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Bundesgartenschau und Blumenkorso

 

Die „Erste Bundes-Gartenschau“, veranstaltet von der Hauptstadt Hannover und dem Zentralverband der Deutschen Gemüse-, Obst- und Gartenbau e.V., fand 1951 großen Anklang unter der hannoverschen Bevölkerung. Initiiert wurde diese Gartenschau durch den Berufsstand des Gartenbaus. Ein 1949 ausgeschriebener Ideenwettbewerb der Stadt Hannover richtete sich an alle freien, beamteten und angestellten Landschafts- und Gartenarchitekten innerhalb der Besatzungszonen. Der Text dieser Ausschreibung enthält deutliche Hinweise auf den weltanschaulichen Hintergrund zumindest der Mehrheit der Initiatoren, wenn es dort heißt: „Bei dem kleinen Lebensraum, der dem deutschen Volk verblieben ist, wird die Zukunft eine Verfeinerung aller landwirtschaftlichen Kulturen bringen. Die Krone aller bodenbetreuenden menschlichen Tätigkeit im Dienst am Fruchtbaren, Schönen, Edlen und Gesunden ist der Gartenbau und die Pflege einer Gartenheimat für das ganze Volk.“ (Ausschreibung Ideenwettbewerb zur Erlangung von Entwürfen für die „Jadega“ (Jahresschau deutscher Gartenkultur und Landschaftspflege) in Hannover 1951, vervielfältigtes Manuskript, S. 1, zitiert nach: Gröning und Wolschke-Bulmahn. Von der Stadtgärtnerei zum Grünflächenamt. S. 135.) Die im Wettbewerb eingegangenen Vorschläge bildeten die Grundlage für den Aufbau eines Veranstaltungsgeländes durch das Garten- und Friedhofsamt Hannover.

Veranstaltet wurde die Gartenschau auf dem Stadthallengelände und auf dem Bereich zwischen Clausewitzstraße und Eilenriede, der ursprünglich für ein Sport-Areal vorgesehen war. Am gleichen Ort, an dem 1933 die Jahresschau Deutscher Gartenkultur ausgerichtet worden war, wurde in anderthalb Jahren von 1949 bis 1951 ein entsprechendes Veranstaltungsgelände wiederhergerichtet, auf dem z.B. über 100 Bombentrichter gefüllt werden mussten.

Am 28. April 1951 eröffnete die Gattin des Bundespräsidenten, Frau Elly Heuss-Knapp, die Gartenschau mit den Worten, der Garten gehöre „zum Wiederaufbau, er gehört zur Hoffnung nach der Zerstörung, zur Ruhe trotz aller Arbeit.“ (Die Bundesgartenschau, Offizielle Ausstellungszeitschrift Nr. 2/Juni 1951, S. 3, zitiert nach Mlynek und Röhrbein: Geschichte der Stadt Hannover. S. 705.) Das Angebot für die Besucher umfasste eine „Schau der Immergrünen“, den „Heidegarten“, den „Wassergarten“, ein „Tropenpflanzenhaus“, einen „Iris- und Liliengarten“, sowie einen „Friedhof mit Grabmalschau“. Die Gesamtfläche der Gartenschau war mit 21 ha verhältnismäßig klein, so dass sie sich in einem zwei- bis dreistündigem Rundgang vollständig besichtigen ließ. Insgesamt besuchten fast 1,6 Millionen Besucher die Veranstaltung. Die Üstra trug ihren Teil bei in Form einer zur „Blumenbahn“ erklärten Linie 6, die zwischen dem Stöckener Friedhof und Nackenberg verkehrte.

Die Gartenschau endete am 31. Oktober 1951. Ihr Höhepunkt stellte der am 5. August stattfindende Blumenkorso dar, auf dem weit über 100 Gruppen (Firmen, Vereine und Verbände) sich mit prächtig geschmückten Vehikeln von der Herrenhäuser Allee durch die Innenstadt bis zum Gartenschaugelände bewegten und dabei annähernd 400.000 Schaulustige anlockten. Der erste Preis der Jury ging an eine aus „60.000 weißen und roten Rosen hergestellte überdimensionale Geige“ der Firma Horstmann & Co. aus Schleswig Holstein. In der Festschrift zum Blumenkorso 1957 heißt es weiter: „Schon der erste hannoversche Blumenkorso unterschied sich in einem wesentlichen Punkte von den `klassischen´ Blumenkorso, etwa den holländischen oder denen von Nizza und Baden-Baden. Der Korso klassischen Stils besteht aus einem kurzen Zug prächtiger Blumenwagen, ohne jene Verbindung durch Trachten- und andere Gruppen, die mittlerweile für den hannoverschein Korso so charakteristisch geworden sind. Dass Hannover seinen eigenen Blumenkorso-Stil entwickeln konnte, war nur möglich, weil Vereine und Verbände – Kleingärtner, Volks- und Trachtengruppen, Sportler, um nur einige zu nennen – sich begeistert in den Dienst der guten Sache stellten und viel dazu beitrugen, den Korso so volkstümlich werden zu lassen.“ (Festschrift zum Blumenkorso 1957, S. 10) Mit Ausnahme der Jahre 1956 und 1958, in denen die Blumenernte schlecht ausfiel, sollte der Blumenkorso noch sechs Mal stattfinden, zum letzten Mal 1959.

Noch in 60er und 70er Jahren wurde in Diskussionen angeregt, die Gartenschau wiederaufleben zu lassen. Ihre Anlagen blieben im Stadthallengarten teilweise erhalten, so Staudenbeete und Rhododendren, vor allem aber der Rosengarten mit 150 verschiedenen Rosensorten.

Quellen und Literatur:

 

Festschrift zum Blumenkorso 1957.

Geschichte der Stadt Hannover. Band 2 – Vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart. Herausgegeben von Klaus Mlynek und Waldemar Röhrbein. Hannover 1994.

Gröning, Gert und Wolschke-Bulmahn, Joachim: Von der Stadtgärtnerei zum Grünflächenamt. 100 Jahre kommunale Freiflächenverwaltung und Gartenkultur in Hannover. Patzer-Verlag Berlin / Hannover 1990.

Grün in der Stadt Hannover 1890 – 1990. Herausgegeben vom Heimatbund Niedersachsen e.V., Hannover. Hannover 1990.

Mlynek, Klaus und Röhrbein, Waldemar: Hannover Chronik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Hannover 1991.