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Weltspiele - Geschichte

 

logo Vor der Zerstörung


Das Filmtheater Weltspiele wurde im Jahr 1924 in der Georgsstraße in einem eigens errichteten Gebäude eröffnet. Schon in den zwanziger Jahren wurden hier zahlreiche große Stummfilme erstaufgeführt. Die Premieren wurden durch Gastspiele damals populärer Schauspieler wie z. B. Henny Porten bereichert.

Seit Beginn der Tonfilmära führte das Kino hauptsächlich ausländische Filme auf und blieb einer der wichtigsten Filmtheater Hannovers. In den dreißiger Jahren folgte ein erster Umbau des Gebäudes: der Eingang wurde verlegt und es wurde eine große Lichtreklame angebracht.

Seit 1936 war das Theater im Besitz der UFA, die es wiederum renovierte und die aktuellen deutschen und ausländischen Spielfilme zeigte. Der erste deutsche Farbfilm Frauen sind doch bessere Diplomaten erreichte eine Zuschauerzahl von fast 250.000. Im letzten Spieljahr vor ihrer Zerstörung durch den Bombenangriff vom 9. Oktober 1943 hatten die Weltspiele über eine Million Besucher.

Wiedereröffnung nach dem Krieg

Zur Wiedereröffnung der Weltspiele schrieben die Hannoverschen Neuesten Nachrichten:

Seit langem klagt der Filmbesucher in Hannover darüber, dass langerwartete neue Filme so spät in die Landeshauptstadt kommen. Beachtenswerte Neuerscheinungen sind oftmals bereits lange an anderen Orten diskutiert worden, ehe sich der Filmfreund in Hannover selber ein Urteil bilden kann. Jetzt soll dieser Zustand, der durch die geringe Zahl der Filmkopien und durch die Zerstörung der ehemaligen großen hannoverschen Lichtspielhäuser veranlasst wurde, gebessert werden.

Die Weltspiele wurden als drittes hannoversches Großkino (nach dem Capitol und der Schauburg Linden) am 24. März 1949 wiedereröffnet. Das Gebäude wurde in nur fünfeinhalb Monaten Bauzeit wiedererrichtet und vom neuen Direktor Billerbeck mit dem US-Film Clara Schumanns große Liebe eingeweiht.

Das Kino bot nunmehr Platz für 1160 Zuschauer und war damit das größte Hannovers. Die Hannoversche Allgemeine berichtete:

Die technischen Einrichtungen, nämlich die Projektionsapparate der Firma Bauer, Stuttgart, und die Klangfilmverstärker- und Lautsprecherkombinationen, System Eurodyn, sind das Modernste, was es auf diesem Gebiet gibt. Auch Entlüftung und Luftbeheizung entsprechen allen Anforderungen. Einige musikalische Proben bewiesen, dass auch die Akustik einwandfrei und wundervoll warme Klangwirkungen gewährleistet.

Es gab die ganze Woche hindurch fünf Vorstellungen pro Tag, und zwar um 11 Uhr, 13.15 Uhr, 15.45 Uhr, 18.15 Uhr und 20.45 Uhr.

Die fünfziger Jahre

In den fünfziger Jahren erlebten die Weltspiele ihre Blütezeit als Erst- und Uraufführungstheater. Zahlreiche Uraufführungen deutscher Unterhaltungsfilme wie Der Theodor im Fußballtor, Die Czardasfürstin, Blaubart u.a. fanden hier im Beisein der Hauptdarsteller und unter großem Zuschauerandrang statt. In seinen besten Zeiten beschäftigte das Kino 22 Platzanweiserinnen, fünf Kassiererinnen, vier Vorführer, zwei Portiers und einen Pagen in Uniform.

Die Uraufführungen wurden von der Kinoleitung durch sogenannte Premierenbücher dokumentiert, die einen Eindruck vom Starrummel und der Begeisterung während dieser Erstvorstellungen vermitteln. Auf der Seite Eine Premiere in den 50ern wird mit Hilfe eines solchen Premierenbuches die "Welturaufführung" des Films Schlagerparade näher betrachtet.

Im Sommer 1954 wurde das Kino für drei Wochen geschlossen und nochmals gründlich modernisiert. Neben der Bühne wurde auch der gesamte Innenraum erneuert.

Wenn sich jetzt der neue Vorhang aus stahlblauem Brokat öffnet, wird eine Breitbildspielwand sichtbar, die für alle Breitspielfilme, kurzum für die neuzeitliche Stereophonie, geeignet ist. Die Bildwand wurde von 9 Meter auf 13 Meter verbreitert. Mit der Bühnenumgestaltung wurde selbstverständlich auch die Tonanlage erneuert [...].

(Hannoversche Allgemeine, 14.7.1954)

Ende der großen Zeit

Mit dem Siegeszug des Fernsehens war auch die große Zeit der Weltspiele vorbei. Im März 1969 blickte die Hannoversche Allgemeine zwar noch positiv auf das zwanzigjährige Bestehen der neuen Weltspiele zurück ("Der Erfolg hat ihnen recht gegeben.").

Doch die Existenz des Kinos war spätestens seit 1975 bedroht, nachdem der auf 25 Jahre befristete Mietvertrag der Billerbeck-Filmtheaterbetriebe mit dem Eigentümer des Gebäudes ausgelaufen war und dieser es an die Kaufhauskette Woolworth verkauft hatte. Woolworth, so die HAZ vom 22.1.1975, "hat das Grundstück zwischen Georg-, Kleiner Packhof- und Heiligerstraße von der Erbengemeinschaft Sasse erworben, um die relativ bescheidene hannoversche Filiale vergrößert in den Konkurrenzkampf mit den anderen Kaufhaus-Giganten zu schicken." Eine Einbeziehung eines Kinos in den Neubau schloss Woolworth aus.

Diese Entwicklung wurde sowohl von den Billerbeck-Betrieben, die im mit 1101 Plätzen größten Kino Niedersachsens immer noch "überdimensional lange Besucherschlangen" erzielen konnte, als auch von den hannoverschen Stadtplanern mit großer Sorge betrachtet: "Im Innenstadtkern gebe es bereits Kaufhäuser genug."

Zwar ließ die Erweiterung des Woolworth-Kaufhauses auf sich warten, aber auch andere Faktoren trugen zum Niedergang der Weltspiele bei. Nachdem Billerbeck das Kino 1980 an den Hamburger Kinozaren Heinz Riech übergeben hatte und sich auf das erst 1974 eröffnete Gloria-Center konzentrierte, verkamen die Räumlichkeiten mangels Investitionen zusehends. So vermeldete die HAZ am 1.8.1987, das Kino steuere "sichtlich aufs Ende zu":

Jetzt bröckelt sein Glanz ab wie der Putz an der haushohen Saaldecke, die in ihren vier Fassungen nur noch eine funktionierende Tausendwattbirne trägt, und der Goldrahmen um die Riesenleinwand weist sehr symbolische Risse auf.

Die Belegschaft war auf vier Mitarbeiter - eine Kartenabreißerin, ein Vorführer, eine Kassiererin und eine Süßwarenverkäuferin - geschrumpft. Diese waren verantwortlich für den großen Hauptsaal und die zwei anderen kleinen Säle (74 und 136 Plätze).

Schließung

1991 wurden die Pläne des Woolworth-Konzerns vom Bauordnungsamt der Stadt Hannover genehmigt, das Weltspiele-Gebäude abzureißen und einen Erweiterungsbau für die Innenstadt-Filiale zu errichten. Das Stadtplanungsamt hatte zwei Jahre lang vergeblich versucht, den Konzern dazu zu bewegen, im neuen Gebäude auch ein Kino einzuplanen. "Zur Belebung der Innenstadt haben wir ja jetzt das Cinemaxx", lautete die Begründung für das Umdenken der Stadt laut HAZ vom 2.4.1991.

Die Weltspiele als Kino mussten im Sommer 1992 endgültig schließen, nachdem zunächst von einer vorübergehenden Sommerpause aufgrund des Zuschauerschwunds durch die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele die Rede gewesen war.

Der Abriss des Gebäudes ließ auch jetzt noch auf sich warten: die Weltspiele machten noch einige Zeit als Techno-Location von sich reden. Erst 1994 (?) errichtete Woolworth sein neues Gebäude, aus dem es sich 2002 aus Rentabilitätsgründen zurückziehen musste.