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Joachim Gottschalk


Der 1904 in Calau geborene Gottschalk erhielt bereits auf der Schule den ersten Schauspielunterricht. An der Württembergischen Volksbühne in Stuttgart lernte er seine spätere Frau kennen, die jüdische Schauspielerin Meta Wolff. 1933 heiratete er sie, im gleichen Jahr wurde ihr Sohn Michael geboren. Gottschalks Filmkarriere begann 1938 bei der UFA: Innerhalb weniger Jahre avancierte er als „Deutschlands Clark Gable“ zu einem ihrer größten Stars, der auch für militaristische Filme wie „Aufruhr in Damaskus“ (1938) und „Flucht ins Dunkel“ (1939) vor der Kamera stand. In den Kriegsjahren vergrößerte sich allerdings der Druck durch das Reichspropagandaministerium, Gottschalk solle sich von Meta scheiden lassen, die seit 1933 mit Auftrittsverbot belegt ist. In der Nacht vom 6. auf den 7. November 1941 verübten Joachim und Meta Gottschalk mit ihrem Sohn Michael gemeinschaftlich Selbstmord. Der Freitod der Familie wurde geheim gehalten, die Beerdigung durfte nur in kleinem Kreis stattfinden. Freunde konnten gegen das Verbot, jüdische mit nicht-jüdischen Toten zu beerdigen, ein gemeinsames Grab für die Familie durchsetzen.

Weiterführende Informationen unter:
http://www.zeit.de/2004/15/ZL-Gottschalk_2f15
Stand: März 2006.

 

Rede des Berliner Bezirksbürgermeister Michael Wrasmann zur Enthüllung einer Gedenktafel für Joachim Gottschalk am 6.11.2000, 12.00 Uhr an dem Haus Seebergsteig 2:

„Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen. Ich freue mich, dass Sie zu dieser kleinen Feier gekommen sind. Wir wollen heute die 102. Gedenktafel in Wilmersdorf enthüllen. Viele dieser Tafeln haben wir hier in der Villenkolonie Grunewald angebracht, und viele erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus.
Sie erinnern an Menschen, die wesentliche Beiträge zur deutschen Kultur, Wirtschaft oder Politik geleistet haben und die von den Nationalsozialisten vertrieben, ermordet oder in den Tod getrieben wurden: Walter Benjamin, Dietrich Bonhoeffer, Lion Feuchtwanger, George Grosz, Georg Hermann, Leon Jessel, Alfred Kerr, Else Lasker-Schüler, Heinrich Mann, Felix Nußbaum, Walther Rathenau, Hans Ullstein, um nur einige wenige zu nennen.
Wenn irgendwo im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts von einer deutsch-jüdischen Symbiose gesprochen werden kann, dann hier in der Villenkolonie Grunewald, wo der Verleger Samuel Fischer nicht nur seine Schriftsteller Gerhart Hauptmann, Thomas Mann und viele andere regelmäßig bewirtete, sondern auch Musiker, Wissenschaftler, Bankiers und Wirtschaftsleute in seinem gastlichen Haus empfing. Solche gastlichen Häuser gab es viele in Grunewald. Sie machten die Villenkolonie zu einem kulturellen Zentrum der Hauptstadt, das insbesondere von dem großen kulturellen und sozialen Engagement jüdischer Deutscher lebte. Dieses kulturelle Zentrum wurde von den Nationalsozialisten 1933 sehr schnell zerstört. Diese Zerstörung bedeutete für viele der Betroffenen ein schlimmes Schicksal, häufig den Tod.
Mit dieser Gedenktafel erinnern wir an eines dieser schrecklichen Schicksale. Es wurde vielen Menschen bekannt durch den Film "Ehe im Schatten", den Kurt Maetzig 1947 für die DEFA gedreht hat.
Heute vor 59 Jahren nahm sich in diesem Haus Joachim Gottschalk gemeinsam mit seiner Frau Meta und seinem Sohn Michael das Leben. Vorausgegangen waren vielfältige Repressionen der Nationalsozialisten gegen den Schauspieler und seine jüdische Frau.
Ihre Ehe widersprach den grotesken Vorstellungen der Nazis von Rassenreinheit, aber Gottschalk war nicht bereit, sich von seiner Frau zu trennen. Goebbels persönlich hatte zuletzt die Deportation von Meta und Michael Gottschalk angeordnet, nachdem er im Nachhinein erfahren hatte, dass er ihr, der Jüdin bei einem Ufa-Empfang unwissentlich die Hand geküsst hatte.
Wir sind heute fassungslos und fühlen uns Lichtjahre entfernt von solchem staatlichem Terror gegen die eigene Bevölkerung.
Joachim Gottschalk war ein Star der Ufa, wie es wohl in Deutschland heute keinen mehr gibt. Er wurde als "Clark Gable" der Ufa bezeichnet, spielte oft den galanten Liebhaber, meist an der Seite von Brigitte Horney und ließ vor allem die Frauenherzen höher schlagen.
Wir erinnern also mit dieser Gedenktafel nicht nur an ein tragisches Schicksal, sondern auch an einen großen, populären deutschen Schauspieler und an eine Zeit, als der deutsche Film Weltgeltung hatte und als das Synonym für gute Kino-Unterhaltung nicht Hollywood war, sondern Babelsberg und die Ufa.
Am 59. Todestag der Familie Gottschalk und drei Tage vor dem 62. Jahrestag des Novemberpogroms erinnern wir mit dieser Gedenktafel an ein Stück deutscher Kultur, die von den Nationalsozialisten zerstört wurde. Vielleicht sollten wir auch dies den ewiggestrigen Neonazis einmal sagen, die meinen, in deutschem Interesse zu handeln. Die Nationalsozialisten haben nicht nur einen Weltkrieg geführt, sie haben auch einen Bürgerkrieg gegen große Teile des eigenen Volkes geführt. Am Ende hatte Hitler nur noch eine Absicht: die vollständige Zerstörung Deutschlands.
Ich glaube, dass diese Gedenktafel zur richtigen Zeit dazu mahnt, dass wir aus unserer Geschichte lernen. Freiheit, Demokratie und Menschenrechte sind nicht selbstverständlich. Wir müssen für ihre Einhaltung einstehen.
Diese Gedenktafel ist ein Gemeinschaftswerk, und ich möchte insbesondere drei Beteiligten herzlich danken: Der Bildhauer Reinhard Jacob hat diese Tafel gestaltet, hergestellt und angebracht. Vielen Dank dafür.
Hans George Will hat diese Tafel vor über einem Jahr angeregt. Er war Nachbar der Gottschalks und mit dem Sohn Michael befreundet, und er hat nicht nur unermüdlich immer wieder nachgefragt und beharrlich auf diesen Tag hingearbeitet, sondern er hat auch einen großzügigen finanziellen Beitrag geleistet. Herzlichen Dank dafür.
Wolfgang Klaue vom Vorstand der DEFA-Stiftung hat sich bereiterklärt, seinen Vorstand davon zu überzeugen, die Herstellung dieser Gedenktafel ebenfalls großzügig finanziell zu unterstützen. Auch ihm möchte ich herzlich dafür danken.
Herr Klaue hat außerdem zugesagt, hier aus seiner Sicht über Joachim Gottschalk zu sprechen. Deshalb übergebe ich ihm jetzt das Wort.“

Quelle:http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ba/001106.html
Stand: März 2006.