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Retrospektive Kritik

Siegfried Kracauer (K 1) zählt Westfront 1918 zu den „künstlerisch hervorragendsten Leistungen“ der „Vor-Hitler-Zeit“: Er lobt die Vermeidung „billiger Symbole“ und Spannungsmomente und den „erlebnishaften Charakter“ des Films, dessen einziges Versäumnis sei, in der Darstellung des Krieges dessen Ursachen auszuklammern.

Barbara Ziereis (K 2) untersucht Fremd- und Eigenbilder (das „Andere“ und das „Eigene“) in Westfront 1918, und zwar bezogen auf die Darstellung von a) Frauen, b) Feinden und c) Freunden. Insbesondere merkt sie kritisch die stereotype Darstellung der französischen Frau und des Kolonialsoldaten an – beides nach ihrer Lesart Chiffren, die den Versöhnungsgedanken des Films transportieren sollen.

In ihrer sehr quellenreichen Analyse zeitgenössischer Pressestimmen arbeitet Melanie Fohrmann (K 3) die Reaktionen auf die Uraufführung des Films heraus und stellt sie retrospektiven Bewertungen gegenüber. Die Autorin selbst sieht das Defizit des Films darin, der pazifistischen Linie nicht konsequent genug gefolgt zu sein.

In seiner stark deskriptiven Analyse arbeitet Günter Helmes (K 4) die Szenen des Heimaturlaubes (Szenen 14-16 und 18 im Sequenzprotokoll) als Alleinstellungsmerkmal des Films heraus.

Christian Hißnauer (K 5) weist auf die Bedeutung des Tons hin (Westfront 1918 war Pabsts erster Tonfilm) und zieht wie Günter Helmes unter Verweis auf den Szenenkomplex Heimaturlaub den Vergleich zu Im Westen nichts Neues.