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Die Filmemacher


Rolf Meyer und die Junge Film-Union

Rolf Meyer wird am 12. November 1910 in Suderode (Harz) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters, eines Kapitäns beim Norddeutschen Lloyd, wächst er als Halbwaise auf und besucht die Höhere Schule in Stettin, von der er, nicht zuletzt aufgrund einer Sprachbehinderung, vorzeitig abgehen muss.
Meyer beginnt in Berlin eine Ausbildung zum Opernkapellmeister, knüpft jedoch bald Kontakte zum Film und arbeitet als Cutter-Voluntär bei der Ufa. Ab 1936 ist er als Autor vor allem für Erich Waschnecks Fanal-Film GmbH und die Tobis tätig, wo er u.a. die Drehbücher zu Das Bad auf der Tenne (1943) und Eine kleine Sommermelodie (1944) schreibt. Seine bevorzugten Genres sind die musikalische Komödie und der volkstümliche Schwank.

Meyer, der im Krieg nicht zur Wehrmacht eingezogen wird, flüchtet im April 1945 mit seiner Frau Gerty Böttcher aus Berlin in das Heidedorf Bendestorf südlich von Hamburg. Hier kann er, da er kein Mitglied der NSDAP war und gut Englisch spricht, schnell Kontakt zu britischen Besatzungsoffizieren herstellen. Zeitweilig vertritt er den alten, als ,Parteigenossen' belasteten Bürgermeister von Bendestorf.
1947 debütiert Meyer als Regisseur mit Zugvögel, den die Berliner Studio 45-Film GmbH produziert. Am 1.4.1947 erhält er als einer der ersten Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die (britische) Lizenz zur Gründung einer Filmproduktion. In Bendestorf entsteht die Junge Film-Union, als deren alleiniger Inhaber Rolf Meyer fungiert. 1947-51 produziert die Firma 19 Spielfilme, darunter Willi Forsts Die Sünderin (1950), Georg Jacobys Sensation in San Remo, der erste nach dem Krieg auf deutschem Farbmaterial hergestellte Film, sowie eine Reihe von Kultur- und Kurzfilmen. Leiter der Kulturfilmabteilung wird 1951 der Regisseur Alfred Weidenmann.
Zu dieser Zeit hat sich die Junge Film-Union, bezogen auf die Herstellungskapazität, zur zweitgrößten Filmproduktionsfirma der Bundesrepublik entwickelt. Bei einigen seiner Produktionen führt Meyer weiterhin selbst Regie: Menschen in Gottes Hand (1948), Die Söhne des Herrn Gaspary (1948), Die wunderschöne Galathee (1950) und Professor Nachtfalter (1950). Neben diesen abendfüllenden Spielfilmen produziert die JFU in diesem Zeitraum die drei Kurzfilme Stadtmeier und Landmeier, Sie sind nicht gemeint und Die Zauberschere, die als Beiprogramm für die Spielfilme dienten. Außerdem entsteht noch als britisch-deutsche Koproduktion der Dokumentarfilm Kreis Resident Officer (K.R.O.).
1950 wird Meyer in den Vorstand des Verbandes Deutscher Filmproduzenten gewählt, 1951 wird er Mitglied im Verwaltungsrat der Neuen Deutschen Wochenschau.

Aufgrund zu geringen Eigenkapitals sowie problematischer Verleihverträge und Finanzierungen gerät die Junge Film-Union bald nach der Währungsreform, als ausländische Filme den deutschen Markt überschwemmen und gleichzeitig ein Zuschauerrückgang einsetzt, in eine Finanzkrise, kann aber mit Hilfe fortlaufender Produktionen und Bürgschaftsgarantien von Bund und Land zunächst noch weiterexistieren. Ein schwerer Verkehrsunfall Meyers im November 1951, der ihn für mehrere Monate ans Bett fesselt, ist schließlich der Anlass zum Konkurs der Firma.

Der von der Junge Film-Union geplante Film Königin der Arena kann von Meyer 1952 noch als Regisseur, nicht mehr aber als Produzent realisiert werden. Nach einem vorausgegangenen Vergleichsverfahren wird am 12.11.1952 das Konkursverfahren gegen die Junge Film-Union Rolf Meyer eröffnet, das zu seinen Lebzeiten nicht mehr abgeschlossen wird. Ende 1952 gründet Meyer mit dem Filmmusiker Michael Jary eine Junge Film-Union GmbH, aus der er jedoch 1954 ausscheiden muss, da er seines ersten Konkurses wegen nicht als bürgschafts- und kreditwürdig gilt. In der Folge wird er - abgesehen von einem kurzen Intermezzo als Autor bei dem Remake von Das Bad auf der Tenne (1955) - nicht mehr im Filmgeschäft aktiv.

Rolf Meyer, dessen Gesundheitszustand durch die regelmäßige Einnahme von Aufputsch- und Beruhigungsmitteln seit langer Zeit angegriffen ist, stirbt am 3. Februar 1963 in Todtglüsingen.


Rudolf W. Kipp (1919-1990)

Rudolf Werner Kipp wird am 26. August 1919 in Eichwalde, Kreis Teltow geboren. Bereits während seiner Schulzeit besitzt er, gemeinsam mit seinem ebenfalls Karl-May- und filmbegeisterten Freund Jan Thilo Haux (später Chefkameramann des Norddeutschen Rundfunks), eine Filmkamera und einen Vorführapparat.

Nach dem Abitur im März 1938 arbeitet er zunächst als kaufmännischer Volontär, bevor er am 15.2.1939 als Bildassistent-Anwärter bei der Tobis-Filmkunst GmbH beginnt. In der Tobis arbeitet Kipp dann als Trickkamera-Assistent, danach als 1. Assistent der Tobis-Spielfilmproduktion, u.a. bei den Kameramännern Friedel Behn-Grund, Bruno Mondi und Fritz Arno Wagner. Parallel besucht Kipp Kurse in Fotooptik und Fotochemie und nimmt Regie- und Schauspielunterricht.

1940 wird Kipp zur Wehrmacht eingezogen, im April 1941 auf eigenen Wunsch zur PK (Propaganda-Kompanie) versetzt, da er hier die Möglichkeit sieht, seine Filmarbeit fortzusetzen. Mit Unterbrechungen bleibt Kipp bis Kriegsende bei der PK, zunächst als Cutter, dann als Filmberichterstatter im Felde, wo er unter anderem in Griechenland, Italien, Frankreich und Holland filmt.

Während verschiedener Arbeitsurlaube arbeitet Kipp auch weiterhin als Assistent und Kameramann bei der Tobis sowie seit 1942 als selbständiger Kameramann und Filmproduzent. In den letzten Kriegsjahren produziert Kipp vor allem für das Ufa-Magazin sowie für die Deutsche Wochenschau GmbH.
Kipp, der kein NSDAP-Mitglied ist, wird am 9.11.1942 in die Reichsfilmkammer, Fachschaft Film, aufgenommen.

Im Mai 1945 gerät Kipp in britische Kriegsgefangenschaft, wird jedoch bald entlassen. Noch im gleichen Jahr baut er eine Jugendfilmbetreuung für Flüchtlinge auf, beginnt im Auftrag der Kulturverwaltung Hamburg mit Filmaufnahmen und produziert Schulfunk-Hörspiele für den NWDR.

Ab März 1946 arbeitet Kipp als Kameramann für die britisch-amerikanische Wochenschau "Welt im Film", wo er viele Dutzend "Aktualitäten" produziert. Seiner Arbeit für die jeweiligen Wochenschauen, die er nach Gründung der Neuen Deutschen Wochenschau partiell fortsetzt, attestiert Kipp eine unbefriedigende Oberflächlichkeit, die seiner Vorstellung von Dokumentation widerstrebt.

Als selbständiger Kameramann und Filmproduzent kann er, im September 1947 von der British Film Section und der Kulturbehörde Hamburg lizensiert, freier arbeiten. Gemeinsam mit Günther Sawatzki und Heinrich Klemme gründet Kipp im März 1948 in Hamburg die Deutsche Dokumentarfilm GmbH. Als Auftragsarbeiten für die British Film Section produziert die Deutsche Dokumentarfilm GmbH bis 1949 u.a. die Filme Lebensadern, Asylrecht und Die Bergung der New York, die über die Grenzen Nachkriegsdeutschlands hinaus Anerkennung finden.

In diesen Filmen wird Kipps Verständnis von Dokumentarfilm wohl am deutlichsten: In Abgrenzung zur Wochenschau-Reportage einerseits und zum sogenannten Kunstfilm andererseits geht es ihm darum, das "Innere" von realen Vorgängen und Ereignissen wahrheitsgetreu sichtbar zu machen. Tagelange Vorbereitungen an sensiblen Drehorten, wie etwa in den Flüchtlingslagern für ASYLRECHT, sorgfältig ausgewählte Kamerapositionen und -bewegungen sowie ein von der intendierten Aussage bestimmter Schnitt evozieren eine Filmwirkung, wie man sie aus Spielfilmen kennt. Nicht zu übersehen sind die Kenntnisse, die Kipp als Assistent bei der Tobis-Spielfilmproduktion erworben hat und die er jetzt im Dokumentarfilm einsetzt.

Die Deutsche Dokumentarfilmgesellschaft gerät 1949/50 in die Krise, nachdem sich die politisch-ökonomischen Rahmenbedingungen dramatisch verändert haben: im Gefolge der Währungsreform und der Gründung der beiden deutschen Staaten fällt die British Film Section als Hauptauftraggeberin aus. Auch wenn die Materialbeschaffung für die Filmproduktion einfacher wird, stellt sich die Auftrags- und Kapitalbeschaffung als so schwierig dar, daß Kipp (künstlerischer Leiter) und Heinrich Klemme (Geschäftsführer) die Firma Ende 1950 liquidieren.

Neben einem Abstecher zum Fernsehen Anfang der 50er Jahre gründet Kipp eine neue Firma, die bis zu seinem Tode fortbestehen und sein Lebenswerk bestimmen wird: die Rudolf W. Kipp Filmproduktion (R.K.F.).

Die über 100 Filme, die die R.K.F. produziert, umfassen ein weites Spektrum und tragen nicht zuletzt der Tatsache Rechnung, daß Kipp - stärker als in den frühen Nachkriegsjahren - Marktgesetze berücksichtigen muss. Dies findet seinen Ausdruck vor allem darin, dass er neben klassischen Dokumentar- und Kulturfilmen immer wieder Werbefilme produziert. Kipps Produktionen zeichnen sich auch weiterhin durch konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten aus. Neben viel Lob führt dies allerdings auch dazu, daß einige Auftraggeber lieber billiger produzieren möchten.

Bereits in den 50er Jahren wird für Kipp die Produktion von Lehr- und Unterrichtsfilmen wichtig, ein Aufgabe, für die ihn seine auf filmische Wirkung bedachte Arbeitsweise prädestiniert.

Auch die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gehören zu Kipps wichtigen Auftraggebern: Bis zur Gründung von Studio Hamburg ist der NWDR/NDR ein wichtiger Auftraggeber für die R.K.F. Dessen Nachfolge tritt bald das neu gegründete ZDF an, für das die R.K.F. ab Anfang der 60er Jahre produziert.

Neben seiner Produktionstätigkeit hat sich Kipp bereits seit den 30er Jahren als Filmsammler betätigt. Kopien aus seinen umfangreichen Beständen stellen oft die Quellengrundlage für historische Filmzitate und Kompilationsfilme dar, die auch von anderen Produzenten, etwa dem FWU und dem ZDF, verwendet werden.

Darüber hinaus tritt Kipp mit Vorträgen und Veröffentlichungen hervor, in denen er sich sowohl zur Praxis des filmischen Handwerks als auch zu Fragen der Filmgeschichte äußert.

Rudolf W. Kipp stirbt am 15. Januar 1990 in Hamburg.


Weitere Mitwirkende


HEINZ PEHLKE (1922 - 2002) - Kameraassistent, Kameramann
Heinz Pehlke beginnt seine Karriere in den vierziger Jahren bei der Ufa als Kameraassistent so bedeutender Kameramänner wie Bruno Mondi, Igor Oberberg und Kurt Hasse. So gewinnt er früh Einblicke in die ausgefeilte Studiotechnik und in die gerade von Igor Oberberg bis in feinste Schattierungen ausdifferenzierte Schwarzweiß-Fotografie. Ihm assistiert er bei so herausragenden Filmen wie Unter den Brücken (1945) und In jenen Tagen (1947), beide unter der Regie von Helmut Käutner.
Mit Käutner arbeitet Pehlke dann auch als Chefkameramann intensiv zusammen: Die Zürcher Verlobung (1957), Monpti (1958), Der Schinderhannes (1958) und Schwarzer Kies (1961).
In drei Genres radikalisiert Heinz Pehlke am Ende der fünfziger Jahre den Schwarzweißfilm zu einer besonderen Schärfe: im Jugendfilm Die Halbstarken (1956), im Abenteuerfilm Das Totenschiff (1959) und im kritischen Zeitfilm Schwarzer Kies (1961).
Heinz Pehlke stirbt am 12. März 2002 in Berlin.
(Quelle: Schüren-Verlag)


ALBERT BENITZ
(1904 -) - Kameramann
Albert Benitz, geboren 1904, beginnt seine Karriere während der 20er und frühen 30er Jahre in den Bergfilmen Arnold Fancks. Neben den Filmen, die er für die Junge Film-Union dreht, arbeitet er noch an zahlreichen anderen Filmen wie Der Berg ruft (1938), Des Teufels General (1955) und Der Hauptmann von Köpenick (1956) mit, ehe er sich Mitte der 60er Jahre zur Ruhe setzt.


ERIK ODE
(1910-1983) - Schauspieler, Regisseur
Als Sohn des Schauspielers Fritz Odemar und der Schauspielerin Erika Nymgau wird Ode am 6. November 1910 in Berlin geboren. Er kommt schon früh mit der darstellenden Kunst in Berührung und will als Kameramann zum Film, ehe sich mit der ersten Bühnenrolle 1928 seine beruflichen Pläne ändern. Er macht Kabarett und dreht ab 1931 auch Filme (u.a. FP 1 antwortet nicht, Charleys Tante). Insgesamt steht er bis 1945 bei 47 Filmen vor der Kamera.
1939 geht er an das Münchner Staatsschauspiel, nach Wehrmachtstourneen durch Norwegen und Frankreich wechselt er 1943 an die Berliner Künstlerbühnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielt er an der Komödie am Kurfürstendamm und macht wieder Kabarett. Zudem führt er beim neuen NWDR Hörspielregie. Als Regisseur inszeniert er an Berliner Bühnen und insgesamt 20 Kinofilme (z.B. Herrliche Zeiten 1950, Der Mustergatte 1956). Seine Revue- und Schlagerfilme mit Peter Alexander, Caterina Valente, Vico Torriani oder Marika Rökk prägen das Genre in den 50er Jahren. Für das Fernsehen inszeniert er 14 Fernsehfilme und mehrere Serien, ab 1961 arbeitet er zudem als Darsteller für das Fernsehen. Er ist seitdem in vielen Rollen zu sehen und beginnt 1968 mit der Arbeit, die ihn berühmt machen wird: Er ist bis 1976 in 97 Folgen Der Kommissar. Danach spielt er wieder Theater und inszeniert in Lübeck und Hamburg. 1982 erleidet er einen Schwächeanfall auf einer Münchner Theaterbühne und zieht sich aus dem Berufsleben zurück.

Erik Ode, seit 1942 mit der Wiener Schauspielerin Hilde Volk verheiratet, stirbt am 19. Juli 1983 in Weißbach/Tegernsee.
(Quelle: www.erik-ode.de)