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Interviews


M 3: Der Regisseur zu seinem Film

Ein Auto als Hauptperson
Helmut Käutner erzählt von seinem Film "In jenen Tagen"
(Hannoversche Presse, 31.01.47)

"Der Film behandelt sieben Schicksale aus der Zeit von 1933 bis 1946. Schicksale, die alle mit dem Auto ... verknüpft sind", sagt Helmut Käutner, auf ein ... Fahrzeug weisend, das laubbedeckt auf dem Blankeneser Kirchweg steht, bereit für eine überblendete Aufnahme, die zeigen soll, dass es schon mehrere Tage her ist, seit sein Besitzer es verließ. "Ernst Schnabel und ich haben gemeinsam das Drehbuch verfasst", sagt Käutner "und wir glaubten, einmal etwas ganz Neues gemacht zu haben, denn dieses Auto soll nicht nur sozusagen der rote Faden der Handlung sein, das Requisit, welches die sieben Geschichten aus unserer jüngsten Vergangenheit zu einem Ganzen verbindet, sondern vielmehr die Hauptperson. Es hat - und das ist ein surrealistisches Moment des Films - sogar eine Stimme. Es ist der objektive Beobachter der menschlichen Schicksale, die sich - ohne diskutiert zu werden - in seiner unmittelbaren Umgebung abspielen. Bereits in 30m Entfernung kann das Auto nichts wahrnehmen. Hierin lag die Schwierigkeit beim Abfassen des Drehbuches: Alle Geschehnisse völlig zwanglos mit dem Auto zu verbinden. Es hat aber den Vorteil, dass der Stoff von sich aus nur Außenaufnahmen verlangt, so dass sich in diesem Film der momentane Mangel an Ateliers nicht ungünstig bemerkbar machen kann.

Das Auto ist anfangs grün lackiert. Später, während des Krieges, erhält es einen feldgrauen Tarnanstrich. Dann ist es verbeult, später stark beschädigt und endlich total kaputt.

Mein Film ist aber keineswegs, wie Sie jetzt annehmen werden, ein "Zeitfilm". Er spielt zwar in unserer jüngsten Vergangenheit, aber mich interessieren nur die menschlichen Schicksale. So wird in meinem Film keine Fahne, keine Uniform sichtbar. Ich habe alles vermieden, was auf einen Propagandafilm hindeuten kann. Die jeweilige politische Situation wird lediglich durch Hilfsmittel, wie im Hintergrund des Bildes sichtbar werdende Plakate an Litfasssäulen, Zeitungsschlagzeilen aus dem "VB": "Der Führer spricht in Nürnberg", oder durch Spruchbänder "Räder müssen rollen für den Sieg" und dergleichen angedeutet. Ein einziges Mal wird auch ein Gestapo-Gebäude fotografiert. Aber der Betrachter weiß nicht, dass es sich um ein solches handelt. Hier habe ich versucht, dem Gebäude durch besondere fotografische Einstellung einen düsteren Anstrich zu geben, um im Betrachter unwillkürlich rein vom bildmäßigen her bereits eine unheimliche Stimmung aufkommen zu lassen. Vor den Gebäude steht ein Auto mit den SS-Runen. In dem Kotflügel des Autos spiegeln sich zwei Gestalten, die sich mit erhobenen Arm grüßen. Dazu klingt das Zusammenschlagen der Hacken.

Dieses Zusammenwirken von Bild und Ton muss schon genügen, die vom Drehbuch geforderte Stimmung zu schaffen, ehe die Hauptperson ins Bild tritt.

Es ist ja so, jedenfalls allen meinen Erfahrungen der letzten 12 Jahre nach, dass das Publikum einen ausgesprochenen Zeitfilm sofort als einen Propagandafilm ansehen würde. Ich will aber die absolute Reinheit der Kunst. Wir haben etwa an dem Beispiel von Fred Dengers Schauspiel "Wir heißen Euch hoffen" gesehen, dass sehr viele heute noch nichts mit einer Gestapo-Szene auf der Bühne anzufangen wissen. Es ist alles noch zu frisch, als dass wir es schon zum Thema eines Kunstwerkes machen könnten.

Obgleich nun vier von den sieben Schicksalen mit dem Tode der Hauptperson - also tragisch - enden (bei den drei weiteren verliert das Auto die Spur, so dass diese Schicksale ungewiß bleiben), soll mein Film positiv sein. Auch in der Tragik kann etwas Befreiendes liegen.

Ich fürchte, mehr kann ich Ihnen heute nicht erzählen, die Drehpause ist beendet. Wann der Film fertig sein wird, möchten Sie auch wissen? Nun, ich rechne damit, dass er im März uraufführungsbereit ist. Ob er ins Ausland geht? Ja, auch das, die Verhandlungen hierüber sind bereits abgeschlossen, und ich hoffe zuversichtlich, dass mein Film dazu beitragen wird, dem Ausland den deutschen Menschen und sein Schicksal näher zu bringen."

Kurt Vethake

 

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M 7: Erinnerungen an die Dreharbeiten

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