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Spuren des Kolonialismus in Hannover » Personen » Heinrich Tramm

Heinrich Tramm

von Inga-Dorothee Rost

 

13.3.1954 In Hannover als Sohn des Hofbaumeisters Heinrich Tramm geboren; Studium der Rechts- und Staatswissenschaften

1883 Senator der Stadt Hannover

1885-1891 Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im preussischen Landtag

1890 Wahl zum Syndikus der Stadt Hannover (Vertreter des Stadtdirektors Haltenhoff)

1891 Wahl zum Stadtdirektor von Hannover

1904 Porträtgemälde von Max Liebermann anlässlich seines 50. Geburtstag

1916 Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hannover. Der Platz vor dem Rathaus wird nach ihm benannt und der Bildhauer Bernhard Hoetger mit der Anfertigung einer Porträtbüste Tramms beauftragt

10.11.1918 Rücktritt vom Amt des Stadtdirektors

ab 23.2.1919 Vertreter der Deutschen Volkspartei (DVP) im hannoverschen Bürgervorsteher-Kollegium und hannoverscher Entsandter im Preußischen Staatsrat; enge Zusammenarbeit mit den Rechtsparteien und insbesondere der DNVP seines Freundes Alfred Hugenberg.

März 1924 Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die Technische Hochschule Hannover

11.10.1931 Teilnahme an der "Harzburger Front"

1931 Eine zweite Porträtbüste Tramms wird durch Senator Fritz Beindorff sen. (Eigentümer der Firma Pelikan) bei Hermann Scheuernstuhl in Auftrag gegeben

13.3.1932 Tod in Hannover; Tramm wird auf einer Bronzeplakette des Bildhauers August Waterbeck verewigt

Die hannoversche Stadtgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts wird insbesondere mit einer Person assoziiert: Stadtdirektor Heinrich Tramm, den Zeitgenossen/innen angesichts seiner Selbstherrlichkeit aber auch als Zeichen des Respekts liebevoll spöttelnd "König Heinrich" nannten.[1] Unter seiner Ägide (1891-1918) erlebte Hannover den bis dahin größten ökonomischen und baulichen Boom. Ausdruck dafür ist das 1913 eingeweihte "Neue Rathaus", zu dessen Einweihung Tramm dem angereisten Kaiser Wilhelm II. stolz verkünden konnte "Alles bar bezahlt, Majestät". Die Literatur beschreibt Tramm unisono als großen Stadtpolitiker, Baumeister und Kunstfreund. Die Tramm zuteil gewordenen städtischen Ehrungen unterstreichen seine politische Rolle in und Bedeutung für Hannover. Seine politische Anschauung dagegen findet wenig Beachtung und wird in der städtischen Literatur vage mit "Annäherung an konservative Kreise" oder "stand (…) den sozialen Problemen als Nationalliberaler oft distanzierter als nötig gegenüber" beschrieben, wobei immer wieder betont wird, dass er seine politische Gesinnung städtischen Anliegen unterordnete.[2]

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Doch schon bevor er nach seinem Rücktritt als Stadtdirektor 1918 rechtskonservative Kräfte um sich versammelte und zusammen mit seinem Freund » Alfred Hugenberg aktiv zum Sturz des Präsidialkabinets von Reichskanzler Heinrich Brüning ("Harzburger Front") - und damit der demokratischen Republik - aufrief, stand er Personen des rechten Politikspektrums persönlich nahe.[3] So zählte auch der wegen seiner nationalistischen, rassistischen Gesinnung und Arroganz sehr umstrittene ehemalige Reichskommissar von Deutsch-Ostafrika, » Carl Peters, zu seinen besten Freunden. Mit diesem verbanden ihn auch politische Anliegen: So war Tramm Mitglied des von Peters geleiteten "Emin-Pascha-Komitees". Dieses beauftragte Peters im Januar 1889 eine Expedition nach Ostafrika durchzuführen, um den Sultan der Äquatorialprovinz des Sudans, Emin Pascha, zur Hilfe zu eilen. Eigentliches Ziel der auch vom Auswärtigen Amt und Bismarck abgesegneten Aktion war allerdings laut Peters "... auch unseren deutsch-ostafrikanischen Kolonialunternehmungen zu dienen. Wie hätte es dem deutschen Emin-Pascha-Komitee, welches durchweg aus nationalen Männern bestand, beifallen können, anders als in vollster Übereinstimmung mit einer Regierung vorzugehen, welche damals gerade im Begriffe stand, den Wünschen der kolonialpolitischen Elemente Deutschlands in Ostafrika Rechnung zu tragen!"[4]

Seine Verbundenheit zu Tramm unterstrich Peters in einer Widmung in seinem Buch "Zum Weltkrieg" [Hamburg 1917], die lautet: "Seinem langjährigen Freunde Heinrich Tramm, Stadtdirektor von Hannover, in alter Gesinnung gewidmet von Carl Peters". Auch Tramm revanchierte sich öffentlich für Peters Freundschaft. Peters posthume Ehrung durch die Stadt » Hannover bis in die heutige Zeit geht vor allem auf Tramms » Initiative zurück - und verbindet Tramm und die Stadt Hannover mit dem deutschen Kolonialstreben und -anspruch.

 

Fußnoten

[1] Röhrbein 1988, S. 58.
[2] Ebd., S. 58 sowie Brosius 1994, S. 352.
[3] Röhrbein 1999, S. 159-182.
[4] Frank 1943, S. 17-18.

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