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Historische Hintergrund-Information: Judenverfolgung in Italien

 

Noch im Frühjahr 1938 erklärte das faschistische Italien, trotz des deutsch-italienischen Bündnisses keine antisemitische Politik betreiben zu wollen. Dennoch wurden im Oktober des gleichen Jahres antijüdische Rassegesetze eingeführt, die z.B. ein Berufsverbot für Juden in staatlichen Ämtern beinhalteten. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges kam es in italienisch besetzten Gebieten nicht zu Juden-Deportationen.


Als am 10. Juli 1943 den Alliierten die Invasion Siziliens gelang, waren die innenpolitischen Folgen desaströs für den „Duce“ Benito Mussolini: Mit einfachem Mehrheitsbeschluss wurde er am 25. Juli durch den Faschistischen Großrat als abgesetzt erklärt und dann auf Befehl König Viktor Emanuels III. verhaftet. Nachfolger Mussolinis wurde Marschall Pietro Badoglio, der im September mit den Amerikanern einen Waffenstillstand aushandelte. Italien hatte damit faktisch die Seiten gewechselt.


Die deutsche Regierung beschloss daraufhin den „Fall Achse“, der die Besetzung Italiens vorsah. Am 12. September wurde Mussolini durch deutsche Fallschirmjäger vom Gran Sasso in den Abruzzen befreit und nach Ostpreußen gebracht, um wenig später in Norditalien ein Marionettenregime zu installieren, die Republik von Salò (Repubblica Sociale Italiana).
Mit Einrichtung dieses faschistischen Staates unter dem Protektorat des Deutschen Reiches begann sowohl die Deportation italienischer Juden als auch Juden aus vormals unter italienischer Kontrolle stehender Gebiete.


Die Deutschen stießen dabei allerdings auf eine unerwartet mangelhafte Kooperationsbereitschaft sowohl der nicht-jüdischen italienischen Bevölkerung als auch faschistischer Funktionäre, sodass sich die SS veranlasst sah, ein Kopfgeld auf jüdische Männer, Frauen und Kinder auszusetzen. Ausdrücklich befürwortet wurde die deutsche Politik auf dem Parteikongress von Mussolinis neu geschaffener Republikanischer Faschistischer Partei (Partito Fascista Repubblicano) in Verona im November 1943, die alle Juden Italiens als Angehörige einer feindlichen Nationalität definiert hatte. Hauptfunktionär der Judenverfolgung wurde Giovanni Preziosi, der das Rassen- und Bevölkerungsamt der Republik von Salò leitete. In fast allen Provinzen wurden Sammellager errichtet, in denen die verhafteten Juden interniert wurden. In der Nähe von Modena entstand das Durchgangslager Fossoli di Carpi, von dem aus im Februar 1944 der erste Judentransport nach Bergen-Belsen durchgeführt wurde. Bis Kriegsende wurden etwa 8000 Juden aus Italien deportiert.