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Spuren des Kolonialismus in Hannover » Personen » Carl Peters

Carl Peters

von Felix Schürmann

  • 1855 in Neuhaus an der Elbe geboren. Im Anschluss an sein Studium der Geschichte und Philosophie und seine Promotion über Schopenhauer verbringt er drei Jahre in London

  • 1884 Habilitation im Fach Philosophie und Beteiligung in Berlin an der Gründung der "Gesellschaft für deutsche Kolonisation"; mehrere Aufenthalte in Hannover während der Abfassung der Habilitation

  • 1884 Ohne offiziellen Auftrag "erwirbt" er Gebiete im Osten Afrikas, die vom Kaiser 1885 zum Schutzgebiet "Deutsch-Ostafrika" erklärt werden

Peters kolonialpolitische Ziele waren geprägt durch einen rassistischen Sozialdarwinismus und einen übersteigerten Nationalismus. So schrieb er 1886 über den Sozialismus und die deutsche Kolonialpolitik:

"Die Kolonialpolitik will nicht Anderes, als die Kraftsteigerung und Lebensbereicherung der stärkeren, besseren Rasse, auf Kosten der schwächeren, geringeren, die Ausbeutung der nutzlos aufgespeicherten Reichtümer dieser im Dienste des Kulturfortschritts jener.
Es ist ein Irrtum, der gerade dem Deutschen nahe liegt und der deshalb um so unzweideutiger zurückgewiesen werden muss, wenn man meint, die Kolonialpolitik bezwecke allein die moralische und materielle Hebung fremder Volksstämme
Sie soll weitblickend genug sein, um sich diese Aufgabe als ein hervorragendes Mittel zum Zweck zu stellen. Dieser ist und bleibt aber schließlich die rücksichtslose und entschlossene Bereicherung des eigenen Volkes auf anderer schwächerer Völker Unkosten." [1]

  • bis 1888 "Erwerb" weiterer Landstriche im östlichen Afrika durch Peters; dieser verliert aber kontinuierlich an Macht, da immer mehr Banken und Unternehmen in die aus der "Gesellschaft für deutsche Kolonisation" hervorgegangene "Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft" dringen

  • 1.7.1890 Peters' politisches Ziel einer deutschen Großkolonie im Osten Afrikas wird durch den Helgoland-Sansibar-Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Großbritannien zunichte gemacht

  • 1891 Peters gründet zusammen mit » Alfred Hugenberg den "Allgemeinen Deutschen Verband" » (ab 1894: "Alldeutscher Verband") der einen expansiven Kolonialismus propagiert

  • 1891-1895 Ernennung zum Reichskommissar für das Gebiet am Kilimandscharo in Deutsch-Ostafrika

  • 1894 Er legt das Amt nieder und kehrt nach Deutschland zurück, nachdem Vorwürfe laut geworden sind, die ihn des brutalen Mordes an seiner Geliebten und deren Freund bezichtigen. Der Vorfall hatte eine tumultartige Reichstagsdebatte und ein Disziplinarverfahren gegen Peters zur Folge

  • 1895 Umzug nach Großbritannien

  • 1896 Nach einem Disziplinarverfahren wird Peters seines Amtes als Reichskommissar enthoben und aus dem Reichsdienst entlassen

  • 1905 Kaiser Wilhelm II. ernennt Peters zum Reichskommissar a.D.

  • 1914 Rehabilitierung durch Kaiser Wilhelm II. nach Peters Rückkehr nach Deutschland. Dadurch bezieht Peters lebenslange Pensionsansprüche

  • 1916 In der Südstadt Hannovers wird der » Karl-Peters-Platz angelegt

  • 1914-1918 Zahlreiche Aufenthalte Peters in Hannover

  • 10.9.1918 » Carl Peters stirbt in Woltorf bei Peine

 

Fußnoten

[1] Zitiert nach: Kolonial-Politische Korrespondenz. 2. Jg. Berlin, 9. und 16.2.1886. » http://www.zum.de/psm/imperialismus/peters2.php.

Literatur/Links
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