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Verbürgte Skandälchen

 

Im Frühjahr 1950 beschließt die Bundesregierung, der kränkelnden Filmbranche unter die Arme zu greifen. Sie gewährt Ausfallbürgschaften für die bei der Filmherstellung notwendigen Kredite. Wegen hoher Verluste und Eingriffe in die künstlerische Freiheit ist die Maßnahme heftig umstritten. Die Filmaufbau wird bis zum Ende der Bürgschaftsaktionen 1955 sämtliche Filme (insgesamt sieben) auf diese Weise absichern lassen können. Der erste verbürgte Film Primanerinnen (1951) nach der Novelle "Ursula" von Klaus Erich Boerner ist zugleich das Debüt Rolf Thieles als Drehbuchautor und Regisseur.

Der "Film der jungen Herzen", wie er vom Verleih angekündigt wird, sorgt speziell beim jugendlichen Publikum für Diskussionsstoff. Viele empfinden einige Szenen als zu anzüglich und zu wenig realistisch, als dass sie sich darin wiederfinden könnten. Von der Kritik wird der Film dagegen überwiegend positiv aufgenommen.

Im Frühsommer 1952 reicht Rolf Thiele beim Bürgschaftsausschuss das Drehbuch "Der Präsident kommt" ein. Die Handlung basiert auf Ereignissen, die sich tatsächlich anlässlich des Besuchs von Bundespräsident Theodor Heuss in Göttingen abspielen. Der Ausschuss verlangt, dass der Film umbenannt und Änderungen im Drehbuch vorgenommen werden. Der Tag vor der Hochzeit (1952, Regie: Rolf Thiele) erzählt zugleich frech und liebenswürdig eine amüsante Provinzposse "von großen Schwächen und kleinen Sünden".