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Erinnerungen an die Entstehung des Films

 

Im Januar 1962 entstand in Gesprächen mit dem Direktor der Herrenhäuser Gärten, Prof. Dr. Karl H. Meyer, die Idee zum Film Der Große Garten mit Blick auf den 300. Geburtstag im Jahr 1966. Der Film sollte die vier Jahreszeiten beinhalten - von der winterlichen Kahlheit bis zur Sommerblüte, vom Sonnenlicht bis zum nächtlichen Feuerwerk, von den vielen Plastiken im Garten bis zur Belebtheit durch Spaziergänger, von der Gartenarbeit am "Schachbrettgarten" bis zur Aufführung im "Heckentheater". Als Grundlage für alles sollte die Wassermusik von Georg Friedrich Händel dienen, zumal er selber Orchesterleiter in Herrenhausen gewesen war.

Die primäre Idee des gesamten Filmschaffens von Herbert Seggelke war immer die "Hochzeit der Künste". Das trifft sich hier mit der Einheit der Künste im Barock: Pracht und Ordnung, mathematisch streng angelegt, Bewegung der Linien und immer auf ein Zentrum hin bezogen mit großer Sinnenfreudigkeit, Statuen, bewegtem Wasser (Fontänen), exakt geschnittenen Hecken im Kleinen und Großen, Ornamente im Buchsbaum, Achsen mit markanten Aus- und Durch-Sichten, akzentuierte Farben.

Die Aufnmahmen begannen im September 1963 und dauerten bis Februar 1965, gedreht wurde an ca. 25 Terminen mit jeweils 1-4 Tagen. Entgegen der üblichen Gewohnheiten beim Film sollten sich die Dreharbeiten den kulturhistorischen Gegebenheiten unterordnen: Kamerafahrten auf Achsen, Schwenks auf Zentren, Standort - Gegenstandort. Darüber hinaus vermittelten Detailaufnahmen ungewöhnliche Ausschnitte, spezielle Eindrücke und verborgene Züge des Gartens.

Sehr oft lief Händels "Wassermusik" vom Grammophon parallel zu den Aufnahmen. Der Komponist Karl von Feilitzsch war zugegen bei den Aufnahmen zu den "Schachbrettgärten". Die Stadt Hannover "spendierte" ein Extra-Feuerwerk ohne Publikum.

Der Winter, in dem die Dreharbeiten statfanden, war sehr hart, die unteren (Groß-)Hecken-Segmente mußten mit Pappe vor "Sonnenbrand" durch Schnee-Licht-Reflektion geschützt werden; wir mussten sie häufig entfernen und wieder neu platzieren. Da die Aufnahmen zu 98% im Freien stattfanden, waren wir äußerst wetterabhängig, und da zu dieser Zeit die Wetterprognosen noch nicht so präzise waren wie heute, holten wir sehr oft Rat und Auskünfte vom Flughafen Hannover.

Die Filmaufnahmen reichten über alle vier Jahreszeiten. Wir benutzten immer das gleiche Filmmaterial, aber die Lichtverhältnisse veränderten sich doch stark. Daher war der Farbbestimmer des Kopierwerkes sehr wichtig. Das gesamte belichtete Filmmaterial umfasste ca. die 8-fache Menge des fertigen Films. Die Schneidearbeiten zu dem Film dauerten von April 1964 bis zum Sommer 1965.

(Sabine Seggelke, geb. Wegeleben, Witwe des 1990 verstorbenen Filmemachers Herbert Seggelke)