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Konservatorische Maßnahmen Magnetbänder

In Bezug auf ihre Lebensdauer und die schnelle Obsoleszenz der Abspielgeräte sind Magnetbänder ein besonders kritisches Archivmedium für die Langzeitsicherung von Audio- und Videoaufnahmen.
Die Sammlung und Instandhaltung entsprechender Abspielgeräte und die Umkopierung bzw. der Transfer auf andere Bandformate oder Medien sind daher zwei wichtige Punkte in der Konservierung von Magnetbändern.
Magnetbänder von guter Qualität können unter Archivbedingungen 50 Jahre und länger bewahrt werden. Trotzdem ist die regelmäßige Migration der Daten auf ein neueres Bandformat oder ein anderes Medium ein fester Bestandteil der Langzeitsicherung von Magnetbändern.

Die Lagerung von Magnetbändern sollte generell getrennt von anderen Medien, wie Fotos und Filmen erfolgen, da sie sich durch ihre Zersetzungsprodukte gegenseitig negativ beeinflussen. Magnetbänder dürfen nicht in Papier- oder Pappschachteln aus säurehaltigem Material oder Holzbehältnissen gelagert werden, da diese das Essigsyndrom bei CA-Bändern und die Hydrolyse des Bindemittels bei PET-Bändern auslösen und fördern können. Sind die Originalverpackungen der Magnetbänder aus solchen Materialien, sollte in Erwägung gezogen werden, diese separat zu lagern.

Die optimalen klimatischen Bedingungen sind, wie bei Filmmaterial, kühl und trocken, wobei es auch hier vor allem darauf ankommt, ein konstantes Klima über einen langen Zeitraum herzustellen. Standards für die Lagerung von Magnetbändern sind in ISO 18923:2000 festgelegt und zusammengefasst in den „Videotape Preservation Fact Sheets". [1]

Temperatur für Langzeitbewahrung

8°C bei einer Schwankung um +/- 2°C innerhalb 24 h

Relative Luftfeuchtigkeit

25% bei einer Schwankung von +/- 5% rel. L. innerhalb 24 h

Magnetbänder sollten nicht unter einer Temperatur von 8°C gelagert werden und die rel. L. sollte nicht unter 20% fallen. Wichtig ist, dass je höher die Lagertemperatur gewählt wird, eine niedrigere rel. L. eingehalten wird. Bei 20°C sollte die rel. L. nicht über 30% liegen, bei 15°C nicht über 40%, bei 10°C bzw. nicht über 50%.


Um physischen Schäden vorzubeugen, werden Magnetbänder zur Lagerung idealerweise vollständig und sauber zurückgespult. Hierbei ist auf ein sauberes, gleichmäßiges Wickelbild ohne Treppenbildung zu achten. Um die Bandkanten zu schonen, müssen Magnetbänder stehend, mit vollem Spulenkern unten im Regal gelagert werden.


Bild: Beispiele für ein akkurates Wickelbild (links) und solche, die vermieden werden sollen. [2]

Zum empfohlenen Umspulen der Bänder im Abstand von 1 bis 5 Jahren gibt es unterschiedliche Argumentationen. Befürwortend lässt sich sagen, dass der Bandwickel durch das Umspulen neu gespannt wird und sein Zustand überprüft und regelmäßig überwacht werden kann. Dagegen spricht, dass ein richtig gelagertes Band hierdurch unnötiger Belastung ausgesetzt wird und der Gefahr einer Schädigung durch nachlässige Handhabung oder schlecht gewartete Geräte ausgesetzt wird.

Archivräume sind nach Möglichkeit frei zuhalten von Straßenschmutz (durch entsprechende Fußmatten im Eingangsbereich), Staub, Zigarettenrauch und Schadgasen und zur leichten Reinigung mit entsprechenden Bodenbelägen aus innertem Kunststoff (kein Teppich) auszulegen.




[1] http://www.amianet.org/resources/guides/fact_sheets.pdf
[2] http://www.amianet.org/resources/guides/fact_sheets.pdf, 8