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Zeitgenössische Kritik

Vor dem Hintergrund des Ost-West-Konfliktes überrascht es nicht, dass Der Untertan in DDR und BRD (wo er mit sechsjähriger Verzögerung uraufgeführt wurde) unterschiedliche und zum Teil gegensätzliche Reaktionen auslöste. Die ostdeutsche Presse bedachte die staatsnahe Produktion mit einhelligem Lob. Für die Berliner Zeitung rezensierte der bekannte Theaterkritiker, Journalist und spätere Lessing-Preisträger Herbert Ihering den Untertan, zog Vergleiche zu Eisenstein und Pudowkin und kam zu dem Schluss, der Filme setze Maßstäbe, die für die Zukunft richtungsweisend sein müssten (K 1).

In der bundesdeutschen Presse fand zunächst die Tatsache Beachtung, dass der Film dem dortigen Publikum sechs Jahre lang vorenthalten wurde: Verschiedene Presseerzeugnisse, u.a. Der Spiegel (K 2) und die Hannoversche Presse (K 5) gingen auf die Hintergründe ein. Der Spiegel wies polemisch auf das „Abstammungsproblem“ der DEFA-Produktion hin und zog die Parallele zur „‚nicht-arische[n] Großmütter‘ unlängst vergangener Zeiten“ (K 2). Obwohl die satirisch überspitzten politischen Aussagen des Films in der bundesdeutschen Presse mitunter auf Ablehnung stießen, wurde seine künstlerische Qualität allgemein anerkannt (K 3, K 4, K 5). Karl-Friedrich Scherer monierte im Film-Echo einige wenige Übertreibungen, bezeichnete das Gesamtwerk jedoch als „meisterhaft“ und den Besuch des Films als Gewinn für jeden Zuschauer (K 3). Überschwängliches Lob wurde dem Untertan in der Rezension der Hannoverschen Presse zuteil: Der Film sei „Sprengstoff und ein Katalysator, der die Geister scheidet“ (K 4). In einem Hintergrundbericht über den „Zonenritt des Untertan“ wies A. F. Teschemacher in der Hannoverschen Presse darauf hin, dass Staudtes Film zum Zeitpunkt seiner westdeutschen Kinoauswertung in der DDR bereits nicht mehr gezeigt würde (K 5).