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Reaktionen auf die Filme - Pressestimmen


Neues Deutschland, 31.12.1947:

Unsere Zeit in neuen Kurzfilmen
Hamburg (ADN). Kurzfilme mit Zeitcharakter dreht die "Junge Filmunion Hamburg" in den Räumen der Alster-Film-GmbH". Nach den abstoßenden Ludwig-Schmitz- und Jupp-Hussels-Filmen der Kriegszeit handelt es sich bei den bisher fertiggestellten Filmen "Frau Stadtmeier und Frau Landmeier" und "Sie sind nicht gemeint" um Filmstreifen, die sich bemühen, mit Ehrlichkeit dem Menschlichen unserer Tage gerecht zu werden. "Sie sind nicht gemeint" wird ein Film gegen das Unwesen des Schwarzmarktes sein, der andere Film beschäftigt sich mit den Nöten und Sorgen der Stadtbevölkerung im Westen und vergleicht damit den Überfluss der Landbevölkerung.


Film-Echo, Nr. 21/22, Januar 1948:

Re-Education auf 105 Quadratmeter
Nachtaufnahme in Ohlstedt. Warum nachts? Weil da der Strom geregelter ist, sagen die Leute von der "Jungen Film-Union, Rolf Meyer". Oder sollte es etwa am Filmstoff liegen, von dem man vermutet, dass er auf Grund seiner "dunklen" Handlung das Licht des Tages zu scheuen hat?
Einstellung 24 Anton: Gefängniszelle, ein Strafgefangener in grün-schwarz gestreifter Tracht mit dem lächerlich-sinnigen Barett ohne Schirm und der Nummer 4711. Und ohne dass Eric Ohde (der Hauptdarsteller hinter Gittern) den Mund aufgemacht hat, weiß man, dass diese Geschichte hier schwarz sein muss - man wird instinktiv an das Gitterplakat "Hände weg vom Schwarzen Markt" erinnert. (Welche Unterbewusstseins-Wirkung solche Plakate doch haben!) Aber dann - "Ton läuft": - "Ja, und dann hat man mich geschnappt. Rein zufällig. Man suchte mich schon. Über eine Zigarette bin ich gestolpert. Über eine von den Zig-Tausend, die du verschoben hast. Und nun kommt das Rechnen. Rechne doch mal nach -".
Jawohl - ein Anti-Schwarzmarktfilm. Während ich auf einer Pritsche stehend den reuigen Eric Ohde verfolge, umlächelt mich der Duft einer "Camel". Irgendwie paradox, könnte man meinen.
Die "Junge Film-Union" hat als eine der ersten jungen deutschen Filmgesellschaften damit begonnen, den sogenannten "Vorfilm" wieder zu produzieren. Die ersten drei Filme sind bereits fertiggestellt und werden in absehbarer Zeit über die Leinwand laufen. Und weil diese Kurzfilme Stoffe mit Zeit-Tendenz enthalten, ist anzunehmen, dass der Besucher sie lebhaft diskutieren wird. Aber nicht nur in stofflicher, sondern auch in künstlerischer Hinsicht sind diese Filme ein Experiment. Die Regisseure und ein großer Teil der Schauspieler kommen von Bühne und Funk und stehen zum ersten Mal neben und vor der Kamera.

Der eben geschilderte Anti-Schwarzmarktfilm "Sie sind nicht gemeint" ist ein in der Tat öffentliches heißes Eisen. Der Intendant der Hamburger "Jungen Bühne", Answald Krüger, ist mit diesem Eisen in die Feuerprobe gegangen. Wie weit dieser Film nun den kleinen Schwarzmarkt-Mann bekehren wird, dürfte nicht diskutabel sein, soweit man aber aus der Anlage des Drehbuches ersehen konnte, sind die Leute von der "Jungen Film-Union" recht klug mit der Fahne in die Schlacht gegangen: "Sag's mit Humor!" (Günther Lüders sollte als ertappter Sünder verpflichtet werden, es klappte nicht, und jetzt tut es Eric Ohde mit humorvollem Erfolg.)

Nummer zwei: "Frau Stadtmeier und Frau Landmeier". 300 Meter Film wollen versuchen, das Verständnis der einen für die Sorgen der anderen zu wecken. (Sowohl - als auch). Frau Stadtmeier wird für einen Tag zur Landfrau und Frau Landmeier geht in die Stadt. Es stellt sich dann heraus, dass letzten Endes doch jede nur in ihrem Element glücklich werden kann. Ob's überzeugt? Regie führte Gottfried Lange vom NWDR. Als Schauspieler begegnen uns: Eric Ohde, Erika Hehnke und Hermann Schomberg.

"Die Zauberschere" ist ein verfilmtes "Aus zwei mach eins" und gibt praktische Ratschläge für die Hausfrau und ihren Familien-Kleiderschrank. Horst Beck ("Auslese") führte Regie und fünf Mädchen aus einer Schar von vielen dürfen mit Charme und hübschen Beinen das Zusammengeschneiderte spazieren tragen. Die "Junge Film-Union" hat sich da an eine nicht zu unterschätzende Aufgabe herangemacht. Und unter den heutigen Umständen kann man auch einen Dreihundert-Meter-Film nicht mal eben vorm Frühstück drehen. Die Schwierigkeiten fangen beim Strom an und enden mit der Überbeanspruchung des technischen und künstlerischen Personals durch wochenlange Nachtarbeit. Hamburgs einziges Film-Atelier in Ohlstedt (Ausmaße 14 mal 7 ½ Meter) ist die Wiege aller Innenaufnahmen zu diesen Filmen.
Es bleibt im Interesse der Mühe und Arbeit zu hoffen, dass das Neugeborene vom Publikum schon richtig geschaukelt wird.