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Junge Film-Union

 

Vom Tanzsaal zum Filmatelier

 

Auch in Bendestorf wird 1947 eine große Produktionsfirma gegründet. Ihr Inhaber Rolf Meyer flüchtet mit seiner Frau Gerty Böttcher im April 1945 in das Heidedorf südlich von Hamburg. Zwei Jahre später erhält er als einer der ersten Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg die Lizenz zur Gründung der "Jungen Film-Union" (JFU).

Im Juli 1947 beginnen unter der Regie Erich Waschnecks die Dreharbeiten zum ersten Spielfilm Menschen in Gottes Hand, einer Flüchtlingsgeschichte. Improvisation bestimmt das Filmgeschäft. Der Tanzsaal des Dorfgasthauses "Zum Schlangenbaum" wird zum Atelier. Kurz nach Drehbeginn übernimmt Rolf Meyer die Regie für den erkrankten Erich Waschneck. Die Außenaufnahmen entstehen in der Lüneburger Heide und in Hamburg.

Schon im Juli folgt der zweite Spielfilm Wege im Zwielicht von und mit Gustav Fröhlich. Die Handlung des Films ist wie bei Menschen in Gottes Hand in der frühen Nachkriegszeit angesiedelt. Drei junge Männer geraten bei Schwarzmarktgeschäften unter Mordverdacht und fliehen aufs Land. Der Dorfbürgermeister (Gustav Fröhlich) gibt ihnen die Chance, dort eine dringend benötigte Brücke zu bauen. Gefilmt wird ohne Atelier in Hannovers Bahnhofsbunker, der Marktkirche sowie im Kloster Wienhausen bei Celle. Der Titel des Films ist auch auf die Dreharbeiten übertragbar: Durch mehrstündige Stromsperren kann oft nur im nächtlichen und frühmorgendlichen "Zwielicht" gefilmt werden.

Anfang 1948 pachtet Rolf Meyer vom Wirt des "Schlangenbaums" ein Grundstück, auf dem er zwei kleine Atelierhallen sowie mehrere Nebengebäude errichtet. 1950 wird das dritte fast 1000 qm große Atelier eingeweiht. Mit einer Bauhöhe von zehn Metern ist es auch für aufwendigere Produktionen geeignet. Die Junge Film-Union verfügt damit über "die bedeutendste Atelieranlage in Nordwestdeutschland" und entwickelt sich zur "produktionsstärksten Filmgesellschaft in Niedersachsen" (Peter Stettner). 200 Arbeiter und Angestellte sind hier 1951 beschäftigt.