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Thomas Garzke über seinen Film

Von einem einjährigen Aufenthalt als Austauschschüler im Juni 1967 aus den USA zurückgekehrt, erlebte ich ein völlig verändertes Hannover. In Amerika hatte ich mit einer kleinen japanischen Kamera (Elmo pocket auto) gefilmt, jetzt machte ich mit der Normal-8-Kamera meines Vaters, einer Leicina, meine Erfahrungen. Sie hatte die Anmutung eines Ziegelsteins mit Handgriff, aber war auf Grund der leicht zu wechselnden Objektive gut zu handhaben. Insbesondere das 6,25-mm-Weitwinkel hatte es mir angetan: fast von der Frontlinse bis ins Unendliche war alles scharf abgebildet. Dieses Objektiv und das Tele führte ich bei meinen Erkundungen lose in der Jackentasche mit, das fest eingebaute Normalobjektiv war ein 15-mm-Objektiv. Beim Flohmarkt reizte mich die Buntheit. In einer Einstellung ist Reinhard Schamuhn von hinten zu sehen, wie er an einem Klavier Wein einschenkt. Ich glaube mich zu erinnern, dabei gewesen zu sein, als das erste Mal der Flohmarkt am Hohen Ufer stattfand, wobei dieses Klavier eine Rolle spielte. Immerhin musste es neben den Hahnebuth-Gang gewuchtet werden. In dem Film gibt es zwei Einstellungen einer Gruppe von Menschen, die am anderen Leineufer unter einem großen Baum Musik machen, einer davon - mit Gitarre - könnte Mike Gehrke gewesen sein. Ebenfalls Gitarre spielend ist Peter Sauer zu sehen, später bekannt als Peter Petrel. Und schließlich erscheint in einer kurzen Einstellung der Fotograf und Besitzer eines Fotogeschäfts mit einem sehr ausgefallenen Angebot von bizarren technischen Geräten in der Altstadt, Augenreich, wie er das Federwerk seiner Bolex-H16-Kamera aufzieht (wo sind seine Filme geblieben?). Tiere auf dem hannoverschen Flohmarkt, heute undenkbar! Aufbruchsstimmung, Freude, Vielfalt! Ich habe nur "draufgehalten". Der Film ist hier in einer leicht bearbeiteten Fassung zu sehen. Die ursprünglich stummen Aufnahmen sind mit einem Projektorgeräusch unterlegt. Auf Wikipedia findet sich ein recht anschaulicher Artikel über den Flohmarkt Hannover.

Thomas Garzke