Diese Seite drucken

Sequenzprotokoll zu Flüchtlingsnot an der Zonengrenze (1960)


Flüchtlingsnot an der Zonengrenze (1960, Länge: ca. 21 Minuten)

Nr.
Inhalt
Länge
Off-Kommentar

1

In der Dämmerung überschreiten Flüchtlinge ein Feld, überqueren einen Bach, übernachten in einer Scheune.

0.50

Spätherbst 1948. Täglich kommen etwa 1000 Flüchtlinge aus dem Osten in die Westzonen Deutschlands. Viele von ihnen überschreiten die Grenze nachts. Notunterkünfte bieten ein erstes Obdach. Diese Scheune befindet sich nur 50 Meter diesseits der Grenze.

2

Grenze zur "Sowjetzone". Flüchtlinge gehen bei Tag über die "grüne Grenze".

0.36

Auch bei Tag kommen Flüchtlinge über die "grüne Grenze". Hier durch die Wälder nördlich von Helmstedt. Diese passieren die Demarkationslinie im Braunkohlengebiet von Offleben.

3

Grenzüberwachung durch West- und Ostpolizei bzw. Soldaten. Aufgegriffene Flüchtlinge werden der Grenzpolizei im Osten übergeben.

1.22

Die Grenze wird auf der einen Seite von der Polizei der russisch besetzten Zone und russischen Soldaten bewacht. Auf der anderen Seite stehen britische Soldaten und die Westzonenpolizei. Die Grenzposten im Westen können illegale Einwanderer zurückweisen. Hier werden aufgegriffene Flüchtlinge der Polizei der russisch besetzten Zone übergeben.

4

Flüchtlingslager. Szenen aus dem Lagerleben.

1.17

Hunderte solcher Flüchtlingslager gibt es bereits in der ohnehin übervölkerten britischen Zone. Schon vier Millionen deutsche Flüchtlinge sind infolge des Krieges und der Grenzveränderungen im Osten in die Westzonen gezogen.

5

Notdürftig untergebrachte Flüchtlinge in Schloss Eutin

1.22

Auch Schlösser dienen heute als Notunterkünfte. Viele Wohnungen in den Westzonen wurden durch Kriegseinwirkungen zerstört. Aber ständig vermehrt sich die Einwohnerzahl durch Flüchtlinge und Heimkehrer.

6

Notdürftig untergebrachte Flüchtlinge in einem Bunker.

0.45

Ein fensterloser Bunker. Viele Menschen leben hier seit Jahren bei künstlichem Licht.

7

Zurückkehrende Kriegsgefangene

0.14

Zu den Flüchtlingen kommt der ständige Strom von Kriegsgefangenen, die aus Russland heimkehren, aus Jugoslawien und der Tschechoslowakei.

8

Umsiedler steigen aus einem Autobus.

0.24

Dieser Autobus bringt Umsiedler aus den deutschen Ostgebieten. Auch für sie muss Platz gefunden werden.

9

Offizielle Grenzübergänge mit gültigen Papieren.

0.30

Entlang der Grenze gibt es mehrere offzielle Grenzübergänge, an denen der Übertritt in beide Richtungen erlaubt ist. Aber nur, wenn gültige Papiere vorgelegt werden können.

10

Legal eingereiste Flüchtlinge auf dem Weg in Auffanglager zur Überprüfung der Aufenthaltsgenehmigung.

0.40

Diese Flüchtlinge haben nur Ausweise für die Grenzkontrollen, aber noch keine Aufenthaltsgenehmigung. Ihr nächstes Ziel ist es, die erforderliche Aufenthaltsgenehmigung, eine Arbeitserlaubnis und Lebensmittelkarten zu erhalten.

11

Das Auffanglager Uelzen: Das Leben in den Baracken, Essensausgabe, medizinische Untersuchung

2.48

Das größte Auffanglager der britischen Zone befindet sich in Uelzen. In einer Baracke wohnen, essen und schlafen hier zeitweise mehr als 360 Menschen. Ausgabe der täglichen Lebensmittelration. Um Epidemien zu vermeiden, werden die Flüchtlinge auf Infektionskrankheiten untersucht. Eine typische Flüchtlingskrankheit ist Unterernährung.

12

Die Einzelfallprüfung im Lager Uelzen.

5.33

Alle Flüchtlinge warten auf den Bescheid, ob sie in der britischen Zone aufgenommen werden. Jeder einzelne Fall wird genau untersucht. Die deutschen Länderregierungen sind bestrebt, diejenigen aufzunehmen, deren Not am größten ist.
Der Mann im weißen Pullover ist Landarbeiter. Er ist gekommen, um Arbeit zu finden. Seine Eltern leben noch in der Ostzone, er wird zurückgeschickt.
Diese junge Frau ging zusammen mit ihrem Vater über die Grenze. Dabei haben sie sich aus den Augen verloren. Da sie längere Zeit in einem russischen Gefangenenlager war, wird sie aufgenommen.
Diese Frau aus Dresden möchte zu ihrem Sohn nach Lüneburg. Ihr Antrag kann nur vom dortigen Bürgermeister entschieden werden.
Diese Frau wurde im Oktober 1948 aus russischer Gefangenschaft entlassen. Ihr Mann ist gefallen. Man erlaubt ihr, zu ihrem Bruder nach Stade zu ziehen.
Der Mann einer dieser Schwestern lebt seit Kriegsende in der britischen Zone, hat jedoch keinen festen Wohnsitz. Die Frau muss in die russisch besetzte Zone zurückkehren und warten, bis ihr Mann die Afenthaltsgenehmigung hat. Die Schwester kann aber auch später nicht aufgenommen werden.
Dieser junge Arbeiter besitzt keinen Personalausweis. Er sagt, dass er aus einem französischen Gefangenenlager komme und gern hierbleiben möchte. Da er die letzte Nachricht von seinen Eltern aus der Sowjetzone bekam, wird es ihm nicht gestattet.
Diese Frau will mit ihren drei Kindern zu ihrem Mann, der im Ruhrgebiet arbeitet. Aber unter der genannten Anschrift ist er nicht zu ermitteln. Sie muss mit ihren Kindern in die Ostzone zurückkehren.

13

Sonderzüge bringen aufgenommene Flüchtlinge in niedersächsische Städte.

0.57

Für Flüchtlinge, die eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten haben, werden Sonderzüge mit Kurswagen bereitgestellt.

14

Abgewiesene Flüchtlinge werden zur Zonengrenze zurückgeschickt.

0.57

Vielen muss der Aufenthalt verweigert werden. Sie erhalten eine Fahrkarte zum nächsten Bahnhof an der Zonengrenze. Von dort aus müssen sie sich den Weg zurück selbst suchen.

15

Eine überfüllte Unterkunft an der Grenze.

0.45

An der Grenze dient ein ehemaliges Theater als Unterkunft. Aber nur sehr wenige der Abgewiesenen kommen hierher. Der Saal ist hauptsächlich mit Neuankommenden belegt. Diese Frau ist gerade über die Grenze gekommen. Sie war so erschöpft, dass sie stehend neben ihren Kindern einschlief

16

Abgewiesene Flüchtlinge, die nicht zurück wollen, wandern in den Westzonen umher.

1.04

Die Abgewiesenen aber, die nicht zurückkehren wollen, wandern in den Westzonen umher, in der Hoffnung, eines Tages doch Arbeit und Wohnraum zu finden.