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Hintergrundinformationen

 

Die „Festschrift zum Blumenkorso durch die Landeshauptstadt Hannover am 22. August 1954“ beginnt mit einer Vorrede durch Oberbürgermeister Weber und Oberstadtdirektor Wiechert. Darin heißt es: „Musik, Gesang und viele Blumen werden an diesem Tage unsere Stadt beherrschen und erneut bekunden, dass wir trotz aller Not und Gefahr des menschlichen Daseins nicht verlernt habe, fröhlich zu sein. (...) Ein Sinnbild für die allmähliche Überwindung der Zerstörung und der Not durch die aufbauenden Kräfte soll uns der Blumenkorso sein. Wir wollen uns daran erfreuen und Mut und Kraft für neue Taten schöpfen.“ (Festschrift zum Blumenkorso 1954, S.3)

Am 22. August um 14 Uhr setzte sich der in die Festzugteile „Melodie“, „Harmonie“ und „Rhythmus“ unterteilte Blumenkorso durch die Innenstadt in Bewegung. Der im Zeichen des Bundes-Sängerfestes stehende und daher das Motto „Eine singende Stadt“ tragende Umzug umfasste über 65 Wagen, sowie 40 Kapellen und Trachtengruppen. Besonders hervorgehoben wurde in der Festschrift zum Blumenkorso 1957 die Teilnahme von „Sing- und Tanzgruppen aus der Sowjetzone“, und bedauernd vermerkt: „Dieser bunteste aller Blumenkorsos sah zum ersten, leider bisher auch letzten Male, Gruppen aus Mitteldeutschland im Festzug.“
(Festschrift zum Blumenkorso durch die Landeshauptstadt Hannover am 8. September 1957, S. 11)

Ursprünglich war in der HAZ die Aufführung des dritten Bildes aus Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ im Eilenriedestadion angekündigt worden: „Die Stadt lässt zur Zeit von Toningenieuren prüfen, wie die akustischen Schwierigkeiten für diese erstmalige Freilichtaufführung des `Festwiesenaktes´ aus den `Meistersingern´ überwunden werden können.“ (HAZ Ausgabe Nr. 45 vom 23. Februar 1954)
Tatsächlich aufgeführt wurden schließlich die Stadiontanzspiele „Das goldene Netz“ und „Mädchensommer“ von Hermann Grauerholz, sowie Sängerkundgebungen, die sich an die Einfahrt der Wagen ins Eilenriedestadion anschlossen.
Vor allen anderen Wagen zeichnete die Jury die Kreationen der Firmen Magis und Knoop aus: So erhielt der „Blumenpfau“ des Modehauses Magis den ersten, die “Frau Luna in der Mondsichel“ der Firma Knoop den zweiten Preis der Jury. Mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde die Unterpflasterbahn der Üstra. Eine Anzahl prämierter Wagen war nach Ende des offiziellen Programms im Stadtgarten der Stadthalle zu besichtigen, andere am Maschpark, am Georgswall, in der Landschaftsstraße und in der Sophienstraße.
Zum Ausklang des Blumenkorso fand in der Stadthalle der „Abend der Freundschaft“ des Deutschen Allgemeinen Sängerbundes statt.

Die Festschrift zum Blumenkorso 1957 zitierte rückblickend auf die Vorgängerveranstaltung des Jahres 1954 eine nicht genannte Berliner Zeitung mit dem Kommentar: “Hannover hat an diesem Wochenende mehr für die Völkerverständigung getan als eine Konferenz der großen Vier. Der Mann, der mir das in gebrochenem Deutsch sagte, hatte helle Augen und ein Lächeln um den breiten Mund. Er hieß Hans Tygessen und war mit 110 Landsleuten von Finnland nach Hannover gekommen. – Millionen Blumen schmückten als Symbol der Freundschaft den zwei Kilometer langen Blumenkorso, der von dem Oberbürgermeister der Stadt Bristol angeführt wurde. In den Straßen standen über 300.000 Menschen und mit ihnen Gäste aus Holland, Belgien, Norwegen und Dänemark.“
(Festschrift zum Blumenkorso durch die Landeshauptstadt Hannover am 8. September 1957, S. 11)