Diese Seite drucken

Sequenzprotokoll zu Asylrecht


Asylrecht (1948/49)

Ein Einstellungsprotokoll zum Film ist auf dem Portal Filmbildung des Niedersächsischen Bildungsservers abrufbar.

Nr.
Inhalt
Länge
Off-Kommentar

1

In der Dämmerung überschreiten Flüchtlinge ein Feld, überqueren einen Bach, übernachten in einer Scheune.

2.17

Viele Flüchtlinge, die aus dem Osten in die britische Zone kommen, überschreiten die Grenze nachts. Sie suchen Notunterkünfte auf, wo sie ihre Kleider trocknen und sich auf Stroh ausruhen können. Diese Scheune befindet sich etwa 50 Meter diesseits der Grenze bei Jerksheim.
Zu normalen Zeiten würden diese "Neuzugänge" kaum ein Problem darstellen; aber die Zone ist bereits mit Flüchtlingen übervölkert.

2

Schloss Eutin in Schleswig-Holstein, in dem zahlreiche Flüchtlinge auf engem Raum notdürftig untergebracht sind.

1.55

Schloss Eutin in Schleswig-Holstein. In diesem Teil der britischen Zone ist die Bevölkerung seit 1939 um mehr als 70% angewachsen, während die Zahl der zur Verfügung stehenden Wohnungen durch Kriegseinwirkungen verringert wurde.

3

Ein fensterloser Bunker in Braunschweig, in dem ebenfalls viele Flüchtlinge leben.

1.00

Der Madamenweg-Bunker in Braunschweig. Er hat keine Fenster. Viele dieser Menschen leben hier seit zwei oder drei Jahren bei künstlichem Licht. Vier Millionen deutsche Flüchtlinge sind infolge des Krieges und der Grenzveränderungen im Osten in die britische Zone gezogen. Noch ist das Problem, sie in die Wirtschaft einzugliedern, nicht gelöst.

4

Das Aufnahmelager Ehndorf bei Neumünster; zahlreiche Nissenhütten; Bilder aus dem Lagerleben, die vor allem Kinder und Frauen zeigen.

1.57

Hunderte von Flüchtlingslagern gibt es in der Zone. Dies ist Ehndorf bei Neumünster.

5

Zurückkehrende Kriegsgefangene

0.50

Zu den Flüchtlingen kommt noch der ständige Strom von Kriegsgefangenen, die aus Russland heimkehren. Etwa 200.000 werden noch erwartet. Auch für sie muss Platz gefunden werden. Die aufgeschwemmten Gesichter verraten Hungerödeme, hervorgerufen durch fettarme Gefangenenkost.

6

Grenze zur "Sowjetzone"; Flüchtlinge gehen bei Tag über die "grüne Grenze".

0.40

Auch bei Tage gehen Flüchtlinge über die Grenze. Hier kommen sie durch die Wälder nördlich Helmstedt.
Hier überschreiten sie die Demarkationslinie im Braunkohlengebiet von Offleben.

7

Westzonenpolizei und britische Soldaten auf der einen Seite, Ostzonenpolizei und sowjetische Soldaten auf der anderen Seite bemühen sich um die Grenzsicherung.

0.52

Die Grenze wird auf der einen Seite von der Ostzonenpolizei und russischen Soldaten bewacht. Hier beginnt die russische Zone.
Auf der anderen Seite sind Westzonenpolizei, beritten und zu Fuß, sowie englische Soldaten. Sie haben die Befugnis, illegale Einwanderer zurückzuweisen. Bei Müsingen werden einige der Ostzonenpolizei übergeben.

8

Offzielle Grenzübergänge bei Helmstedt und Walkenried im Harz; ein ankommender Autobus mit Flüchtlingen. Der Grenzübergang Herrenburg bei Lübeck.

2.00

Helmstedt. Wer einen Interzonenpass hat, darf hier die Grenze passieren. An der Grenze entlang gibt es in Abständen offzielle Stellen, wo Grenzübertritt und Verkehr in beide Richtungen erlaubt sind, wenn die nötigen Papiere vorgelegt werden können. Es kommen mehr als gehen. Über 30.000 neue Flüchtlinge werden jeden Monat in der britischen Zone registriert.
Walkenried im Harz.
Dieser Autobus kam bei Friedland über die Grenze, im Süden der Zone. Im Norden ist Herrenburg bei Lübeck offizieller Grenzübergang. Diese Flüchtlinge haben zwar Ausweise für die Grenzkontrollen, aber die Aufenthaltserlaubnis fehlt noch den meisten. Das nächste Ziel all dieser Menschen, die legal oder durch Wälder und Flüsse kamen, ist also Aufenthaltsgenehmigung, Arbeitserlaubnis und Lebensmittelkarten für die britische Zone. Doch nur die zuständige Gemeindeverwaltung oder eines der drei Durchgangslager können diese Genehmigung erteilen.

9

Flüchtlinge kommen in die Durchgangslager Pöppendorf (Schleswig-Holstein), Wipperfürth (Nordrhein-Westfalen) und Uelzen (Niedersachsen).

1.40

Das Durchgangslager für Schleswig-Holstein ist Pöppendorf. Die deutsche Lagerleitung prüft hier die Angaben der Flüchtlinge. Einigen wird der Aufenthalt verweigert, andere dürfen zu ihren Freunden und Familien. Alle, die nach den geltenden Bestimmungen nicht in Schleswig-Holstein bleiben dürfen, werden nach Wipperfürth weitergeschickt. Wipperfürth ist das Durchgangslager für Nordrhein-Westfalen. Von hier aus werden die Flüchtlinge auf andere Lager des Landes verteilt. Flüchtlinge, denen man nachweisen kann, dass sie die Grenze im Raum Niedersachsen überschritten haben, werden nach Uelzen zurückgeschickt.

10

Flüchtlingsbetreuung im Durchgangslager Uelzen: Essensausgabe, Gesundheitskontrolle.

2.21

Das ist Uelzen, das Durchgangslager für Niedersachsen. Ein Teil der Flüchtlinge wird auf Infektionskrankheiten untersucht. Unterernährung, eine typische Flüchtlingskrankheit.

11

Weiterleitung der aufgenommenen Flüchtlinge mit Zügen in einzelne niedersächsische Städte.

1.24

Flüchtlinge, die aufgenommen werden, fahren mit Sonderzügen in die verschiedenen Städte Niedersachsens.

12

Die Lebensbedingungen in den Baracken des Lagers Uelzen.

2.15

Neue Flüchtlinge. Ein Barackenraum im Lager Uelzen. Zeitweise wohnen, essen und schlafen hier über 360 Menschen.

13

Die Einzelfallprüfung im Durchgangslager Uelzen für die Aufenthaltsgenehmigung in der britischen Zone. Zahlreiche Beispiele von Personen, die zum Teil aufgenommen, zum Teil auch zurückgeschickt werden.

11.00

Alle diese Flüchtlinge warten auf Bescheid, ob sie die Aufenthaltsgenehmigung für die britische Zone bekommen. Jeder Fall wird genau untersucht. Unterschiedslose Aufnahme aller Flüchtlinge würde den Lebensstandard aller, besonders aber den der hier schon lebenden viereinhalb Millionen Flüchtlinge erheblich herabsetzen. Die Verwaltung der Grenzkontrollen liegt in den Händen der deutschen Länderregierungen, und es ist ihr Bestreben, diejenigen aufzunehmen, deren Not am größten ist, jedoch nur so viele, dass die Schwierigkeiten der bereits Aufgenommenen nicht noch erhöht werden.
Der Mann im weißen Pullover ist Landarbeiter. Er ist gekommen, um Arbeit zu finden. Seine Eltern leben noch in der Ostzone, er wird zurückgeschickt.
Dieser Mann ist von Beruf Maurerpolier. Er gibt an, dass er politisch verfolgt worden sei und in der russischen Zone nicht mehr arbeiten dürfe. Da er seine Aussagen beweisen kann, wird er aufgenommen.
Auch dieser Mann sucht Arbeit. Er kam mit seiner Frau und sieben Kindern über die Grenze. Aber der Wunsch, sich zu verbessern, berechtigt nicht zur Aufnahme; er muss wieder zurück.
Diese Frau möchte zu ihrem Mann, der nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft in der britischen Zone geblieben war. Ihr wird gesagt, dass sie sich an die Stadtverwaltung Remscheid wenden müsse, da ihr Mann jetzt in Remscheid arbeitet.
Dieses Mädchen aus Ostpreußen hat seinen Vater verloren. Sie wollten zusammen die Grenze überqueren und haben sich aus den Augen verloren. Da sie seit vergangenem Oktober in einem russischen Gefangenenlager war, wird sie aufgenommen.
Diese junge Zeichnerin beansprucht Asylrecht wegen politischer Verfolgung. Sie kann nur aufgenommen werden, wenn sie eine Stellung findet.
Diese Frau aus Dresden möchte zu ihrem Sohn nach Lüneburg. Sie erhält den Bescheid, dass sie bei dem dortigen Bürgermeister einen Antrag stellen muss.
Diese Frau kommt aus russischer Gefangenschaft. Ihr Mann ist gefallen. Man erlaubt ihr, zu ihrem Bruder nach Stade zu ziehen.
Der Mann einer dieser Schwestern lebt seit Kriegsende in der britischen Zone, hat jedoch im Augenblick keinen festen Wohnsitz. Wenn auch die Absicht besteht, Familien nach Möglichkeit wieder zusammenzuführen, muss doch in diesem Fall die Frau umkehren und warten, bis ihr Mann registriert ist und die Aufenthaltsgenehmigung hat. Die Schwester aber kann auch später nicht aufgenommen werden.
Dieser Junge möchte seinen Vater in Braunschweig besuchen. Es wird ihm erlaubt.
Diese Frau erwartet in zwei oder drei Wochen ein Kind. Ihr Mann ist ins Lager gekommen, um sie abzuholen. Aber auch in diesem Fall können die Bestimmungen über Familienzusammenführung nicht angewandt werden, da der Mann noch keine Aufenthaltsgenehmigung hat. So muss die Frau wieder zurück.
Dieser junge Arbeiter hat keinen Personalausweis. Er sagt, dass er aus einem französischen Gefangenenlager komme und gerne hier bleiben möchte. Da er die letzte Nachricht von seinen Eltern aus der Ostzone bekam, wird es ihm nicht gestattet.
Diese Frau ist zum vierten Mal hier und wird wieder abgewiesen. Vor drei Jahren hat sie in Flensburg gelebt, dann zog sie nach Magdeburg in die russische Zone. Jetzt möchte sie nach Flensburg zurück, aber das ist unmöglich.
Diese Frau kam mit ihren drei Kindern. Sie will zu ihrem Mann, der im Ruhrgebiet arbeitet. Aber der Mann hat seine Anschrift geändert und lebt mit einer anderen Frau zusammen. Ihr wird gesagt, dass sie in die Ostzone zurückkehren muss.
Alle, denen der Aufenthalt in der britischen Zone verweigert wird, erhalten eine Fahrkarte nach Schöningen, wo sie sich selbst einen Weg über die Grenze suchen müssen.

14

Abgewiesene Flüchtlinge treffen in Schöningen (Grenze zur SBZ) in einem alten Theater ein, das überwiegend mit neu ankommenden Flüchtlingen belegt ist.

1.10

Das ist die einzige Flüchtlingsunterkunft in Schöningen, ein altes Theater. Es stellte sich heraus, dass nur sehr wenige der Abgewiesenen von Uelzen hierher kommen. Der Saal war hauptsächlich mit Neuankommenden belegt.
Diese Frau ist gerade über die Grenze gekommen. Sie war so müde, dass sie ihre Kinder niederlegte und stehend neben ihnen einschlief.

15

Abgewiesene Flüchtlinge, die nicht zurückwollen, wandern in der britischen Zone umher, schlafen in alten Luftschutzkellern und Warteräumen, lagern an Landstraßen und versuchen per Anhalter weiter zu kommen.

3.05

Die Abgewiesenen aber, die nicht zurückkehren wollen, wandern in der Zone umher. Sie suchen Unterschlupf und hoffen, eines Tages doch wieder Arbeit und Wohnraum zu finden. Sie übernachten in Warteräumen und alten Luftschutzkellern.