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Zum Film

 

Bei dem hier präsentierten Film handelt es sich um ein Fragment: vier Minuten des ursprünglich 20minütigen Films sind überliefert, der Rest muss als verschollen gelten. Ausgehend von der überlieferten Zensurkarte vom 26. Juli 1924 weist der damalige Film insgesamt 40 Untertitel auf, das überlieferte Fragment enthält die Titel und entsprechenden Bildfolgen 15 – 23 (siehe auch Text der Zensurkarte).
Die Bedeutung des Filmfragments liegt heute im Wesentlichen darin, die – soweit überliefert und bekannt - ältesten Bewegtbilder aus der Innenstadt und der Altstadt Hannovers zu präsentieren und dabei auch ein Stück Leben auf den Straßen zu zeigen. Für den Fall Haarmann ist der Film demgegenüber vergleichsweise uninteressant. Sowohl was sachliche Informationen zum Tathergang, zum Hintergrund und der zeitgenössischen Behandlung des Falles angeht als auch was die spektakulären und schaurigen Aspekte betrifft, gibt es aussagekräftigeres Material. Hinweise hierzu finden sich an anderer Stelle dieser Publikation. Zur Beurteilung der Entstehungsgeschichte des Films ist aufschlussreich, dass Fritz Haarmann nach mehreren Zeugenaussagen und Vernehmungen am 1. Juli 1924 gestand, verschiedene Morde an Jungen und jungen Männern begangen zu haben und dass bereits dreieinhalb Wochen später der Film „Der Kriminalfall von Hannover“, gedreht von ein Hamburger Filmfirma, der Zensurbehörde in Berlin zur Freigabe vorgelegt worden war und nun beurteilt wurde. Dass heißt, der Film wurde offensichtlich in sehr kurzer Zeit heruntergekurbelt, geschnitten und mit Zwischentiteln versehen. Die Filmprüfstelle Berlin hat den Film am 26.7.1924 zur öffentlichen Vorführung im Deutschen Reich, auch vor Jugendlichen, zugelassen. Inwieweit der Film allerdings tatsächlich zur Aufführung kam, ist zur Zeit nicht bekannt. Denn bereits am 30.8.1924 hatte die Preußische Regierung, vertreten durch das Innenministerium, einen Antrag auf Widerruf der Zulassung gestellt. Mit der Entscheidung der Oberprüfstelle Berlin vom 17.9.1924 wurde die öffentliche Vorführung des Films im Deutschen Reich dann schließlich verboten mit der Begründung, dass der Film geeignet sei, verrohend und entsittlichend zu wirken und die öffentlichen Ordnung zu gefährden. Beanstandet wurden weniger die Bilder als vielmehr die Textpassagen des Films (siehe den Text der Zensurentscheidung). Da die beanstandeten Passagen sich zum großen Teil in dem Fragment befinden, kann sich der heutige Betrachter - aus der Distanz von über 80 Jahren - selbst ein Bild machen über damalige Ängste und Empfindlichkeiten und wohl auch über den Argwohn gegenüber dem Massenmedium Film.

Eine Wiederzulassung des Films ist nicht bekannt und es ist anzunehmen, dass er in der Folgezeit in Vergessenheit geriet. Erst im Rahmen des Hannover-Film-Projektes der GFS wurde das Fragment im Jahre 2005 im Bundesarchiv-Filmarchiv entdeckt: Die dortigen Unterlagen sagen aus, dass das Fragment, das sich in einem schlechten Zustand befand, im Jahre 1982 im Staatlichen Filmarchiv der DDR von Nitrofilm auf Sicherheitsfilm umkopiert wurde. Wie es zu der nur bruchstückhaften Überlieferung kam und von wem es überliefert wurde, ist nicht bekannt. Nach Überführung des Staatlichen Filmarchivs der DDR in das Bundesarchiv-Filmarchiv wurde das Fragment in dessen Bestand übernommen. Im Jahre 2006 hat nun die GFS das Fragment bearbeitet und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.