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Scheune und Schlemmerbude

 

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Mit seiner in Walsrode ansässigen Produktion "octopus cinevideo" (inzwischen "movielines") dreht Michael Küspert 1991 den Kurzfilm Macanudo. Der Film nach dem Drehbuch von Enrique Fernandez spielt in Südamerika. Hier versucht ein Gangsterquartett, zwei wertvolle Statuen des Nachts aus einer Indio-Hütte zu stehlen. Doch am Ende stehen die Gringos mit demoliertem Chevrolet und ohne Beute in der Pampa: "Macanudo" heißt in Peru soviel wie "Alles klar?". Für die Dreharbeiten fliegt das Filmteam jedoch nicht nach Übersee: Die Indio-Hütte findet in einer Scheune bei Walsrode Platz. Die Maisfelder der Lüneburger Heide wirken so authentisch, dass Macanudo neben zahlreichen Preisen 1992 auch in Houston/Texas mit dem "World Fest Bronze Award" ausgezeichnet wird.

Zwei Bier, zwei Korn, zwei Kaffee (1993), der zweite Kurzfilm der Wedemarker "Behring/Girardet Filmproduktion" (Heiner und Ingo Behring sowie Christoph Girardet), entsteht in der "Schlemmerbude" in Hannover-Stöcken. Hier nehmen zwei schweigsame Gäste einen Imbiss und die Titelgetränke zu sich. "It's now or never", meint Elvis aus der Musikbox, der Biertrinker (Matthias Scheuring) spielt Mundharmonika, der Korn- und Kaffeetrinker (Lutz Zeidler) schwingt das Tanzbein mit der japanischen Kellnerin (Kaori Matsuo). "Der Zuschauer wird ständig mit seiner Erwartungshaltung konfrontiert, aber es passiert letztlich nichts." (Heiner Behring). Das "Imbissstuben-Epos" wird 1993 u.a. für den Bundesfilmpreis nominiert.

Nach einem Filmstudium in den USA dreht der Wolfsburger Bernhard Landen 1994 in seiner Heimatstadt den anspruchsvollen Kurzspielfilm Schichtwechsel. Auf dem nächtlichen Wolfsburger Bahnhof treffen der junge VW-Arbeiter Tim (Sebastian Rudolph) und ein namenloser Landstreicher (Heinz Werner Kraehkamp) aufeinander. Zwischen ihnen entwickelt sich ein in Tätlichkeiten endender Dialog, der Tim klarmacht, dass sein vom Schichtwechsel bestimmtes Leben trostloser ist als das des vermeintlich "schmarotzenden" Gegenübers. "Ein Film nicht nur für Wolfsburger, aber über Wolfsburger" (BZ 8.2.1995).