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Zur Entstehung und Bearbeitung des Films

 

Vor einigen Jahren wurde in der Filmsammlung „Horst Latzke“, die Mitte der 1990er Jahre von der Niedersächsischen Lottostiftung erworben und der damaligen Landesmedienstelle zur Aufbereitung übergeben wurde, eine Filmkopie entdeckt, die die Grundlage des hier vorgestellten Films bildet: Es handelt sich um eine stumme 16mm-Positivkopie, die ohne weitere Unterlagen überliefert wurde. Eine Sichtung des Films ergab, dass es sich um eindrucksvolle Schwarzweiß-Aufnahmen aus Hannover um 1960 handelt, die in ihren Motiven und in der Art der Inszenierung - Stichwort „Poetischer Realismus“ - deutlich von den bisher bekannten Hannover-Filmen der Nachkriegszeit abweichen, die durch die Darstellung des Wiederaufbaus geprägt sind.

Nachdem im Rahmen des Hannover-Film-Projektes der Ges. f. Filmstudien e.V. Finanzmittel eingeworben worden waren, stand fest, dass auch dieser Film in die Auswahl der zu sichernden Filme aufgenommen werden würde. Da keine schriftlichen Unterlagen zur Entstehung des Films mehr existierten, führten wir – etwa 45 Jahre nach Entstehung des Films - Gespräche mit dem Regisseur Horst Latzke sowie mit dem damaligen Kameramann Erhardt Meyer-Sewering, um etwas über die Entstehungsgeschichte zu erfahren. Die Filmemacher berichteten, dass es sich bei diesem Film um keine Auftragsproduktion gehandelt habe, sondern dass sie hier eigenen Interessen nachgegangen seien. Grundidee sei gewesen, Schauplätze und Motive einzufangen, die in der üblichen Dokumentarfilmproduktion jener Zeit, die stark durch Tempo, Dynamik und Wirtschaftswunder geprägt sei, nicht vorgekommen seien. Eine Anregung sei auch der bekannte Berlin-Film „Menschen am Sonntag“ von 1930 (Billie Wilder, Robert Siodmak u.a.) gewesen. Die Motive in dem hannoverschen Film, etwa die Aufnahmen vom Schützenfest, Bilder von Gastarbeitern, Ausflügler und Menschen, die ein Sonnenbad nehmen, seien mit der Kamera beobachtet worden. Einige wenige Aufnahmen basierten auf erfundenen Szenen, wie etwa die zwei Männer, die ein Auto eine Steigung empor schieben und dabei von einem Moped überholt werden.
In dieser Art der Beobachtung und Inszenierung von Alltäglichem zeigen sich deutliche Einflüsse durch das französische und italienische Kino der späten 1940er und 1950er Jahre, etwa Filme des Neorealismus (de Sica, Fellini), die von Horst Latzke und Erhardt Meyer-Sewering in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre voller Bewunderung im hannoverschen Hochhaus-Kino gesehen wurden.

Horst Latzke berichtete, dass „Menschen am Sonntag – Impressionen einer Stadt“ damals einschließlich einer Musikuntermalung fertig gestellt und auch aufgeführt worden sei. Diese kombinierte Kopie ist offensichtlich verschollen, es ist auch keine separate Tonspur überliefert, noch gibt es ausreichende Hinweise auf die verwendete Musik.1 Wie bereits erwähnt, wurde lediglich die stumme 16mm-Kopie von „Menschen am Sonntag- Impressionen einer Stadt“ überliefert. Um diese zu sichern und den interessanten Film einem breiteren Publikum vorführen zu können, haben wir uns dafür entschieden, den kompletten Film neu zu vertonen: In Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Filmkomponisten Wolfgang Zettl, der seit vielen Jahren im Künstlerhaus Stummfilme mit Klaviermusik begleitet, wurde eine neue Tonfassung hergestellt. Herr Zettl hat eine passende Musik komponiert, gespielt und aufgenommen, die wir dann mit den entsprechenden Rechten erworben haben. In Zusammenarbeit mit dem Kopierwerk Atlantik, Hamburg wurde schließlich die neue Tonfilmkopie geschaffen. Die überlieferte stumme Kopie existiert weiterhin in unserem Archiv. Sie wird gemeinsam mit einem neuen Sicherungsnegativ sowie dem neuen Tonnegativ im Filminstitut Hannover aufbewahrt.


1 Die im Film zu sehende Konzertmusik ist allerdings durch den zeitgleichen Film „Abseits der Hauptstraße“ bekannt und überliefert. Dieser Film thematisiert Konzertreisen des Knabenchors Hannover und enthält auch die diesbezüglichen Sequenzen des Films „Menschen am Sonntag – Impressionen einer Stadt“.