbeitersportler mit den anderen Fahrgästen eine politische Diskussion führen. Mit Hilfe des Materials M 2 lassen sich der verbale Schlagabtausch nachvollziehen und die einzelnen Positionen herausarbeiten. Unter Rückgriff auf die Sequenzen 10 und 11 können zudem die Abtreibungsproblematik und ihre Darstellung im Film thematisiert werden. Den rechtlichen Rahmen verdeutlicht der Abtreibungsparagraph in der 1932 geltenden Fassung – Material M 4.

Lehrplanvorschlag und erkenntnisleitende Fragen:

Im folgenden Lehrplanvorschlag wurde die Sichtung des Films auf die 3./4. Stunde gelegt und die Auseinandersetzung mit den Dokumenten über die Zensurgeschichte des Films vorgezogen. Dies ist deswegen möglich, da die Handlung und die entfallenen Szenen des Films in den Zensurgutachten ausführlich beschrieben sind. Nichtsdestotrotz müssen sie durch die Lektüre erarbeitet werden, was eine Bereitschaft der Schüler zur Auseinandersetzung mit den Schriftquellen voraussetzt, bevor der Film überhaupt bekannt ist. Ein Vorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass bei der Lektüre der Zensurgutachten Erwartungshaltungen in Bezug auf den Film und dessen politische Aussagen entstehen, die später mit den Eindrücken der Sichtung kontrastiert und verglichen werden können. Abweichend davon kann der Film natürlich auch in der 1./2. Stunde vorgeführt und die Inhalte der 1./2. auf die 3./4. verlegt werden. Inwieweit – wie unten vorgeschlagen – die retrospektiven Kritiken als zusätzliche Grundlage für die Diskussion nach der Filmsichtung herangezogen werden, sollte ebenfalls von der Bereitschaft der Schüler zur eigenständigen Einarbeitung in die Texte abhängig gemacht werden.

1./2. Stunde: Auseinandersetzung um die Zulassung von Kuhle Wampe – rechtliche Grundlagen der Filmzensur, Verbotsgründe, Kürzungen (siehe Material M 1), politische Brisanz der entfallenen Szenen

• Welche Szenen / Dialoge wurden beanstandet und warum?

• Inwieweit erscheint der Vorwurf der „Staatsgefährdung“ berechtigt? Was für Befürchtungen äußerten die Vertreter der Filmprüfstelle in Bezug auf die Wirkung des Films?

• Inwieweit wurden die Aussagen des Films durch die Kürzungen verfälscht?

3./4. Stunde: Filmsichtung und Meinungsaustausch

• Worin sehen die retrospektiven Kritiken die Stärken und Schwächen des Films?

5. Stunde: Analyse der Straßenbahnsequenz (Sequenz 19) und der geäußerten politischen Standpunkte (siehe Material M 2)

• Vordergründig geht es in der Diskussion der Fahrgäste um die Vernichtung von Kaffee in Brasilien. Was ist jedoch der größere Kontext der Diskussion?

• Welche Gesellschaftsschichten lassen sich die Fahrgäste anhand ihrer Äußerungen sowie ihres Erscheinungsbildes zuordnen? Kann man die Diskussionsteilnehmer politischen Gruppen zuordnen?

• Worin besteht die Kernaussage der Sequenz und ihre Bedeutung in der Dramaturgie des Films?

6. Stunde: Auseinandersetzung mit der Abtreibungsproblematik (siehe Material M 4) und ihrer Darstellung im Film (Sequenzen 10 und 11)

• Welchen Blickwinkel nimmt der Film in Bezug auf die Abtreibungsthematik ein? Inwieweit wirken sich die Kürzungen des Films in diesem Punkt auf das Verständnis der Handlung aus?