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Carl Buderus

 

Von den "lebenden Bildern" der projizierten Chronophotographien bis zur ersten Kinovorführung ist es nur noch ein ganz kleiner Schritt. Mitte der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts tüfteln diverse Erfinder und Photographen an der Entwicklung der Kinematographie. Die Geburt des neuen Mediums liegt quasi in der Luft, weshalb eine Diskussion um die "erste" Kinovorführung sich eigentlich erübrigen sollte.

Max und Emil Skladanowsky präsentieren am 1. November 1895 ihre Kinovorführung im Varieté-Theater Wintergarten einem zahlenden Publikum; am 28. Dezember 1895 führen die Gebrüder Lumière, die bereits am 22. März vor geladenen Zuschauern ihre ersten Filme gezeigt hatten, im Grand Caf, des Capuchines ihre Filme öffentlich vor.

Auch der Civilingenieur Carl Buderus ist fasziniert vom neuen Medium Film. Er betreibt bereits seit 1887 die Elektrofirma "Buderus & Co" mit Sitz Auf dem Emmerberge 30 in Hannover. Obwohl das Unternehmen floriert - besonders hoch im Kurs stehen Blitzableiter - verkauft Buderus 1900 diesen Fabrikationszweig an seinen bisherigen Prokuristen und wendet sich dem Film zu. Ab 1903 firmiert er unter "Spezialgeschäft für lebende Photographien" und steigt in die Fabrikation von Kinoprojektoren nach dem System Lumière ein. Auch Filmaufnahmen entstehen, meist Reportagen oder kurze Spielfilme mit aktuellem Hintergrund.

Nach der wirklichen Köpenickiade am 16.10.1906 dreht Buderus noch im gleichen Jahr Der Hauptmann von Köpenick (Regie und Hauptdarsteller: Carl Sonnemann). Sämtliche Angestellte der Firma stellen auch das Schauspielpersonal. So mimt der Kameramann Karl Hasselmann im Film auch einen Soldaten und einen Polizisten. Die Innendekorationen werden im Garten in die Sonne gestellt, die Außenfront des Buderus-Betriebes dient als "Bahnhofseingang", und die Turnhalle in der Maschstraße wird zum "Rathaus Köpenick" umfunktioniert.

Buderus verdient an diesem Film so gut, dass er eine neue Werkstatt mit Atelier anbauen kann. Der Betrieb verfügt außerdem über eine eigene Kopieranstalt und stellt Grammophonplatten her. Diese werden parallel zur Projektion abgespielt und von Buderus mit seinen Filmen zusammen als "Tonbilder" vertrieben.

Am 1. Januar 1912 übernehmen Dr. Adolf Wale und Ernst Schüssler, ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma, die Buderus Kinematographenwerke mbH, Hannover. Der Sitz der Firma wird nach Berlin verlegt.