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Bennigsen-Denkmal

von Felix Schürmann

Das Denkmal für Rudolf von Bennigsen Senior wurde 1907, fünf Jahre nach dessen Tod, von der Nationalliberalen Partei am Maschpark gegenüber vom Provinzialmuseum (dem heutigen Niedersächsischen Landesmuseum) aufgestellt.

1905 vermeldete die "Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen", dass ein zur Errichtung eines Denkmals für Rudolf von Bennigsen gebildetes Ehrenpräsidium mit einem geschäftsführenden Ausschuss einen Wettbewerb veranstaltet hat, den die Architekten Otto Lüer und der Bildhauer Karl Gundelach, beide aus Hannover, gewonnen haben.[1] "Stufen und Aufbau sind in Waldstein-Granit gestockt, das Postament in Kösseine-Granit, (...) die Figur Bennigsens (...) in Bronze gegossen."[2]

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Die feierliche Einweihung fand am 3. Oktober 1907 statt. Allerdings war die Errichtung in Hannover durchaus umstritten. Am selben Tag riefen die Welfen zu einer Kundgebung auf, bei der verschiedene Redner schwere Vorwürfe gegen Bennigsen erhoben.[3] Das Umfeld der Deutsch-Hannoverschen Partei ("Welfenpartei") warf Bennigsen vor, Hochverrat am Königreich Hannover begangen zu haben. Diese Vorwürfe galten seinen Bemühungen um einen deutschen Nationalstaat unter preußischer Führung, die zwangsläufig das Ende der welfischen Dynastie und des Königreiches Hannover zufolge haben mussten. Zwar spielten bei der Annexion Hannovers durch Preußen im Jahre 1866 letztendlich andere Akteure die Hauptrollen, doch für viele Anhänger des hannoverschen Adels war ihr alter politischer Gegner Bennigsen der große Verräter. Dazu kam, dass Bennigsen seinerseits als Adliger zum Führer der bürgerlichen Gegner Georgs V. avancierte, was ihm seitens der Welfen nie verziehen wurde. Auch die Tatsache, dass während der Tätigkeit Bennigsens als Oberpräsident von Hannover die Aufstellung eines Denkmals für Georg V., den letzten hannoverschen König, abgelehnt worden war, trug zu den Anfeindungen gegen das Bennigsen-Denkmal bei.[4]

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Anlässlich der Aufstellung des Denkmals veröffentlichte der welfische Historiker William von Hassel, dem einige Jahre zuvor durch Bennigsen die Nutzung der Akten des Königlichen Staatsarchivs Hannover verweigert worden war[5], eine Broschüre, in der er die Vorwürfe gegen Bennigsen noch einmal zusammentrug. Unter anderem heißt es dort, Bennigsen habe mehr als andere dazu beigetragen, "die Selbstständigkeit unsers teuren Heimatlandes zu vernichten"[6] und als Oberpräsident Hannovers "nichts Hervorragendes geleistet."[7] Gegen Bennigsen gerichtete Schriften waren seit 1866 eine häufige Form des Ausdrucks der welfischen Kritik, oft erschienen sie auch anonym oder pseudonym.[8] Dennoch scheinen die Gegner des Bennigsen-Denkmals in der Minderheit gewesen zu sein. Viele Zeugnisse der Ablehnung lassen sich zumindest nicht finden. Selbst die von Hassel verfasste Broschüre, die ursprünglich anlässlich der Einweihung des Denkmals erscheinen sollte, fand keinen Verleger und musste schließlich Wochen später im Selbstverlag gedruckt werden.[9]

Ganz pragmatisch erfolgte die weitere Nutzung des Denkmals im Zweiten Weltkrieg: Die Bronzeskulptur wurde zu militärischen Zwecken eingeschmolzen.[10]

 

Fußnoten

[1] Bennigsen-Denkmal. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, 51 (1905). S. 345.
[2] Bennigsen-Denkmal. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, 53 (1907). S. 508.
[3] Brosius 1964, S. 48 f.
[4] Hassel 1907, S. 22 f.
[5] Brosius 1964, S. 37.
[6] Hassel 1907, S. 5.
[7] Ebd., S. 22.
[8] Brosius 1964, S. 26.
[9] Hassel 1907, S. 3.
[10] Bennigsen-Denkmal. In: Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen, 53 (1907). S. 507f.
[11] Knocke/Thielen 1995, S. 33 und 197.

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