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Carl-Peters-Grabmal

von Felix Schürmann

Im September 1918, wenige Tage nach dem Tod » Carl Peters' in Woltorf bei Peine, bewilligte der Magistrat der Stadt Hannover auf Antrag des nationalliberalen Stadtdirektors » Heinrich Tramm einen Ehrenplatz für den ehemaligen Reichskommissar auf dem Stadtfriedhof Engesohde.[1] Auf der Grabstätte wurden neben Peters auch dessen Mutter und 1951 seine Frau Thea beigesetzt.[2]

Bei dem in den 1860er Jahren angelegten Friedhof handelt es sich um den ersten kommunalen Friedhof Hannovers. Heute sind hier unter anderem die Gräber von Hermann Kestner, » Gustav Noske oder Kurt Schwitters zu finden.[3]

Das Grabmal in seiner heutigen Form entstand allerdings erst zehn Jahre nach dem Tod Carl Peters.

Im März 1928 forderte die rechtskonservative "Niederdeutsche Zeitung" in einem Kommentar die Aufstellung eines Denkmals zu Ehren von Carl Peters in Hannover: "Sollte es nicht in erster Linie seine Vaterstadt Hannover als Ehrenpflicht betrachten, seinen verstorbenen großen Bürger auf diese Weise zu ehren?"[4]

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» Heinrich Tramm, obgleich seit 1918 nicht mehr Stadtdirektor Hannovers, nahm eine "führende Rolle im Bürgervorsteherkollegium"[5] - dem Vorgängergremium der heutigen Ratsversammlung - ein. Der Name Tramms taucht in den Quellen zum Grabmal immer wieder auf und er wird als "einer der ältesten und besten Freunde"[6] Peters beschrieben. Seine Idee war es vermutlich auch, das Grabmal anlässlich des zehnten Todestages von Peters einzuweihen. In der Kommission für das Garten-, Friedhofs- und Forstwesen gab es jedoch Widerstände gegen das Grabmal. Aus der Befürchtung heraus, dass auch der Magistrat im letzten Moment Einwände erheben könnte, entschieden sich Tramm und Senator Engelke dazu, die Kosten für das Grabmal - insgesamt 6.000 Mark - durch eine Sammlung unter Freunden Peters' aufzutreiben. Vermutlich ist dies auch der Grund, weshalb anstelle des zunächst erstellten Entwurfes in rotem Granit eine schlichtere und preisgünstigere Variante in grauer Sandsteinverkleidung aufgestellt wurde.

Die Pläne für dieses Denkmal sind nicht signiert, wurden aber vermutlich von Stadtbaurat Karl Elkart entworfen, zumindest legt dies ein Vermerk auf der entsprechenden Akte beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege nahe.[7]

Neben Peters' Namen und Lebensdaten finden sich auf dem hochrechteckigen Quader die zwei Inschriften:

ER ERWARB
DEUTSCH OSTAFRIKA
FÜR SEIN VATERLAND

sowie

NUR DER VERDIENT SICH
FREIHEIT WIE DAS LEBEN,
DER TÄGLICH SIE EROBERN
MUSS

Am 10. September 1928 wurde das Peters-Grabmal im kleinen Kreis eingeweiht. In seiner Ansprache ging Tramm kurz auf den Umstand ein, dass die Feier unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand: "Wir sind uns darüber klar, daß das Bild des Toten auch heute noch sehr im Urteil der verschiedenen Richtungen und Persönlichkeiten schwankt. (...) Leider hat Deutschland im Gegensatz zu den meisten anderen Nationen mehr als einmal das traurige Beispiel gegeben, daß nicht die ganze Nation, wenn es sein muß, sich hinter einen Pionier auf exponiertem Posten stellt, sondern noch über ihn herfällt."[8]

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Zu den anwesenden Gästen zählten die Familienangehörigen, Tramm, Stadtbaurat Elkart, Bürgervorsteher-Worthalter Liebernickel, Stadtgartendirektor Hermann Kube, ein Männerchor, Vertreter der Deutschen Kolonialgesellschaft und des Frauenbundes der Deutschen Kolonialgesellschaft.[9]

Die Deutsche Kolonialgesellschaft und andere kolonialistische Interessengruppen nutzten das Grabmal bis in die späten 1950er Jahre hinein als Bühne für revanchistische Gedenkveranstaltungen. So ließ die Kolonialgesellschaft zum Beispiel 1932 ihre Jugendorganisation, die "Kolonial-Jugend", am Grab von Carl Peters geloben, nicht eher zu ruhen, als "bis wir unsere Kolonien wiederhaben."[10]

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Anlässlich des 80. Geburtstages, den Peters 1936 gefeiert hätte, marschierten Vertreter von Kolonialverbänden in den Uniformen der "Schutztruppe" unter Mitwirkung von SA, SS, Hitlerjugend und dem "Bund Deutscher Mädel" vom Hofbrauhaus zur Kranzniederlegung auf den Friedhof und von dort zum Carl-Peters-Platz in die Südstadt. Dort wurden zahlreiche Vorträge gehalten und nationalistische Lieder wie das "Vaterlandslied" gesungen, musikalisch begleitet von den Kapellen der Polizei und Wehrmacht.[11]

Seit 1918 wurde die Grabstätte Carl Peters' von der Stadt Hannover als Ehrengrab unterhalten. Erst 1993 wurde diese Form der Würdigung durch die Stadt Hannover beendet. Allerdings im Rahmen dringend notwendiger Sparmaßnahmen, nicht auf der Grundlage einer intensiven historischen Aufarbeitung und Reflektion. Das Grabmal blieb jedoch erhalten und steht noch heute auf dem Stadtfriedhof Engesohde.[12]

Neben dem Carl-Peters-Denkmal ist das Grabmal das bedeutendste Kolonialdenkmal in Hannover, legt man den ihm seitens der kolonialistischen Interessenverbände zugemessenen Stellenwert als Maßstab an.

 

Fußnoten

[1] Diese sowie alle weiteren nicht anders gekennzeichneten Informationen in diesem Absatz stammen aus der umfangreichen Akte, die der Stadtfriedhof Engesohde zu der Grabstätte Peters' führt.
[2] Schreiben des Garten- und Friedhofsamtes vom 26.2.1951 an Frau Asta Berninghaus, Archiv des Stadtfriedhofs Engesohde.
[3] Vgl. Knocke/Thielen 1995, S. 65 f.
[4] Hannover, erinnere dich Karl Peters. In: Niederdeutsche Zeitung, 16.03.1928.
[5] Knocke/Thielen 1995, S. 218.
[6] Ein Carl-Peters-Denkmal in Hannover. Einweihung eines Gedenksteins auf dem Engesohder Friedhofe. In: Hannoverscher Kurier, 11.09.1928.
[7] Vgl. Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege - Sammlung der Bau- und Kunstdenkmalpflege - Abt. 16 F Nr. 75.
[8] Zitiert nach: Ein Carl-Peters-Denkmal in Hannover. Einweihung eines Gedenksteins auf dem Engesohder Friedhofe. In: Hannoverscher Kurier, 11.09.1928.
[9] Ein Carl-Peters-Denkmal in Hannover. Einweihung eines Gedenksteins auf dem Engesohder Friedhofe. In: Hannoverscher Kurier, 11.09.1928.
[10] Zitiert nach: Ehrung eines Kolonialpioniers. In: Hannoverscher Kurier, 23.09.1932.
[11] Gedenken an Carl Peters. Feierstunde in Hannover. In: Hannoverscher Kurier, 27.09.1936.
[12] Beim Sparen werden jetzt auch die Grabstellen durchforstet. Stadt will sieben Ehrenpflegschaften aufgeben. Auch die Ruhestätte des Deutsch-Ostafrika-Eroberers Peters betroffen. In: Hannoversche Allgemeine Zeitung, 29.06.1993.

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