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Materialien

Uraufführungsbericht der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (HAZ), 02.10.1991:

Apollo / Kommunales Kino. „Linden – Ein Arbeiterlied“

Alte Menschen kommen zu Wort, erzählen von ihren beengten Wohnverhältnissen im Linden der zwanziger Jahre, wo die Familien das heiße Badewasser nacheinander nutzen mußten. Der Dokumentarfilm „Linden – Ein Arbeiterlied“ erzählt in fünf Kapiteln von den Lebensverhältnissen, der politischen Jugendarbeit am Beispiel der roten Falken, den Arbeitsbedingungen, der Arbeiterkultur und Freizeitgestaltung in Vereinen sowie den Aktivitäten auf der Straße vor der Machtübernahme der Nazis.

Fast sechs Jahre lang sind Wolfgang Jost und Winfried Wallat mit der Kamera durch Straßen und Kneipen des hannoverschen Viertels gezogen, haben Augenzeugen befragt und versucht herauszufinden, was von der Lindener Arbeitertradition nach so langer Zeit noch übrig ist. „Wir haben immer wieder Pause machen müssen, weil wir unseren Film ohne Förderung selbst produzieren mußten“, sagt Wolfgang Jost. In ihrem 80 Minuten langen 16-Millimeter-Film wird in Farbe und in Schwarzweiß ein Stück Zeitgeschichte wieder lebendig.

Der Umgang mit authentischem Material habe sie gereizt, ergänzt Wolfgang Jost. „Wir wollten kein journalistisches Feature, sondern den Originalton der Leute.“ So lassen die beiden Autoren die Erinnerungen der Zeitzeugen unkommentiert für sich sprechen. Gerade diese Zurückhaltung macht diesen Film so sehenswert.