Diese Seite drucken

Hinweise zur Unterrichtsgestaltung


Im Vergleich mit den literarischen Vorlagen sind Wolfgang Küpers filmische Interpretationen gekennzeichnet durch Konkretisierungen und Reduktionen zugleich. Diese sind zunächst hervorgerufen durch die Bedingungen des Mediums Film. Ein Film muss zum Beispiel einen konkreten Raum und eine konkrete Person zeigen, während ein Text mit einer kurzen Wendung exemplarisch arbeiten kann: Menschliche Typen ohne Gesicht spielen abgehoben von einem Zeit- bzw. Ortsbezug in einer künstlichen Situation. Mit einer ähnlichen Leichtigkeit kann auch das Bild-Medium der Comics menschliche Grundtypen darstellen und in den Spielzeiten hin und her springen.

Die dem Film eigene Konkretisierung ist notwendigerweise mit einer Reduktion verbunden. Handelnde Personen mit Gesicht, die in einer bestimmten Zeit und einem bestimmten Ort agieren, schränken die Übertragbarkeit und die Assoziationen der Zuschauer stärker ein als ein Text, da ja der Regisseur als der erste Leser einige Leerstellen des Textes schon ausgefüllt hat.

Aufgabenvorschläge

Versuche dir nach der Textanalyse vorzustellen, wie du dich in einer der beschriebenen Situation verhalten oder wie du dich fühlen würdest!

Diese Grunderkenntnis sollte den Schülerinnen und Schülern möglichst früh vermittelt werden, damit die Abwehrreaktionen wie "Die Personen habe ich mir aber ganz anders vorgestellt" oder "Der Film ist ja nicht genauso wie der Text" nicht so schnell aufkommen können. Dazu geeignet sind alle Aufgaben, die

  • die durch den Text projizierte eigene Vorstellungswelt verbalisieren und damit vergleichbar machen
  • die Schülerinnen und Schüler selbst vor die Aufgabe stellen, die Leerstellen des Textes mit Bildern zu füllen
  • die Erwartungen der Schülerinnen und Schüler an den Text aufzeigen.

Aufgabenvorschläge

Beschreibt möglichst genau, wie die Personen aussehen müssten, damit sie zum Beispiel in einem Film "Das Brot" die Personen verkörpern können! Sucht in Zeitschriften und Katalogen einige zu diesen Vorstellungen passende Fotos von Frauen und Männern!

Skizziert in einem Text, Storyboard oder Drehbuch, wie ihr den Anfang/das Ende der Geschichte verfilmen wollt!

Sucht aus eurem Musikbestand eine zu der Geschichte passende Musik heraus! Lest zu dieser Musik die Kurzgeschichte und nehmt dieses auf eine Kassette auf! Vergleicht anschließend die verschiedenen Musikuntermalungen!

Wolfgang Küper geht in dem Prozess der Konkretisierung und Reduktion jedoch noch mehrere Schritte weiter. Er nimmt eine historische Einbettung aller drei Geschichten vor. Während von den literarischen Vorlagen nur die Ratten-Geschichte eindeutig historisch eingeordnet ist - nämlich in die Zeit des 2. Weltkrieges - spielen jetzt alle drei Filme im Krieg. Um dem Zuschauer die heute nur noch schwer nachvollziehbare Alltagsrealität im Dritten Reich und im Krieg deutlicher vor Augen zu führen, hat der Regisseur der ersten und dritten Geschichte einen Vorspann vorweg gestellt. Diese Einbettung in die Alltagsgeschichte bedeutet natürlich einerseits wieder eine Reduktion, andererseits aber auch eine Ausweitung des Szenariums. Die Geschichten verlieren also nicht nur etwas - die Allgemeingültigkeit einer menschlichen Grunderfahrung - sie gewinnen gleichzeitig die Anschaulichkeit. Was in der Schule wichtiger ist, das sei jedem Unterrichtendem selbst überlassen - die Schülerinnen und Schüler werden vermutlich die Anschaulichkeit als sehr hilfreich empfinden.

Die Personen erhalten also eine Geschichte, die ihre Handlungen in einem im Vergleich zur Vorlage veränderten Licht erscheinen lassen ( Die Flucht) bzw. sogar die Perspektive der Geschichte vollkommen umdrehen (Nachts schlafen die Ratten).

Es hat sich im allgemeinen als sinnvoll herausgestellt, vor der Präsentation der Verfilmung die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler zu lenken und zu schärfen. Wenn der Text schon bekannt ist, werden die Schüler zunächst automatisch die Frage im Kopf bewegen, ob der Film auch "werkgetreu" vorgeht. Sollen andere Aspekte wichtig sein, müssen konkrete Beobachtungsaufgaben formuliert werden.

Aufgabenvorschläge

Achte auf die Kleidung der Personen/den Gesichtsausdruck usw. einer bestimmten Person.

Achte auf die Ausstattung des Zimmers/der Wohnung usw. Welche Gegenstände erscheinen groß im Bild?

Zum Unterrichtsgespräch über die Verfilmung hat es sich als hilfreich herausgestellt, die Standfotos aus dem jeweiligen Film in die Gesamthandlung einordnen zu lassen. Auf diese Weise werden die Bilder und auch die Handlung des Films in den Köpfen der Schülerinnen und Schüler wieder aktiviert, und eine Erarbeitung ist leichter möglich.

Aufgabenvorschläge

Ordne die Standfotos nach der Reihenfolge der Filmhandlung!

Beschreibe die Handlung vor und nach dem Standbild und versuche, den Dialog/Monolog zu rekonstruieren!