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Arbeitshinweise

Beim Unterrichtseinsatz von Morgenrot bietet es sich an, Vergleiche zu anderen Weltkriegs-Spielfilmen der frühen Tonfilm-Ära zu ziehen, vor allem zu den pazifistisch ausgerichteten Filmen Im Westen nichts Neues und Westfront 1918. Die nationale und patriotische Grundtendenz von Morgenrot sollte im Vorfeld unter Berücksichtigung der Entstehungsgeschichte – K 4: Friedemann Beyer – herausgearbeitet werden. Besonders aussagekräftig für diese Tendenz sind die Sequenzen 15, 17 und 19 – unter Material M 2 ist eine Transkription der wesentlichen Dialoge dieser Szenen abrufbar.

Die Einsetzbarkeit des Films beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Komplex Erster Weltkrieg, da Morgenrot auch für das gesellschaftliche und politische Klima der Endphase der Weimarer Republik aufschlussreich ist: Dies lässt sich anhand des Gutachtens der Berliner Filmprüfstelle (Material M 1) zeigen, die das zunächst verhängte Jugendverbot auf Betreiben der Ufa hin aufhob, da von der „Darstellung nur eine günstige Einwirkung auf jugendliche Beschauer erwartet werden“ könne. Das Urteil steht in deutlichem Gegensatz zu der Ablehnung und rigorosen Zensur, mit der die Filmprüfstelle Im Westen nichts Neues und dem Arbeiterfilm Kuhle Wampe begegnete. Unter Verwendung der entsprechenden Gutachten (Im Westen nichts Neues; Kuhle Wampe) besteht die Möglichkeit, Morgenrot auch im Kontext der Filmzensurpraxis der frühen 30er Jahre zu behandeln.

Lehrplanvorschläge und erkenntnisleitende Fragen

Lehrplanvorschlag 1 (12-13 Stunden) kontrastiert Morgenrot mit einem der pazifistischen Weltkriegs-Spielfilme Im Westen nichts Neues und Westfront 1918.

Lehrplanvorschlag 2 (8 Stunden) sieht vor, den Film vor dem Hintergrund der Filmzensur-Praxis in der späten Weimarer Republik einzuordnen, und stellt die Fallbeispiele Morgenrot und Kuhle Wampe nebeneinander.

 

Lehrplanvorschlag 1: Der Erste Weltkrieg im frühen Tonfilm

Die Einbettung von Morgenrot in einen Komplex mit den 1930 entstandenen Weltkriegs-Spielfilmen Im Westen nichts Neues und Westfront 1918 bietet sich für die gymnasiale Oberstufe und die außerschulische Bildungsarbeit an. Als Zeitrahmen sollten mindestens 12 Stunden einkalkuliert werden. Eine auf diesem Konzept aufbauende Unterrichtseinheit könnte wie folgt aussehen:

Rezeptionsphase

1./2. Stunde: Sichtung des Films Morgenrot

3. Stunde: Festhalten von Ersteindrücken und Meinungsaustausch

4./5./ggf. 6. Stunde: Sichtung des Vergleichsfilms Im Westen nichts Neues oder Westfront 1918

6. bzw. 7. Stunde: Festhalten von Ersteindrücken und Meinungsaustausch

Untersuchungsphase

7./8. bzw. 8./9. Stunde: Vergleichende Untersuchung der zentralen Motive der Filme:

  • Morgenrot: Verabschiedung der Helden in ihrer Heimatstadt; Begegnung mit der britischen U-Boot-Falle; Ausharren der Besatzung im gesunkenen U-Boot; Opfertod der beiden „überzähligen“ U-Bootsmänner; erneute Verabschiedung in der Heimat
  • Im Westen nichts Neues: Kriegsbegeisterung und Kasernendrill; Stellungskrieg und Grabenkämpfe; Pauls Kampf mit dem französischen Soldaten und Ausharren bei dem Sterbenden; Besuch bei den Französinnen; Heimaturlaub;
  • Westfront 1918: Stellungskrieg und Grabenkämpfe; Konflikt Pflicht/Romanze; Heimaturlaub; Tod an der Front; Tod im Lazarett;

9./10. bzw. 10./11. Stunde: Einbeziehung der Materialien: Zensurgutachten, zeitgenössische und retrospektive Kritiken, Analyse von Schlüsselszenen

Auswertungsphase

11./12. bzw. 12./13. Stunde: Auswertung, abschließende Beurteilung und Weiterführung

 

Lehrplanvorschlag 2: Filmzensur in der ausgehenden Weimarer Republik anhand der Beispiele Morgenrot und Kuhle Wampe

1. Stunde: Vorbereitung der Filmsichtung unter Verwendung der Handlungszusammenfassungen von Morgenrot und Kuhle Wampe, Erläuterung zum U-Boot-Krieg im Ersten Weltkrieg und zur Rolle der KPD innerhalb der deutschen Arbeiterbewegung und während der Endphase der Weimarer Republik, Einführung in das Thema Filmzensur.

2. Stunde: Sichtung der jeweiligen Gutachten der Filmprüfstelle, Herausarbeitung der Diskussion um die Vorführung von Morgenrot vor Jugendlichen und der Gründe für das Verbot bzw. die Schnittauflagen von Kuhle Wampe.

  • Warum wurde Morgenrot zunächst nicht zur Vorführung von Jugendlichen zugelassen? Wie ist der Vorwurf der „Phantasieüberreizung“ zu verstehen und mit welchen Argumenten wurde er entkräftet?
  • Warum wurde der Film Kuhle Wampe im April 1932 verboten? Welche Szenen mussten entfernt werden, bevor der Film zugelassen wurde, und warum?
  • Wie ist der Vorwurf der „Staatsgefährdung“ zu verstehen? Wie wurde die Wirkung und Intention von Kuhle Wampe eingeschätzt?

3./4. Stunde: Sichtung von Morgenrot und Meinungsaustausch

5./6. Stunde: Sichtung von Kuhle Wampe und Meinungsaustausch

  • Wie wird der Film in der retrospektiven Kritik bewertet? Inwieweit spielt die durch die Filmprüfstelle angeordnete Verstümmelung der Urfassung bei den Bewertungen eine Rolle?

7./8. Stunde: Diskussion der weltanschaulichen Dimension beider Filme unter Einbeziehung ihrer zeitgenössischen und ihrer retrospektiven Bewertung

  • Die Prüfstelle versteht sich als staatstragende Institution: Sind die von ihr ausgesprochenen Urteile als parteiisch zu bewerten, und wenn ja, aus welcher Mentalität heraus wurden sie gefällt? Welche Werte vertreten die Filme nach Lesart der Filmprüfstelle?
  • Welche Menschenbilder, welche Gesellschaftsentwürfe werden nach Auffassung der Schüler vermittelt? Wie lassen sich die weltanschaulichen Aspekte der Filme heute bewerten? Trifft der Vorwurf zu, Morgenrot sei ein „präfaschistischer“ Tendenzfilm, und wenn ja, in welcher Hinsicht?

Die Unterrichtseinheit kann durch Einbeziehung der Zensurgeschichte von Im Westen nichts Neues ergänzt werden, wobei zu berücksichtigen wäre, dass sich in diesem Fall der inhaltliche Schwerpunkt zum Themenkomplex Erster Weltkrieg hin verschieben würde und mindestens fünf weitere Stunden veranschlagt werden müssten.

 

Darüber hinaus kann Morgenrot auch im Rahmen unseres Lehrplanvorschlags Erzwungene Trennung: Ehe und Liebe im Ersten Weltkrieg eingesetzt werden.