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Konservatorische Maßnahmen Film

Für die Langzeitbewahrung von Filmmaterial ist es in erster Linie entscheidend, ein konstantes Umgebungsklima herzustellen, d.h. eine moderate relative Luftfeuchtigkeit und so stabile Temperaturwerte wie möglich. Es ist hierbei wichtig, das diese Werte so gewählt werden, dass sie über lange Zeiträume hinweg finanziert und beibehalten werden können. Es ist ratsamer eine etwas höhere Temperatur zu wählen, die von der Klimaanlage stets konstant gehalten werden kann, als eine sehr niedrige Temperatur, die dann eventuellen Schwankungen unterliegt.

Eine zu hohe oder zu niedrige relative Luftfeuchtigkeit begünstigt verschiedene Abbauprozesse. Zu hohe Luftfeuchtigkeit (über 50%) führt zum hydrolytischen Abbau der Celluloseester-Träger, zum Verkleben der Emulsionsschichten, zur Beschleunigung der schädigenden Einflüsse von Restchemikalien, zur Beschleunigung des hydrolytischen Abbaus der Farbstoffe in Colormaterial und begünstigt die Beschädigung der Emulsion durch Mikrolebewesen und Schimmel. Eine zu niedrig gewählte Luftfeuchtigkeit (unter 30%) führt zur Verschlechterung der Haftung der Emulsion auf dem Träger, ganz besonders bei Polyester, zur Ablösung der Emulsion von den Rändern des Trägers, zum Reißen der Emulsion durch Versprödung, zur polygonalen Wicklung des Films, zu irreversiblen Schäden an Emulsion und Träger und erhöhter statischer Aufladung und damit Anziehung von Staub.

Die Geschwindigkeit der Zersetzung von Cellulosenitrat-Film verdoppelt sich mit jeder Temperaturerhöhung um 6°C, d.h. eine Senkung der Lagerungstemperatur um 6°C reduziert die Produktion nitroser Gase aus dem Zersetzungsprozess um bis zu 50%.

Eine relative Luftfeuchtigkeit um 50% verhindert zudem die Reaktion der nitrosen Gase mit der Umgebungsfeuchte aus der Luft und der fotografischen Emulsion.

Die FIAF Preservation Commission empfiehlt:

Lagertemperatur für Cellulosenitrat
4°C bei einer Schwankung um +/- 1°C innerhalb 24 h und +/- 2°C innerhalb eines Jahres

Relative Luftfeuchtigkeit für Cellulosenitrat

50% bei einer Schwankung von +/- 2% rel. L. innerhalb 24 h und +/- 5% innerhalb eines Jahres

Je nach Möglichkeit sollte ein fester Wert im Bereich zwischen 40 und 60% rel. L. hergestellt und dauerhaft beibehalten werden.

 

Lagertemperatur für Celluloseacetat und Colormaterial
-5°C bei einer Schwankung um +/- 1°C innerhalb 24 h und +/- 2°C innerhalb eines Jahres

Relative Luftfeuchtigkeit für Celluloseacetat und Colormaterial

30% bei einer Schwankung von +/- 2% rel. L. innerhalb 24 h und +/- 5% innerhalb eines Jahres.

Je nach Möglichkeit sollte ein fester Wert im Bereich zwischen 15 und 35% rel. L. hergestellt und dauerhaft beibehalten werden.


Lagertemperatur und rel. Luftfeuchtigkeit für Polyesterfilm
15°C bei 20-40% rel. L. für s/w-Material 2°C, 20-30% rel. L. oder -3°C, 20-40% rel. L. für chromogene Materialien


Durch die Kaltlagerung und die verminderte relative Luftfeuchtigkeit verschlechtern sich die physikalisch-mechanischen Eigenschaften des Films. Deshalb müssen auf diese Art gelagerte Filme vor dem Öffnen des Filmbehältnisses und vor der Bearbeitung eine gewisse Zeit akklimatisiert werden ohne mit der umgebenden Luft in Berührung zu kommen.

Die oben genannten, von der FIAF empfohlenen Klimawerte entsprechen dem Optimum, um eine längstmögliche Haltbarkeit zu erzielen. Diese Bedingungen sind für viele Einrichtungen und private Sammlungen finanziell häufig nicht erfüllbar. Trotzdem können einige Dinge zur Bewahrung getan werden.

Wichtiger als eine möglichst niedrige Temperatur zu erreichen, ist es eine immer konstante Temperatur herzustellen. Diese kann in einem gemischten Archiv (z.B. CA s/w- und Farbfilm) bei einem festen Wert zwischen 10 und 15°C liegen bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von 30%, nicht aber über 40%, um das dark fading des Colormaterials zu verhindern.

Ein ebenfalls wichtiger Punkt bei der Einrichtung der Archivräume ist die Möglichkeit der räumlichen Trennung von Cellulosenitrat von allen anderen fotografischen Materialien sowie der Trennung von Celluloseacetat-Material, welches vom Essigsyndrom befallen ist, von unbeschädigtem Material.

Archivräume, in denen Filmmaterialien gelagert werden, sollten frei sein von Einrichtungsgegenständen aus Holz und holzhaltigen Materialien, wie Papier, Pappe. Bei den Abbauprozessen von holzhaltigen Materialien werden Säuren frei, die die Hydrolyse der Celluloseester in Gang setzen oder begünstigen können.

Die Filmrollen sollten liegend in Stahlregalen gelagert werden, da es bei stehender Lagerung von 35-mm-Filmwickeln auf einem Kern zu Stauchungen und Deformationen kommt. Filme auf Spulen (16-mm, 8-mm) werden dagegen besser stehend gelagert, um das Aufliegen einzelner Windungen auf den Streben der Spule zu verhindern. Besonders wenn mehrere Filme auf Spulen liegend übereinander gelagert werden, kommt es durch das Gewicht leicht zu Verletzungen der Filmkanten, wo sich bei 16- und 8-mm-Filmen der empfindliche Magnetton befindet.

Alte Filmdosen, besonders solche, die Anzeichen von Rost aufweisen, sollten ersetzt werden. Für den Archivgebrauch werden Dosen aus innertem Plastik empfohlen, die den Zersetzungsprozess des Filmmaterials nicht beeinflussen.

Die Sichtung historischer Filme unbekannten Erhaltungszustandes sollte zunächst auf einem Umrolltisch erfolgen, auf dem der Transport nicht mit Hilfe von Zahnkränzen über die Perforation erfolgt. Wenn der allgemeine Zustand es zulässt und die Schrumpfung nicht zu stark ist, kann der Film vorsichtig auf einem Sichtungstisch betrachtet werden. Generell sollten historische Originalfilme nicht projiziert werden, da die Beanspruchung im Projektor zu groß ist. Hierfür und auch für zukünftigen Gebrauch sollten mindestens zwei Kopien angefertigt werden, die getrennt vom Original aufbewahrt werden.