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Filmen im Kollektiv

 

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Eine Gruppe ehemaliger Filmstudenten der Hamburger Hochschule der Künste zieht 1975 in den Landkreis Lüchow-Dannenberg, um auf kollektiver Basis "eingreifende" Filme zu machen. Roswitha Ziegler, Niels-Christian Bolbrinker und Bernd G. Westphal gründen die "Wendländische Filmcooperative". Zwei Jahre später sollen nach dem Willen der niedersächsischen Landesregierung bei Gorleben eine Wiederaufbereitungsanlage (WAA) und ein Endlager für Atommüll errichtet werden.

Das Wendland, bis dahin vergessener Zipfel der Bundesrepublik, gerät in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bundesweiter Widerstand regt sich. Die Wendländische Filmcooperative dokumentiert den Protest von 1977 bis 1985 in drei Filmen: Die Herren machen das selber, dasz ihnen der arme Mann Feyndt wird (1977/78), Der Traum von einer Sache (1980/81) und Zwischenzeit (1985). Die "Gorleben-Trilogie" will "Gegenöffentlichkeit" zur offiziellen Berichterstattung sein und beschreibt die Ereignisse von einem subjektiven, mit dem Widerstand sympathisierenden Standpunkt. Im Fernsehen ist die Trilogie deshalb nur verkürzt, im Spätprogramm oder überhaupt nicht zu sehen.

Seit 1975 produziert die Wendländische Filmcooperative auch zahlreiche Dokumentarfilme zu anderen Themen. Landfrauen (1978), Der lieben Mutter (1987), Geld - fortlaufende Notierungen (1990), Gestern war heute noch morgen (1991) und Das Ende des blauen Montags (1992) sind ihre abendfüllenden Werke. Außerdem finanziert sie sich durch Beiträge für verschiedene Fernsehanstalten, wie z.B. Die Sendung mit der Maus (WDR).

Zehn Jahre nach Zwischenzeit arbeitet die Cooperative erneut an einem Film zum Thema "Gorleben": Der Transport. Vier Filmteams begleiten den mit radioaktivem Müll beladenen "Castor"-Behälter von Philippsburg ins "Zwischenlager" nach Gorleben. Rebbecca Harms, zeitweilig Mitarbeiterin der Cooperative, beschreibt die Situation im Wendland so: "Vor zehn oder fünfzehn Jahren wäre niemand auf die Idee gekommen, dass die Grenzanlagen verschwinden würden, aber dass man was gegen die Grenzanlagen der WAA tun könnte. Heute stellt sich das genau umgekehrt dar."