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Erste Wiedereröffnungen

 

Die Wiedereröffnung der Kinos verzögerte sich zunächst aufgrund der Vorschrift der Militärregierung, dass nicht mehr als zehn Personen sich versammeln durften. Die Briten erkannten aber sehr schnell, dass "...das Volk Vergnügen haben muss, besonders im Winter, um nicht an die schwere Lage zu denken. Die Deutschen sollten die Initiative ergreifen, denn sonst sieht es zu sehr nach britischer Propaganda aus."

Am 24. Juli 1945 konnten zunächst fünf Kinos im Stadtgebiet Hannovers wiedereröffnen, die von der Militärregierung genehmigte Filme zeigten. Mehrmals am Tag liefen in den folgenden Kinos deutsche Filme aus alter Produktion:

Adler-Lichtspiele, Podbielskistraße: Die schwedische Nachtigall (1941, Regie: Peter Paul Brauer)

Capitol, Schwarzer Bär: Die Frau meiner Träume (1944, Georg Jacoby)

Herrenhäuser Lichtspiele, Stöckener Straße: Sophienlund (1943, Heinz Rühmann)

Kronprinzen-Lichtspiele, Wunstorfer Straße: Bal Paré (1940, Karl Ritter)

Apollo, Limmerstraße: Zirkus Renz (1943, Arthur Maria Rabenalt)

Die schnelle Wiedereröffnung der Kinos in Hannover ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass die Briten den Film für das wichtigste Instrument zur Beeinflussung und Information hielten, das zugleich auch geeignet war, von der Existenznot der Nachkriegszeit abzulenken.

Das Filmangebot in den ersten Nachkriegsmonaten war geprägt von neu produzierten Dokumentarfilmen und Wochenschauen der Alliierten sowie ausgewählten deutschen Produktionen aus den Jahren bis 1945, die nach einem Zensurverfahren in die Kinos kamen. Verteilt wurden die Filme von der ICU direkt an die Kinos, jeweils am Donnerstag und für eine Woche.

Das Interesse an den Filmvorführungen stieg in dieser Zeit stetig an, gehörten sie doch zu den wenigen erschwinglichen Zerstreuungsmöglichkeiten. So bewegte sich der Eintrittspreis zwischen 80 Reichspfennigen und zwei Reichsmark, während, zum Vergleich, auf dem Schwarzmarkt eine deutsche Bosco-Zigarette 2,50 RM, eine amerikanische Lucky Strike 5 RM und ein Stück Butter 250 RM kosteten.

Neben den alten deutschen Produktionen kamen auch sehr schnell ausländische Filme, zunächst mit deutschen Untertiteln, in die Kinos. In Hannover wurde am 11. September 1945 in dieser Form der englische Film Rembrandt (1936, Regie: Alexander Korda) gezeigt, mit Charles Laughton in der Hauptrolle. Mit ihm wurde zugleich das Victoria wiedereröffnet, das bis zu diesem Zeitpunkt als Fox-Cinema noch immer ausschließlich den Briten zur Verfügung gestanden hatte.

Nunmehr waren in der Stadt wieder sechs Kinos in Betrieb, die aber den Bedarf nicht decken konnten. Hinzu kam, dass einige der Filmtheater, beispielsweise das Capitol mit seinen 1000 Plätzen, auch anderen kulturellen Veranstaltungen dienen mussten, da die meisten Theater und Veranstaltungsorte ganz oder teilweise zerstört oder durch die Besatzungsmacht beschlagnahmt worden waren.

Der hannoversche Oberbürgermeister Bratke setzte sich bereits im Sommer 1945 für den schnellen Wiederaufbau der Kinos ein, unterstützt von der britischen Militärregierung, die das kulturelle Leben ebenfalls wiederbeleben wollte.

Schon am 5.10.1945 konnte daher der schon während des Krieges teilweise wieder aufgebaute Gloria-Palast in der Hildesheimer Straße mit der Uraufführung des Films Große Freiheit Nr. 7 eröffnet werden. Dieser Helmut-Käutner-Film, mit Hans Albers in der Hauptrolle, war eine Kriegsproduktion aus dem Jahre 1944, deren Aufführung in Deutschland untersagt worden war und die daher erst jetzt in die Kinos kam.

Im Oktober 1945 wurden noch drei weitere Kinos wiedereröffnet, die Schauburg in Döhren, der Europa-Palast und die Kammer-Lichtspiele in Misburg, so dass nunmehr die ersten Stadtteilkinos wieder zur Verfügung standen.

Mit der Lizensierung und Registrierung von Fritz Rehbehn und Albert Markgraf im Oktober 1945 erhielt ein weiteres Kino, die Schwanenburg-Lichtspiele, die Genehmigung, Filme vorzuführen. Es sollte aber noch fast ein weiteres Jahr dauern, bis dieses Kino in der Wunstorfer Straße tatsächlich eröffnet werden konnte, da die zusätzlich erforderliche Gewerbeanmeldung erst im Juli 1946 erfolgte.

Auch in anderen Stadtteilen gab es Initiativen zur Errichtung von Lichtspieltheatern. So beantragte beispielsweise Paul Driesen im August 1945, für den Stadtteil Kleefeld ein Kino im Gasthof "Weißer Schwan" in der Scheidestraße 21 errichten zu dürfen. Er erhielt im Oktober des Jahres eine Lizenz und die erforderliche Konzession, konnte das Lichtspieltheater aber nicht eröffnen, da die Gaststätte zwischenzeitlich von der Besatzungsmacht beschlagnahmt und als Tanzbar für Angehörige der britischen Streitkräfte genutzt wurde. Obwohl es in den Stadtteilen Kleefeld und Kirchrode (ca. 45000 Einwohner) keine kulturellen Einrichtungen gab, sah die Militärregierung keine Möglichkeit, ihr Unterhaltungszentrum zu verlegen. Erst 1951 konnte Paul Driesen die Kleefelder Lichtspiele eröffnen.

Anfang 1946 konnte bei einigen Filmtheatern die Anzahl der täglichen Vorstellungen auf drei bis vier erhöht werden, da sie nunmehr ausschließlich als Kinobetrieb genutzt wurden. Weil die Besucherzahlen ständig stiegen, organisierten einige Kinos einen Kartenvorverkauf drei Tage vor der jeweiligen Vorstellung. Hinzu kam, dass eines der größten Kinos in Hannover, das Capitol, im Januar 1946 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste und erst im April den Betrieb wieder aufnehmen konnte.

Im Herbst 1946 konnte ein weiteres Filmtheater eröffnet werden, die Scala-Filmbühne in der Kleestraße, allerdings nur mit einer Öffnungszeit von Freitag bis Sonntag, da das Gebäude an den übrigen Tagen von den Briten genutzt wurde.