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"Der Verlorene"

 

Der beste Film, der in den Bendestorfer Ateliers in der Ära Rolf Meyer gedreht wird, ist eine Fremdproduktion. Die Junge Film-Union vermietet 1951 die Studios an die Arnold Pressburger Filmproduktion, München, die hier und im Atelier Hamburg-Heiligengeistfeld Der Verlorene dreht.

Zum ersten und einzigen Mal führt der Remigrant Ladislav Loewenstein alias Peter Lorre Regie. In über sechzig Filmen hat der Mann mit dem Charaktergesicht bisher vor der Kamera agiert, darunter auch in Fritz Langs Meisterwerk M (1930). Der unpolitische Wissenschaftler Dr. Rothe (Peter Lorre) forscht in einem Hamburger Institut für die Nazis. Sein Assistent, der Gestapo-Spitzel Hoesch (Karl John) treibt ihn durch eine Intrige zum Mord an seiner Verlobten. Die Tat wird zwar als Selbstmord vertuscht, doch seinem Gewissen entkommt Rothe nicht; er muss zwanghaft weiter morden, bis er Hoesch nach dem Krieg wieder gegenübersteht und diesen nicht triebhaft, sondern aus Überzeugung tötet. Dann endlich findet er Erlösung, in dem er den Mut hat, nicht zur Seite zu springen, als ein Zug auf ihn zurollt.

Der Verlorene wird als künstlerisch bester deutscher Film 1951 mit dem "Bambi" ausgezeichnet. Eine beantragte Bundesbürgschaft wird jedoch mit der Begründung abgelehnt, "dass der Film an sich gut sei, dass er aber höchstwahrscheinlich keinen Kassenerfolg darstelle". Tatsächlich ist er bereits nach zehn Tagen aus den Kinos verschwunden. Peter Lorre kehrt enttäuscht nach Hollywood zurück.