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Trickreiche Brüder

 

(Diese Darstellung befindet sich auf dem Stand von 1995.)

Ein Zwillingspaar aus Hildesheim braucht nur siebeneinhalb Minuten, um ganz oben anzukommen: Die Brüder Christoph und Wolfgang Lauenstein werden für ihren Trickfilm Balance 1990 mit dem Bundesfilmpreis in Silber und dem "Oscar" ausgezeichnet. Fünf stumme, kahle Gestalten stehen auf einer schwankenden Plattform, die nur durch abgestimmte Koordination ihrer Bewegungen im Gleichgewicht gehalten werden kann. Aus dem Nichts angelt eine der Figuren eine Truhe, welche die Harmonie zerstören wird. Im Kampf um ihren Besitz stürzen die Figuren nacheinander in den Abgrund, bis nur noch eine Gestalt und die Truhe übrig bleiben. Um die "Balance" weiter halten zu können, muss die Figur sich immer auf der entgegengesetzten Seite der Truhe aufhalten.

Bereits 1982 richten sich Wolfgang und Christoph im Keller der elterlichen Wohnung in Hildesheim ein provisorisches Trickfilmstudio ein. Gemeinsam produzieren sie mehrere Kurzfilme. An der Herstellung der "anfangs komischen, zum Schluss in Mord und Verzweiflung endenden Parabel" (Spiegel 14/90) Balance arbeiten die Lauensteins von 1987 bis 1989 nur während der Semesterferien. Wolfgang studiert Visuelle Kommunikation und Philosophie in Kassel, Christoph Visuelle Kommunikation und Musik in Hamburg. Der Film wird mit geringsten finanziellen und technischen Mitteln realisiert (als "Plattform" dient ihnen eine einfache Tischtennisplatte) und läuft zunächst auf Festivals. Er erhält den Publikumspreis des Hamburger "Low-Budget"-Festivals und eine Auszeichnung in Annecy. Ein amerikanischer Verleiher wird auf den Trickfilm aufmerksam, bringt ihn in die US-Kinos und macht so die Oscar-Nominierung möglich.

Seit 1990 firmieren die Geschwister als "Lauenstein & Lauenstein" in Hamburg, wo hauptsächlich Auftragsarbeiten und Werbespots entstehen.